Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Christine Vogler

Seit 32 Jahren ist Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats und Geschäftsführerin des Berliner Bildungscampus, im Bereich Pflege und Gesundheit tätig. Ausschlaggebend für ihren Berufswunsch war ein Jugendbuch.

Christine Vogler
Gudrun Arndt/Composed by Thieme

Christine Vogler, Geschäftsführerin des Berliner Bildungscampus und neue Präsidentin des Deutschen Pflegerats.

Was macht Ihren Beruf zu Ihrer Berufung?

Mein beruflicher Weg ist und war mir immer ein Geschenk. Pflege voranzubringen und Ihr im Gesundheitssystem eine Stimme zu verschaffen und gleichzeitig aktiv die Pflegeprofession mitzugestalten, konnte ich an und in jeder Position. Ob in der Pflege auf der Onkologie, der Lehre als Kursleitung und Fachdozentin, Fachbereichsleitung, Schulleitung oder Geschäftsführerin. Immer habe ich parallel dazu berufspolitisch arbeiten wollen und können und immer hatte es unmittelbare Auswirkungen auf mein Handeln und meine Erkenntnisse. Konfuzius hat mal gesagt "Wähle einen Beruf den Du liebst, und Du brauchst keinen Tag in Deinem Leben mehr zu arbeiten." So geht es mir.

Tatsächlich ist mein Beruf und meine beruflicher Weg meine Berufung. Das empfinde ich als großes Privileg.

Wann und wie wurde Ihr Interesse an der Gesundheitsbranche geweckt?

Achtung - jetzt kommt ein Klischee. Ich wollte schon immer Krankenschwester werden. Und als ich als 12-Jährige die Bücher von Helen Dore Boylston "Susanne Barden", die den Weg einer Krankenschwester durch die Ausbildung und in das Leben hinein erzählt, gab es kein Halten mehr. Berufswunsch gefunden. Und in der Ausbildung habe ich sofort gemerkt, dass es zwischen dem Können und dem Dürfen von Pflegenden eine große Schieflage gibt und Verantwortung, die ich gerne übernommen hätte, mir durch das System verweigert wurde. Das war der beginn meines ehrenamtlichen Engagements in den Berufsverbänden.

Was muss sich in der Gesundheitsbranche ändern und warum?

Wir brauchen ein einheitliches und gerechtes Finanzierungssystem für die medizinische und pflegerische Versorgung. Die Kompetenzen und Verantwortungsbereiche der Berufe müssen neu zugeschnitten werden. Die Arztzentrierung muss im Hinblick auf das Können der Gesundheitsberufe aufgelöst werden. Die Pflege und Gesundheitsberufe müssen angemessen bezahlt werden und benötigen Mitspracherechte im System. Das Bildungssystem muss an den internationalen Standard angepasst werden und wir brauchen unbedingt eine umfassende Gesundheitsberichtserstattung. 

Das sind Bausteine mit denen wir die Pflege- und Gesundheitsberufe attraktiv halten können und gleichzeitig die qualitativ gute Versorgung der Menschen sichern. Mehr und besser (aus)gebildete Gesundheitsfachberufe - bessere Versorgung - gesündere Menschen - zufriedenes Land - volkswirtschaftlich prima!

Wie stellen Sie sich Ihren Beruf in 20 Jahren vor?

Deutschland bildet die Gesundheitsberufe generalistisch an Universitäten aus. Die ersten 4 Semester studieren alle gemeinsam. Danach fächern sich die Studiengänge in Pflege, Medizin, Therapie und Technik auf. Die Abschlüsse sind gleichwertig. Gesundheitskompetenz und Demokratie sind reguläre Schulfächer ab der 1. Klasse. Pflegende sind sowohl in der Akut- und Langzeitversorgung im Bereich der Prävention, Sozialen Arbeit, Kuration und Palliation souveräne Partner für die anderen Berufsgruppen. Gemeinsam haben alle die demografische Herausforderung gemeistert. Die Berufe sind begehrt und nachgefragt. Die Pflegekammern sind Ansprechpartner für die Politik im Bund und in den Ländern.

Was darf für einen erfolgreichen Tag nicht fehlen?

Kaffee, mindestens ein nettes Gespräch mit einer/m Kolleg*in, Mailpostfach mit maximal fünf unbeantworteten Mails, Radeln ohne Regen. So!

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