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Deutscher Pflegetag 2021Es braucht eine Gesamtidee für die Pflege

Das Thema Pflege betrifft ganz Deutschland. Pflegerat und weitere Vertreter fordern zum Deutschen Pflegetag 2021 Reformen für mehr Personal und eine bessere Bezahlung.

Christiane Vogler
Jan Pauls/Deutscher Pflegetag

Christiane Vogler auf dem 8. Deutschen Pflegetag 2021.

An diesem Mittwoch und Donnerstag beraten Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden auf dem achten Deutschen Pflegetag über die aktuellen Herausforderungen. Zum Auftakt ist auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingeladen, der ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer richtet.

Der Deutsche Pflegerat hat von der künftigen Bundesregierung umfassende Maßnahmen zur Stärkung der Pflege in Deutschland gefordert. „Es braucht eine Gesamtidee, wie wir 5,1 Millionen Pflegebedürftige bei fehlenden 500 000 Pflegefachpersonen in 2030 noch gepflegt bekommen“, sagte die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, der Deutschen Presse-Agentur. Im Pflegerat als Dachverband haben sich große Verbände der Pflegebranche zusammengeschlossen.

Vier zentrale Themen für die neue Bundesregierung

Vier zentrale Forderungen stehen im Fokus: eine angemessene Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen, eine starke berufsständische Vertretung sowie Eigenständigkeit und Verantwortung. Ein Hauptproblem in der Pflege ist weiterhin der Personalmangel. Nach Angaben des Pflegerats fehlen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen mehr als 200 000 Pflegerinnen und Pfleger.

Rund 1,7 Millionen Menschen sind laut Bundesagentur für Arbeit in der Kranken- und Altenpflege sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Auf Pflege angewiesen sind in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen. Wegen der alternden Gesellschaft wird erwartet, dass die Zahl weiter steigt. Der Pflegerat geht von 5,1 Millionen Betroffenen im Jahr 2030 aus. Das bedeutet auch einen weiter steigenden Personalbedarf.

Reformen zur Verbesserung der Lage, die von der großen Koalition in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht wurden, blieben in der Wirkung für die Pflegebedürftigen und die Beschäftigten zu schwach, kritisierte Vogler. „Die Maßnahmen wenden sich kurzfristig den Symptomen zu - die Grundfragen aber werden konsequent ignoriert.“

Gewerkschaftsbund forciert Pflegeversicherung und Arbeitsbedingungen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund schloss sich der Kritik an. Vorstandsmitglied Anja Piel sagte der dpa, Gesundheitsminister Spahn habe statt der versprochenen großen Pflegereform nur ein Reförmchen geliefert. „Zwei Dinge muss die kommende Koalition umgehend anpacken: Die Pflegeversicherung muss so ausgestaltet sein, dass sie tatsächlich alle Pflegeleistungen abdeckt. Dafür aber müssen alle Bürgerinnen und Bürger in eine gemeinsame Kasse einzahlen. Und die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen besser werden. Das geht nur mit spürbar mehr Personal und einer bundesweit guten Bezahlung.“

Die Verdienstmöglichkeiten in der Branche sind unterschiedlich. So bekamen laut Statistischem Bundesamt Krankenpflegerinnen und -pfleger im vergangenen Jahr im Durchschnitt 3578 Euro brutto im Monat. Bei Fachkräften in Pflegeheimen waren es durchschnittlich 3363 Euro, in Altenheimen 3291 Euro. Die Unterschiede seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass in der Krankenpflege vielfach Tariflöhne gezahlt würden, hieß es.

DKG fordert auch Krankenhäuser zum Handeln auf

„Wir erwarten in einem Koalitionsvertrag eine klare Aussage, wie der Fachkräftemangel in diesem Bereich angegangen werden soll. Erster Schritt muss es sein, das Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument, die PPR 2.0, das der Deutsche Pflegerat, Verdi und wir gemeinsam entwickelt haben, als Interimsinstrument umgehend einzusetzen“, erklärte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), anlässlich der Veranstaltung. Die zukünftige Bundesregierung müsse ein deutliches Zeichen für die Stärkung der Pflege setzen.

Die Corona-Pandemie hat jedem Politiker deutlich gemacht, dass ohne Personal keine Versorgung möglich ist und der Personalmangel die größte Herausforderung ist. Aber auch die Krankenhäuser selber müssen ihren Anteil leisten, um die Arbeitsbedingungen bestmöglich zu gestalten. „Wir müssen verlässliche gute Arbeitgeber sein, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherstellen und auch gut bezahlen. Dazu brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, eine deutliche Entbürokratisierung des Berufes und verlässliche Finanzierungsgrundlagen und Strukturen“, so Gaß.

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