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Karl LauterbachAbsage für angekündigte, freiwillige Corona-Isolierung

Gesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte an, dass Corona-Infizierte ab dem 1. Mai 2022 nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung sollen. Nun rudert er zurück und räumt seinen Fehler ein. Friedrich Merz und Sepp Müller kritisieren die Rücknahme.

Prof. Karl Lauterbach
Thomas Ecke/BMG

Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD).

Die zum 1. Mai 2022 geplante freiwillige Isolation von Corona-Infizierten soll es nun doch nicht geben. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach an. „Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Corona-Infektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen. Hier habe ich einen Fehler gemacht“, schrieb der SPD-Politiker am 6. April 2022 auf Twitter. Die geplante Änderung entlaste zwar die Gesundheitsämter. Aber das Signal sei „falsch und schädlich“.

Weiter schrieb Lauterbach: „Corona ist keine Erkältung. Daher muss es weiter eine Isolation nach Infektion geben. Angeordnet und kontrolliert durch die Gesundheitsämter.“ Mehr dazu wolle er am 6. April offiziell machen. In der ZDF-Sendung Markus Lanz am späten Abend des 5. Aprils hatte Lauterbach bereits angekündigt, dass es die zum 1. Mai geplante freiwillige Isolation von Corona-Infizierten nicht geben werde. Bleiben solle aber eine verkürzte Isolation von fünf Tagen.

Erhaltung der Isolationspflicht ist wichtiger Schutz

Nach Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatte der Minister am 4. April mitgeteilt, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab 1. Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen. Lauterbach sagte im ZDF, das wäre zur Entlastung der Gesundheitsämter auch sinnvoll gewesen. Das Signal aber, dass ein Infizierter selbst über eine Isolation entscheide, sei „so negativ, so verheerend“, dass es an diesem Punkt eine Veränderung geben müsse.  „Es bleibt dann dabei, wenn jemand krank ist, also hat sich infiziert, dann ordnet das Gesundheitsamt weiter an. Und wenn jemand nur Kontaktperson ist, und es ist Quarantäne, dann macht man es selbst.“ Für die Quarantäne brauche man die Gesundheitsämter nicht.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte es sei gut, dass der Bundesgesundheitsminister seinen Fehler eingesehen habe und die Pflicht zur Isolation von Infizierten aufrecht erhalten wolle. Die Isolationspflicht eines infizierten Menschen sei etwas anderes als die Quarantäne einer Kontaktperson. „Infizierte stecken andere Menschen mit dem Virus an und gefährden gerade Immungeschwächte, die mitten unter uns leben. Corona ist kein Schnupfen.“

Kritik an Lauterbachs Rücknahme und Impfpflicht ab 60

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat Lauterbach wegen dessen Zurückrudern bei der geplanten Aufhebung der Corona-Isolationspflicht kritisiert. Man sei davon ausgegangen, dass die Pflicht aufgehoben werde, sagte Merz, das hat der Bundesgesundheitsminister kurz darauf in einer Talkshow zurückgenommen. Daran sei zu sehen, wie kurzatmig regiert werde. Beschlüsse hätten nicht einmal 48 Stunden Geltung.

Kritik kam auch vom stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Müller. Lauterbachs Pandemiepolitik und die Rücknahme der freiwilligen Isolation verwirrten die Menschen, sagte er. Bei der Impfpflicht verhandele er zudem wie auf einem Basar. „Lauterbach setzt durch sein konfuses Agieren die Gesundheit der Menschen aufs Spiel.“ Den Kompromissvorschlag für eine Impfpflicht ab 60 Jahren lehnte auch Merz ab.

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