
Angesichts knapper Ressourcen beim Notdienst hatte Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, eine finanzielle Abgabe für bestimmte Fällen angeregt. „Die Notfallversorgung muss auf Notfälle konzentriert werden und nicht für die Pickel am Po der Kinder, für die die Eltern unter der Woche keine Zeit haben und mit denen man dann am Wochenende beim Notdienst aufschlägt“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Für solche Fälle hielte ich eine Eigenbeteiligung der Versicherten für absolut sinnvoll.“
Vorschlag stößt auf breite Ablehung
Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) hält die „Strafgebühr“ für unethisch. Eine solche Abgabe gefährde Kinder, deren Eltern nicht die Mittel haben, das zu bezahlen, sagte er am 8. August in Düsseldorf. Damit würde „das Versagen der Politik in der Vergangenheit“, die Probleme in der Notfallversorgung jahrelang nicht gelöst habe, „auf dem Rücken der Kinder“ ausgetragen.
Nicht die Eltern zur Kasse bitten und bestrafen, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Lauterbach verwies in Düsseldorf auf die geplante Reform der Notfallversorgung. Die vorgesehenen integrierten Leitstellen, die künftig am Telefon eine erste medizinische Einschätzung vornehmen und damit Notdienst-Praxen und Notaufnahmen entlasten sollen, würden das Problem der Überfüllung in den Notfallzentren beenden. „Man kann aber nicht im Vorgriff auf die Reform, auf kurzer Strecke, die Eltern zur Kasse bitten und bestrafen, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.“
Auch Helge Dickau vom GKV-Spitzenverband empfindet es als falsch, „ausgerechnet den Eltern kranker Kinder die Entscheidung aufzubürden, ob der Weg in die Notaufnahme nötig ist oder nicht – und diese dann auch noch mit Gebühren abzustrafen, wenn sie vermeintlich falsch liegen“. Auch der DKG-Vorsitzende Gerald Gaß betonte: „Wir brauchen nicht immer wieder neue Vorschläge, die finanzielle Hürden vor der Inanspruchnahme einer Notfallversorgung aufbauen.“ Notwendig sei stattdessen eine funktionierende Patientenberatung und Steuerung, um echte Notfälle von Bagatellerkrankungen zu unterscheiden.
Erst vor wenigen Monaten hatte Kassenärzte-Chef Andreas Gassen eine Notfall-Gebühr für jene Fälle vorgeschlagen, in denen Patienten direkt in die Notaufnahme gehen, ohne vorher die Leitstelle anzurufen oder ohne akute Beschwerden zu haben. Diesem Vorhaben erteilte Lauterbach damals eine deutliche Absage.





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