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KommentarDie Latte hängt hoch

Systeme zur automatisierten und sprachbasierten Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen

Nach einigen sinnvollen Muss-Kriterien wird zu guter Letzt die Möglichkeit eingefordert, analoge Dokumente nicht nur zu digitalisieren, sondern deren Inhalte automatisch zu erkennen und zur Weiterarbeitung nutzbar zu machen. Wer sich ein wenig damit beschäftigt, wie aufwendig es ist, aus unstrukturierten (analogen) Quellen die Essenz medizinisch zuverlässig verwertbarer Daten zu gewinnen, weiß, dass man hier zwar ins Träumen, aktuell aber kaum in die Umsetzung kommen kann.

Einrichtung von teil- oder vollautomatisierten klinischen Entscheidungsunterstützungssystemen

Hier will man Entscheidungsunterstützungssysteme einführen, die „eine gerichtsfeste und nachvollziehbare Dokumentation des Entscheidungsprozesses gewährleisten“. Ich erinnere mich an zahlreiche Fachvorträge, wo ausgeführt wurde, wie schwer es ist, einer künstlichen Intelligenz die Antwort auf die Frage zu entlocken, wie diese eine Entscheidung getroffen hat. Das liegt in der Natur der Sache. Der clevere Hans oder Forschungsgebiete wie Layer-wise Relevance Propagation sollen an dieser Stelle exemplarische Zeugen sein.

Digitales Medikationsmanagement

Dieses Kapitel bereitet mir die meisten Sorgen. Denn es nennt einen notwendigen Punkt. Hier können substanzielle Verbesserungen insb. durch die Reduktion von Fehlern bei der Medikation erzielt werden. Und gerade hier wird schlussendlich ein Zielsystem skizziert, das Unit-Dose voraussetzt. Obwohl Unit-Dose explizit als Kann-Kriterium genannt wird, implizieren die Muss-Kriterien einen vollständigen Closed-Loop-Prozess, der nur durch ein Unit-Dose-System erreicht werden kann. In EMRAM-Leveln ausgedrückt müssten die Krankenhäuser also die Stufe 6 erreichen. Wer weiß, dass wir in Deutschland von unterhalb der dritten Stufe starten müssen, kann sich vorstellen, was allein hier zu leisten wäre.

Es ließen sich mühelos weitere Punkte ergänzen. Als Person mit IT-Fokus erlaube ich mir zum Schluss nur noch den Blick auf den glücklicherweise streng geforderten Aspekt der IT-Sicherheit. Und da lade ich die Leser ein, sich einem Logik-Test zu unterziehen und den im Entwurf enthaltenen Halbsatz „oder eine Kombination davon zum Ziel haben“ mit den davor aufgelisteten Muss-Kriterien in Einklang zu bringen. Mir ist es nicht gelungen.

Das Bild begann mit einem sportlichen Vergleich, so soll das Fazit auch damit enden: Es bleiben nicht mehr viele Tage, bis die Förderrichtlinie veröffentlicht werden soll. Latten an Hochsprunganlagen werden heutzutage maschinell gesteuert und es geht schnell und einfach, die Höhe zu verstellen. In diesem Fall appelliere ich an diejenigen, die an der Steuerkonsole sitzen, die Latte ein gutes Stück zu senken. Das gelingt durch das eine oder andere „oder“ zwischen den vielen Muss-Kriterien und die Verschiebung unrealistischer Forderungen in den Kann-Bereich. Wir brauchen beim KHZG keinen Weltrekordsprung, wir brauchen viele deutsche Meister.

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