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Krankenhaus Rating ReportKlinik-Krise – kurze Erholung, dann der Absturz

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich zuletzt leicht erholt – doch ab 2027 droht ein massiver Einbruch. Der aktuelle Krankenhaus Rating Report warnt vor einer Welle von Klinikschließungen, wenn die Politik nicht gegensteuert.

Rote Pfeile in weißen Würfeln vor gelbem Hintergrund, die aufgrund einer augestauten Last zusammenbrechen.
Andrii Yalanskyi/stock.adobe.com
Symbolfoto

Das deutsche Gesundheitswesen zeigt sich trotz gesamtwirtschaftlicher Schwäche erstaunlich robust: 538 Milliarden Euro Umsatz verzeichnete die Branche im Jahr 2024, was einem BIP-Anteil von 12,4 Prozent entspricht. Für 2025 wird sogar ein Anstieg auf rund 580 Milliarden Euro erwartet. 

Erstmals arbeiteten zudem mehr als eine Million Vollzeitkräfte in deutschen Krankenhäusern. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine tiefgreifende Krise – das zeigt der 22. Krankenhaus Rating Report, der am 25. Juni auf dem Hauptstadtkongress in Berlin vorgestellt wurde.

Jede zweite Klinik schreibt Verluste

Die Lage der Krankenhäuser habe sich 2024 weiter verschlechtert: Die Hälfte aller Häuser schrieb einen Jahresverlust – gegenüber nur 28 Prozent im Jahr 2020. Das durchschnittliche Jahresergebnis lag bei minus 0,6 Prozent der Erlöse. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit stieg auf 2,2 Prozent, 22 Prozent der Kliniken befanden sich im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Bei der Hälfte der Krankenhäuser reiche die Liquidität laut Studie für weniger als anderthalb Wochen, erforderlich wären aber mindestens vier.

Für die Jahre 2025 und 2026 rechnen die Autoren des Reports – das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) – zwar mit einer spürbaren Erholung. Auch bereits geprüfte Jahresabschlüsse von Solidaris bestätigen diesen Trend. Doch die Entspannung dürfte nur von kurzer Dauer sein.

GKV-Sparpaket als Kipppunkt

Ab 2027 wird es dann richtig ernst für die Krankenhäuser: Die geplanten Erlöskürzungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes würden den Anteil der Kliniken mit Jahresverlust auf 60 Prozent hochschnellen lassen – bis 2030 sogar auf rund 70 Prozent. Die Umsatzrendite fiele auf etwa minus zwei Prozent. Den Häusern werden hochgerechnet etwa drei bis vier Prozent Erlöse dadurch entzogen, warnt der RWI-Gesundheitsexperte Prof. Boris Agurzky.

„Es sei denn es gelingt ihnen, ihre Betriebskosten zu senken”, erklärt er. Wenn die Erlöse sinken, müssten auch die Ausgaben senken. Eine ganz klare Rechnung. Um die Verluste zu reduzieren, müssten die Häuser ihre Personalkosten bis 2030 um 8,5 Prozent senken – den Pflegebereich ausgenommen. Gelinge die Kostenreduktion nicht, seien Standortschließungen in großem Ausmaß unausweichlich.

Problem daran ist: Viele Krankenhäuser dürfen aufgrund von Personalvorgaben und Tarifverträgen gar kein Personal abbauen.

Rund 400 Standorte gefährdet

Wenn es zu einer „kalten Marktbereinigung“ käme, seien laut Report circa 400 Standorte mittelfristig gefährdet. Derzeit sei die Erreichbarkeit noch komfortabel: Nur 1,7 Prozent der Bevölkerung haben einen Anfahrtsweg von mehr als 30 Minuten zum nächsten Allgemeinkrankenhaus. Bei einer Schließung der gefährdeten Häuser würde sich dieser Anteil auf fast sieben Prozent erhöhen.

Kommunale Kliniken besonders unter Druck

Während private und freigemeinnützige Träger im Rating deutlich besser abschneiden, stehen öffentlich-rechtliche Häuser vor einem doppelten Problem: Ihre kommunalen Träger rutschen aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Stagnation selbst immer tiefer ins Defizit. Die Studienautoren gehen davon aus, dass 22 Prozent der kommunalen Kliniken einen Träger mit so hoher Schuldenlast haben, dass sie bald Schwierigkeiten bekommen dürften, ihren Betrieb dauerhaft fortzuführen.

Überraschend hierbei sei zudem, dass auch Krankenhäuser mit der Notfallstufe 3 gefährdet seien, berichtet Dr. Adam Pilny, Projektleiter vom Institute for Health Care Business.

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Mehr Personal, weniger Fälle

Ein zentrales Problem bleibe das Missverhältnis zwischen Personalaufbau und Leistungsentwicklung. Insgesamt ist die Zahl der Vollzeitkräfte in 2024 erstmals auf über eine Million gestiegen. An sich eine erfreuliche Zahl, wie Augurzky bemerkt. Aber: Die Zahl der Vollzeitkräfte lag nach Angaben der Studie 2024 um 9,3 Prozent über dem Niveau von 2019, während die stationären Fallzahlen um fast 10 Prozent zurück gegangen waren. Die Zahl der Fälle je Vollzeitkraft sank damit um rund 20 Prozent.

Auch bei der Investitionsfinanzierung bleibt die Lücke groß: Zwar stiegen die Fördermittel der Länder 2024 um über neun Prozent auf 4,24 Milliarden Euro, doch gemessen an den Erlösen lag ihr Anteil bei nur 3,7 Prozent – nötig wären sieben bis acht Prozent. Besonders in Ostdeutschland führe dies zu einem fortschreitenden Substanzverzehr.

Mehr Gestaltungsfreiheit, weniger Bürokratie

Die Autoren des Reports fordern einen Mentalitätswechsel: Statt immer neuer regulatorischer Vorgaben – von bundeseinheitlichen Pflegepersonaluntergrenzen bis zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – bräuchten die Kliniken mehr Gestaltungsfreiheit, um aus eigener Kraft ihre Betriebskosten senken zu können. Bei den Sachkosten sei hier wenig Spielraum, also müsse man wie beschrieben an den Personalbereich heran. 

Außerdem sollte der Fokus stärker auf der Bedarfsorientierung und dem Kosten-Nutzen-Faktor liegen, statt auf Struktur- und Prozessvorgaben. Das erreichen des Ziels einer guten Gesundheitsversorgung sollte denen überlassen werden, die darin auch tätig sind, macht Augurzky deutlich. Seiner Meinung nach sollten mehr Versorgungsziele gesetzt werden. Der politische Rahmen sei nun durch die Krankenhausreform aufgestellt, jetzt müsste lokal mit regionalen Zielbildern gearbeitet werden.

Als konkreten Hebel schlagen RWI und hcb beispielsweise vor, den bis Oktober 2026 befristeten Rechnungsaufschlag in einen Strukturzuschlag umzuwandeln, der abhängig von der in einem Bundesland erzielten Bettendichte ausgezahlt wird. Dies würde Anreize für eine effizientere Krankenhausstruktur schaffen.

„Die Politik muss dabei Leitplanken setzen, um Versorgungsengpässe für die Bevölkerung zu vermeiden“, mahnt hcb-Gesundheitsökonom Pilny.

Krankenhaus Rating Report

Datengrundlage des Reports ist eine Stichprobe von 430 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2024 sowie eine Sonderauswertung von 125 geprüften Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2025. Sie umfassen zusammen 864 Krankenhäuser.

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