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CoronaStatistiker fordern nationale Strategie im Umgang mit Daten

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Statistik (DAGStat) spricht sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie für eine deutsche Strategie im Umgang mit Daten aus. Statistik sei wichtig eine wichtige Entscheidungshilfe für die Politik.

Zwei weiße Aktenordner liegen übereinander. Davor liegt ein silberner Kugelschreiber.
stockpics/stock.adobe.com
Symbolfoto

Vor dem Hintergrund von Covid-19 empfiehlt die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Statistik die Erarbeitung einer nationalen Strategie zur Erhebung und Verarbeitung von Daten. „Statistiken und statistische Modelle tragen maßgeblich zur politischen Entscheidungsfindung in Pandemien bei“, sagte Prof. Dr. Tim Friede am vergangenen Montag bei der Vorstellung der Stellungnahme der DAGStat in Göttingen. An dem 30-seitigen Papier haben unter anderem Vertreter von zehn Universitäten und der Destatis sowie Vertreter der Society for Medical Decision Making (SMDM) mitgearbeitet.

„Nur mit wissenschaftlichen Auswertungen, die unabhängig sind und auf einer sehr breiten Grundlagebasieren, können für die Politik die notwendigen Entscheidungshilfen in kürzester Zeit zur Verfügung gestellt werden“, sagte DAGStat-Vorsitzender Prof. Dr. Friede. „Unbedingte Voraussetzungen dafür sind volle Transparenz schon bei den Datenerhebungen, volle Transparenz bei den verwendeten Modellen und der Auswertung der Datensätze sowie volle Transparenz bei den politischen Entscheidungswegen“.

Entscheidungshilfe in Krisensituationen

Covid-19 habe Defizite auf verschiedenen Ebenen aufgezeigt, vielfach werde auch von Vertrauensverlusten berichtet. Für künftige Krisenfälle müsse jetzt dringend eine solide Basis geschaffen werden. „Nationale und internationale Datensammlungen, der wissenschaftliche Diskursund der interdisziplinäre Austausch sind unbedingte Voraussetzungen zur Entwicklung von Krisenstrategien.“ Dies sei letztlich zwar Aufgabe der Politik, die Wissenschaft könne und müsse hier aber eine entscheidende Hilfe bieten, sagte Friede, der auch Institutsleiter für Medizinische Statistik an der Georg-August-Universität Göttingen ist. Eine Pandemie stellt in besonderem Maße Herausforderungen an den Prozess der Entscheidungsfindung.

Damit Entscheidungen evidenzbasiert erfolgen können, ist eine zeitnahe Verfügbarkeit von Evidenz und Daten notwendig. Die Statistik als breit angelegte wissenschaftsübergreifende Fachrichtung spielt hier eine besondere und wichtige Rolle.

Insbesondere ließen sich aus statistischer Sicht folgende Empfehlungen für Entscheidungsfindungsprozesse ableiten:

  1. Verfügbarkeit von Daten: Eine nationale Strategie und systematische Sammlung von Daten ist wichtig, um statistische und entscheidungsanalytische Modelle erstellen zu können.
  2. Transparenz: Um die Akzeptanz der Entscheidungen und damit einhergehender Maßnahmen zu erhöhen, müssen alle Schritte des Entscheidungsfindungsprozesses offengelegt werden. Das beginnt mit den Daten und setzt sich in der Wahl der Modelle und der betrachteten Trade Offs fort.
  3. Kommunikation: Eine umfassende Kommunikation mit der Bevölkerung ist unabdingbar. Dies beinhaltet insbesondere die Kommunikation von Risiken und Unsicherheiten, der Zielsetzung eines Modells sowie der Wahl der Modellparameter und Annahmen. In diesem Zusammenhang kommt auch den Medien eine entscheidende Rolle zu. Die DAGStat als Dachverband verschiedenster Fachgesellschaften bietet sich hier als Netzwerk an.
  4. Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Eine Pandemie stellt besondere Herausforderungen an die gesamte Gesellschaft. Um diese möglichst effizient anzugehen, ist eine fächerübergreifende Zusammenarbeit unabdingbar. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, als Fachgruppe statt als Individuum, breit aufgestellt und mediensensitiv aufzutreten.
  5. Statistical Literacy / Data Literacy: Die Fähigkeit, Daten kritisch zu beurteilen und Sinn aus Daten zu erschließen, dient der Mündigkeit in einer modernen digitalisierten Welt und sollte daher als Teil der Allgemeinbildung etabliert werden. Zur Förderung von Statistical Literacy auf allen Ebenen ist die Zusammenarbeit von Statistiker/innen mit allen Interessengruppen, die sich mit statistischer Bildung befassen, nötig.
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