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InfektionskrankheitenSteht die Infektiologie als Leistungsgruppe vor dem Aus?

SpiFa und BDI kritisieren die geplante Streichung der Leistungsgruppe „Infektiologie“ im KHAG scharf. Sie warnen vor einem Rückschritt in der Versorgungssicherheit und fordern den Bundestag zum Umdenken auf.

Norovirus
Kateryna Kon/stock.adobe.com
Symbolfoto

In der aktuellen Novellierung des KHAG plant die Bundesregierung die eigenständige Leistungsgruppe „Infektiologie“ ersatzlos zu streichen – ein Schritt, den der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) und der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI) entschieden zurückweisen. Sie sehen darin einen Rückschritt in der Krankenhausplanung und einen Angriff auf die Qualität der infektiologischen Versorgung.

Warum Infektiologie mehr als eine Randdisziplin ist

Bereits mit dem KHVVG wurden acht Leistungsgruppen eingeführt, um Fachdisziplinen sicht- und abrechenbarer zu machen. Die nun geplante Streichung setzt diesem Konzept ein Ende. Für SpiFa und BDI ist das unverständlich – gerade angesichts zunehmender multiresistenter Keime, Hygienedefiziten und Erfahrungen aus der Corona-Pandemie.

„Infektiologische Kompetenz ist keine Option, sondern eine tragende Säule der Krankenhausmedizin“, macht Prof. Hermann Helmberger deutlich, stellvertretende SpiFa-Vorsitzender. 

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BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck fügt dem hinzu: „Infektiologische Versorgung darf kein Randthema sein. Deutschland braucht mehr Infektiologinnen und Infektiologen, nicht weniger – und Strukturen, die ihre Arbeit sichtbar und finanzierbar machen.“

Deutschland braucht mehr Infektiologinnen und Infektiologen, nicht weniger – und Strukturen, die ihre Arbeit sichtbar und finanzierbar machen.

Beide Verbände kritisieren, dass Kliniken in den letzten Jahren teils erhebliche Investitionen in infektiologische Dienste und Weiterbildung getätigt haben – ohne die Absicherung durch eine eigene Leistungsgruppe läuft die Entwicklung Gefahr, ins Leere zu laufen. SpiFa und BDI warnen: Ohne eigenständige Leistungsgruppe drohe die Infektiologie zur bloßen „querschnittlichen Begleitdisziplin“ zu verkommen – ein Rückschritt, der die Investitionen vieler Häuser entwertet.

Viele Kliniken hätten erst in den vergangenen Jahren gezielt Strukturen aufgebaut, um den Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie sowie infektiologische Konsildienste zu integrieren. Die Streichung der Leistungsgruppe konterkariere diese Entwicklungen und sende ein falsches Signal an alle Häuser, die sich in der Weiterbildung, Qualitätssicherung und im Aufbau interdisziplinärer Teams engagieren.

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