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RegierungskommissionZusätzliche Mittel für Pädiatrie und Geburtshilfe empfohlen

Für das kommende Jahr wurden zusätzliche Mittel für Kinder- und Geburtskliniken angekündigt. Bezogen wird sich dabei auf die Vorschläge der Regierungskommission zur Reform der Krankenhausversorgung im Bereich Pädiatrie und Geburtshilfe.

Kinder- und Jugendmedizin
Лилия Дудник/stock.adobe.com

Symbolfoto

Kinder- und Geburtskliniken können auf mehr Geld im kommenden Jahr hoffen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagte am 8. Juli in Berlin: „Wir können mit den Mitteln, die derzeit zur Verfügung stehen, die qualitativ hochwertige Versorgung, die Kinder benötigen und auch verdienen, nicht darstellen. Hier ist Mehrbedarf.“ In der Pädiatrie, Kinderchirurgie und Geburtshilfe sei die Not groß. Man sei hier in der Pflicht, sagte der SPD-Politiker.

Der Minister bezog sich auf Vorschläge der Regierungskommission zur Reform der Krankenhausversorgung im Bereich Pädiatrie und Geburtshilfe, die ihm am 8. Juli vorgelegt wurden. Die Wissenschaftler plädieren darin für zusätzliche Mittel für diese Bereiche ab dem 1. Januar 2023 und schlagen unter anderem vor, Kinder- und Jugendkliniken von wirtschaftlichen Zwängen zu befreien. Der betriebswirtschaftliche Druck, eine möglichst hohe oder gar kontinuierlich steigende Zahl von Patienten stationär zu behandeln, solle kurzfristig reduziert werden, hieß es.

Steigende Geburtenzahlen, sinkende Anzahl an Geburtskliniken

Begründet wird der Reform- und zusätzliche Finanzbedarf mit wieder gestiegenen Geburtenzahlen bei gleichzeitig sinkender Anzahl von Geburtskliniken und Abteilungen der Kinder- und Jugendmedizin. Die Bettenzahl in Kinderkliniken ist den Experten zufolge seit 1991 von gut 31 000 auf knapp 18 000 gesunken. Die Wege für Eltern seien länger geworden, sagte Lauterbach. Konkrete Summen zur Besserstellung der Kliniken wurden nicht genannt. Über die Finanzierung soll mit den Bundesländern gesprochen werden.

Der Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen, Florian Lanz, sagte der dpa, das Problem sei vor allem entstanden, weil sich die Länder immer mehr aus der staatlichen Finanzierung der notwendigen Krankenhaus-Infrastruktur zurückgezogen hätten. „Deshalb wäre es angemessen, dass diese strukturelle Zusatzfinanzierung für Kinderkliniken und Geburtshilfe auch vom Staat finanziert wird.“

DGKJ begrüßt Besetzung der Regierungskommission

Die am 8. Juli vorgelegten Vorschläge sind Teil eines größeren Reformprozesses in der Klinikversorgung. Die Regierung hatte dafür Anfang Mai die Expertenkommission „Krankenhausreform“ mit 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingesetzt. Das Gremium soll vorbereitende Stellungnahmen als Grundlage für Neuregelungen in verschiedenen Krankenhausbereichen erarbeiten. Ziel ist unter anderem, Kliniken stärker nach Versorgungsstufen zu ordnen – etwa nach Regel- und Maximalversorgung. Die Planung soll sich an guter Erreichbarkeit der Kliniken und mehr älteren Menschen orientieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) begrüßt ausdrücklich, dass unter den Mitgliedern der Regierungskommission auch Vertreter aus der Praxis mitgewirkt haben, so auch der DGKJ-Präsident, Prof. Dr. Jörg Dötsch.

Politik erhält gute Ausgangsmöglichkeiten

Die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ), Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, erklärt: „Mit den vorgelegten Empfehlungen erhält die Politik nun konkrete Möglichkeiten an die Hand, wie die Gelder im Sinne einer langfristig tragfähigen Finanzierung einer qualitativ hochwertigen stationären Versorgung unserer Jüngsten verteilt werden können.“

„Der Kostendruck in Folge der ausschließlich nach ökonomischen Prinzipien ausgerichteten stationären Versorgung hat zu einem erheblichen Personalabbau geführt, gleichzeitig fehlt es an qualifiziertem Personal, insbesondere im Bereich der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“, erläutert Felderhoff-Müser. Die Finanzierung allein durch das Fallzahl-abhängige DRG-System könne vor allem aufgrund der erhöhten Fix- und Vorhaltekosten die Leistungen der Pädiatrie nicht angemessen auffangen. Die Politik erhalte mit den Empfehlungen der Kommission gute Ausgangsmöglichkeiten, um den Koalitionsvertrag umsetzen zu können.

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