Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

Krankenhaus-KonjunkturbarometerGeschäftsklima der Kliniken auf historischem Rekordtief

Eine neue Umfrage verdeutlicht die Finanznot der Krankenhäuser: Mit einem Geschäftsklima-Saldo von minus 63 stehen Kliniken deutlich schlechter da als andere Branchen. Die Liquidität der Häuser reicht oft nur für wenige Wochen.

Roter Pfeil
adragan/stock.adobe.com
Symbolfoto

Die wirtschaftliche Krise der deutschen Krankenhäuser hat eine neue Dimension erreicht. Das geht aus dem erstmals erhobenen Krankenhaus-Konjunkturbarometer hervor, das das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) unter 185 Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten durchgeführt hat. 

Der Geschäftsklima-Saldo liegt bei minus 63 – ein Wert, der den Kliniksektor meilenweit von allen anderen Wirtschaftsbereichen entfernt, die laut ifo-Institut zuletzt Werte zwischen minus 7 und minus 11 aufwiesen.

Drei von vier Häusern bewerten Lage als unbefriedigend

74 Prozent der befragten Krankenhäuser stufen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als unbefriedigend ein. Unter den großen Häusern ab 600 Betten liegt dieser Anteil sogar bei 95 Prozent. Noch düsterer fällt der Blick nach vorn aus: 59 Prozent der Kliniken rechnen für die kommenden sechs Monate mit einer weiteren Verschlechterung. In ländlichen Regionen erwarten dies bis zu 79 Prozent der Häuser.

DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß warnt vor dieser Entwicklung: „Ein solcher Geschäftsklimaindex ist kein Warnsignal mehr – das ist ein wirtschaftlicher Notruf der Krankenhäuser.“ Während andere Branchen im einstelligen Minusbereich lägen, stünden die Krankenhäuser mit minus 63 „dramatisch schlechter da als nahezu jeder andere Wirtschaftszweig.“ Der ifo-Geschäftsklimaindex habe branchenübergreifend zuletzt Werte zwischen minus 7 und minus 11 ausgewiesen.

Mehr zum Thema:

Liquidität reicht im Schnitt nur für sechs Wochen

Besonders bedrohlich ist die Liquiditätslage. Lediglich neun Prozent der Krankenhäuser können ihre laufenden Betriebsausgaben dauerhaft aus eigenen Mitteln decken. Bei den übrigen Häusern reicht die Liquidität im Median nur für sechs Wochen Betrieb. 

Da stellt sich ernsthaft die Frage, wie manche Kliniken Ende des Jahres beispielsweise Weihnachtsgeld bezahlen sollen.

Gaß verdeutlicht die Konsequenzen: „Da stellt sich ernsthaft die Frage, wie manche Kliniken Ende des Jahres beispielsweise Weihnachtsgeld bezahlen sollen. Eine solche Liquiditätsreserve von wenigen Wochen ermöglicht kein normales Wirtschaften mehr, sondern führt zu einem reinen Überlebenskampf.“

Sparpläne der Bundesregierung noch nicht berücksichtigt

Besondere Brisanz erhält die Erhebung laut DKG dadurch, dass sie im April 2026 – und damit noch vor Bekanntwerden der aktuellen Sparpläne der Bundesregierung – durchgeführt wurde. Die tatsächliche Stimmung in den Häusern dürfte inzwischen also noch schlechter sein. Gaß verweist auf die zunehmenden Proteste in den Kliniken: Diese seien „keine Besitzstandswahrung" – die Beschäftigten kämpften vielmehr darum, die Patientenversorgung überhaupt noch sicherstellen zu können.

Die DKG richtet einen dringenden Appell an die Bundesregierung. „Wer jetzt nicht handelt, riskiert eine strukturelle Gefährdung der Krankenhausversorgung in Deutschland", warnt Gaß. Das Konjunkturbarometer soll künftig regelmäßig als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung im Krankenhaussektor dienen.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen