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DIHK-GesundheitsreportKostendruck und Personalmangel belasten Gesundheitswirtschaft

Der aktuelle Gesundheitsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) offenbart die anhaltend große Personalnot in den Gesundheits- und sozialen Diensten. Rund 700 Betriebe haben sich an dem Report beteiligt.

Pflege
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Symbolfoto

DIHK Gesundheitsreport 2022
DIHK

Laut DIHK-Report erwartet lediglich die pharmazeutische Industrie bessere Geschäftsaussichten als im Vorjahr.

Der Mangel an Fach- und Hilfskräften ist erneut eine der zentralen Herausforderungen für die deutsche Gesundheitswirtschaft. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, an dem sich bis Mitte Februar rund 700 Betriebe beteiligten. Demnach leiden 81 Prozent der Gesundheits- und sozialen Dienste weiter unter zu wenig Personal – nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr (83 Prozent).

Suche nach geeigneten Fachkräften gestaltet sich schwer

„Gerade in den dienstleistungsintensiven Bereichen der Gesundheitswirtschaft bleibt die Besetzung freier Stellen das Problem Nummer eins“, sagt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. „Es ist hier sogar noch deutlich größer als in der Wirtschaft insgesamt, wo mit durchschnittlich 61 Prozent so viele Unternehmen wie noch nie Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko beschreiben. Bei den Gesundheits- und Pflegedienstleistern kommt der Druck angesichts der Demografie-Situation von zwei Seiten: Zum einen gibt es immer weniger Nachwuchs, zum anderen steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen stark an.“

Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen sind gegenüber Herbst 2021 zwar leicht gestiegen, liegen mit 17 Punkten jedoch noch immer unter Vorkrisenniveau (21 Punkte zu Jahresbeginn 2020). Allerdings liegen die Planungen nach wie vor auf einem hohen Niveau.

Obwohl die Gesundheits- und sozialen Dienste ihre Personalplanungen leicht reduzieren (13 nach zuletzt 16 Punkten), gestaltet sich die Suche nach geeigneten Fachkräften schwer. Offene Stellen bleiben lange unbesetzt. Die Politik hat zwar mit verschiedenen Gesetzesinitiativen u. a. mehr Geld für Personal auf den Weg gebracht. Doch inwieweit sich die neuen Stellen angesichts des leergefegten Arbeitsmarktes besetzen lassen, ist nach wie vor fraglich.

Zusätzliche Belastungen und mehr Invesitionen

Zusätzlich zum Fachkräftemangel belasten Rohstoffpreise und Energieengpässe über die Hälfte der Unternehmen auch in der Gesundheitswirtschaft. Diese Probleme wirken sich perspektivisch auch auf die Versorgung der Gesundheitswirtschaft aus – unter anderem bei Medikamenten, Hilfsmitteln und Medizintechnik.

38 Prozent der Unternehmen geben an, mehr Investitionen tätigen zu wollen. 16 Prozent der Betriebe wollen in den nächsten Monaten weniger investieren. Insgesamt sind die Unternehmen genauso expansiv wie im Herbst 2021.

Medizintechnik-Branche reduziert Beschäftigungsabsichten

Auch in der Medizintechnik setzt sich der negative Trend vom Herbst vergangenen Jahres fort. Hier leiden mittlerweile 81 Prozent der Betriebe unter dem Kostendruck. Die wirtschaftlichen Erwartungen waren – sieht man einmal von der Corona-Krise ab – zuletzt 2009 so niedrig. 42 Prozent der Betriebe aus der Medizintechnik kämpfen ganz konkret mit Lieferengpässen, und das, obwohl die Auftragsbücher gut gefüllt sind.

Nur noch knapp die Hälfte (46 Prozent) wollen in Produktinnovationen investieren – der niedrigste Wert seit sieben Jahren. Über die genannten Störungen in der Logistik hinaus belastet die Unternehmen in dieser Branche auch die neue EU-Verordnung für Medizinprodukte. Zusätzlich reduzieren die Betriebe der Medizintechnik ihre Beschäftigungsabsichten deutlich, allerdings von einem hohen Niveau kommend.

Optimismus für 2022 nur bei der Pharmaindustrie

Es rechnen 24 Prozent der Unternehmen mit einer Verbesserung, 19 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. Mit einem Saldo von fünf Punkten liegen die Geschäftserwartungen deutlich niedriger als im Herbst 2021.

Einzig in der Pharmaindustrie erleben die Unternehmen gerade einen gegenläufigen Trend. 43 Prozent stufen ihre Geschäftserwartungen als positiv ein, weitere 46 als unverändert. Viele Unternehmen wollen im Laufe des Jahres weitere Stellen ausschreiben und Kapazitäten aufstocken.

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