Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

QuartalsergebnisWarum das Plus der Krankenkassen trügt

Ein Plus von 1,8 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Quartal 2025 erzielt. Doch eine Entwarnung für die angespannte finanzielle Lage gibt es dennoch nicht: Gesundheitsministerin Nina Warken sagt, das gute Ergebnis täuscht.

Taschenrechner
Photocrew/stock.adobe.com
Symbolfoto

Die gesetzlichen Krankenkassen weisen nach einer Welle kräftiger Beitragserhöhungen zu Jahresbeginn wieder schwarze Zahlen aus. Nach den ersten drei Monaten 2025 stand ein Überschuss von 1,8 Milliarden Euro zu Buche, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Berlin mitteilte.

Die Reserven der 94 Kassen lagen Ende März bei 3,6 Milliarden Euro. Dies entsprach aber nur der Hälfte der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben der Kassen. Im Vorjahreszeitraum belief sich das Minus noch auf 776 Millionen Euro.

Gesundheitsministerin Nina Warken sagte: „Die guten Zahlen täuschen.“ Der Überschuss im ersten Quartal diene ausschließlich zum Auffüllen niedriger Reserven und sei kein Zeichen für eine sich entspannende Finanzsituation. „Auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 sind die Ausgaben wieder deutlich stärker als die Einnahmen gewachsen“, erläuterte die CDU-Politikerin. Mit Blick auf die Zusatzbeiträge für 2026 unterstreiche dies den politischen Handlungsbedarf.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 sind die Ausgaben wieder deutlich stärker als die Einnahmen gewachsen.

 

Deutliche Beitragsanhebungen zu Jahresbeginn

Zu Jahresbeginn war der Zusatzbeitrag im Schnitt auf 2,9 Prozent gestiegen. Das war mehr als die nach Schätzungen erwartete Zunahme um 0,8 Punkte auf einen amtlichen Orientierungswert von 2,5 Prozent. Den Zusatzbeitrag legt jede Kasse je nach Finanzlage für ihre Versicherten fest. Zum Gesamtbeitrag gehört daneben noch der allgemeine Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns.

Das Ministerium gab auch die endgültigen Finanzergebnisse für 2024 bekannt. Das Defizit der Kassen fiel demnach mit 6,6 Milliarden Euro noch etwas größer aus als das nach vorläufigen Daten ermittelte Minus von 6,2 Milliarden Euro.

Ausgaben in Krankenhäusern

Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind nach Angaben des BMGs im ersten Quartal um 9,5 Prozent (2,4 Milliarden Euro) gestiegen und stellen damit einen ganz maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar“. Ursächlich dafür seien vor allem hohe Vergütungssteigerungen, wohingegen sich die vollstationären Fallzahlen gemäß vorläufiger Daten im ersten Quartal leicht rückläufig entwickeln.

Mehr zum Thema:

Zusätzlich würden sich aus der Refinanzierung der Tarifkostensteigerungen 2024 erhebliche Mehrbelastungen für die GKV in 2025 ergeben. Vor allem die Pflegepersonalkosten sind mit einem Zuwachs von 14,3 Prozent (765 Millionen Euro) angestiegen. Die Aufwendungen für Ambulante Operationen nach AOP-Katalog und Hybrid-DRG-Katalog wachsen laut Mitteilung insgesamt um 60,8 Prozent (162 Millionen Euro). 

Zudem seien die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln um 6,1 Prozent (826 Millionen Euro) angestiegen.

Beitragspflichtige Lohnsteigerungen

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar über eine Liquiditätsreserve von rund 5,7 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im ersten Quartal 2025 ein Defizit von 4,5 Milliarden Euro, heißt es weiter. 

Bei den Beitragseinnahmen (ohne Zusatzbeiträge) sei dem BMG zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 6 Prozent zu verbuchen. Verantwortlich für die starke Einnahmenentwicklung im ersten Quartal seien insbesondere die deutlich gestiegenen beitragspflichtigen Löhne und Gehälter.

Zwischen Ende 2022 und Ende 2024 haben Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuer- und beitragsfreie Inflationsausgleichsprämien gewähren können, die nun durch höhere reguläre – und damit beitragspflichtige – Lohnsteigerungen abgelöst werden sollen.

Geschätzte Daten

Da viele Abrechnungsdaten, insbesondere von Ärzten und Zahnärzten, bei Zusammenstellung der Zahlen noch nicht vorlagen, ist dies ein vorläufiges Ergebnis für das erste Quartal 2025. Viele Ausgaben in Leistungsbereichen sind geschätzt worden. Demnach sind die Rechnungsergebnisse des ersten Quartals noch mit Vorsicht zu interpretieren.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen