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kma Entscheider BlogPost-Covid – Volle Konzentration auf die Klinik-Transformation

Eine Überlastung des Gesundheitswesens insbesondere der Kliniken durch die Corona-Pandemie wird es voraussichtlich nicht mehr geben. Deshalb braucht es jetzt eins: die volle Konzentration auf die Transformation!

Manuel Heurich
BinDoc

Manuel Heurich, Gründer und Geschäftsführer der BinDoc GmbH und Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Inzidenzwerte, die Impfstoffversorgung und freiheitliche Restriktionen bestimmen noch immer die Medienberichterstattung. Dieser Eindruck darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Covid-19 das Gesundheitswesen und insbesondere die Krankenhauslandschaft in Deutschland nicht mehr ernsthaft in Gefahr bringen kann.

Die Gesamtzahl der vollständig geimpften in Deutschland liegt am 18.08.2021 bei knapp 50 Millionen Menschen. Die größte Risikogruppe der über 60-jährigen ist zu 83 Prozent geimpft. Bei objektiver Betrachtung der Datenlage und der Erfahrungen aus dem letzten Jahr werden die Krankenhäuser in Deutschland nicht mehr in ernsthafte Bedrängnis durch Covid-19 geraten. Die aktuellen Corona-Debatten und die politischen Restriktionen können aus der objektiven Datenlage nicht mehr abgeleitet werden. Zieht man als Vergleichsgröße das Jahr 2020 heran, können sich Krankenhäuser mit großer Zuversicht nun auf die Transformation zum digitalen Krankenhaus mit all seinen Herausforderungen konzentrieren.

Covid-19 ist intellektuell besiegt

Eine sehr gute Aufarbeitung im Rahmen einer deskriptiven Analyse der Corona-Fallzahlen erfolgte durch das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Technische Universität Berlin auf der Datenbasis des letzten Jahres. Schon im Jahr 2020 konnten die Kliniken die Krise mit sehr gutem medizinischem Management in den Griff bekommen.

In Summe lagen die Belegungstage auf den Intensivstationen ein Prozent unter denen des Jahres 2019. Die Auslastung der Intensivstationen lag ebenfalls ein Prozent unter der Auslastung des Vorjahres. Die Anzahl der Lungenentzündungen mit der Nebendiagnose Covid-19 (Diagnosecode U07.1) lag 2020 bei 88.502 Fällen mit einem Altersmedian von 72 Jahren bei einem Interquartilsabstand von 57-82 Jahren. Bei den unteren Atemwegserkrankungen waren es 117.462 Fälle mit einem Altersmedian von 71 Jahren und einem Anteil der Todesfälle von 20,1 Prozent. Genau diese Hauptpatientengruppe, für die COVID-19 eine ernsthaft lebensbedrohliche Nebendiagnose darstellte, ist jetzt zu fast 80 Prozent geimpft.

Daraus kann man schlussfolgern, dass COVID-19 als Nebendiagnose, keine große Bedrohung für eine mögliche Kapazitätsüberlastung in deutschen Kliniken führen wird. Daran werden auch mögliche Virusvarianten nichts mehr ändern, die eventuell partiell zu Impfdurchbrüchen führen können. Die hohe Anzahl an sehr schweren Verläufen mit Intensivstationsaufenthalten wird es durch die hohe Impfquote in den Risikogruppen nicht mehr geben.

Automobilindustrie als Vorbild der Transformation

Ein etwas unkonventioneller, aber dennoch anspornender Vergleich für eine radikale Last-Minute-Transformation findet sich in der Automobilindustrie. Lange Zeit wurde der deutschen Automobilindustrie zurecht vorgeworfen, dass sie die Transformation weg vom Verbrenner hin zur Elektromobilität und einer digitalen Ausrichtung vollständig verschlafen hätte. Tesla war und ist vielleicht noch ein gutes Stück voraus, doch VW und auch Daimler haben einen radikalen Transformationsprozess eingeleitet, der nach aktueller Einschätzung doch noch von Erfolg gekrönt sein könnte.

Ähnlich radikal könnte der Transformationsprozess in der Gesundheitswirtschaft von statten gehen. Das Krankenauszukunftsgesetz hat genügend Investitionsmittel freigesetzt, die jetzt gezielt in Digitalisierungsprojekte fließen. Täglich nehmen die Meldungen zu, in welchen Kliniken neue digitale Prozesse etablieren, telemedizinische Strukturen aufbauen und allen voran Health-Care Start-Ups das Vertrauen schenken, den Transformationsprozess mit digitalen Produkten erfolgreich begleiten zu können. Es mehren sich auch die Signale aus den Klinikbelegschaften, dass die digitalen Instrumente wohlwollend angenommen werden.

Wie gelingt die digitale Transformation?

Der wichtigste Schritt für Kliniken ist das Bewusstsein, dass die Digitalisierung nicht durch ein einziges großes Projekt, sondern viele kleine Bausteine umgesetzt werden muss. Die Patientenbeziehung und -kommunikation stellt hierbei zweifelsfrei einen entscheidenden Baustein dar. Darüber hinaus müssen aber auch die einzelnen medizinischen Prozesse sowie die tertiären Prozesse umgestellt werden. Hierzu zählen die medizinischen Pfade soweit zu digitalisieren, dass diese die Arbeit der Leistungserbringer nicht nur erleichtern, sondern auch qualitativ steigern. Das ist möglich und heute sogar leichter denn je, betrachtet man die Datenlage und neuen Auswertungsmöglichkeiten von Daten. Real World Evidence beispielsweise kann ein Schlüsselfaktor bei der Verbesserung der medizinischen Pfade darstellen.

Controlling, also die aktive Performance-Messung und Steuerung, wird aktuell vollständig neu definiert und spielt auf allen Ebenen eine zentrale Rolle. Controlling bezieht sich hierbei nicht mehr nur auf den Finanzbereich einer Klinik, sondern sollte auch das medizinische Leistungsgeschehen, deutlich transparenter und damit besser steuerbar machen. Eine Real World Evidence-Plattform kann nicht nur wichtige Benchmarks zu einzelnen Leistungsbereichen liefern, sondern auch Prozessschwachstellen in einer Klinik objektiv aufdecken. Zentral für die Führungskräfte einer Klinik sind die aktive Adaption und Implementierung derartiger Plattformen in das Tagesgeschäft in einer Klinik und den einzelnen Fachabteilungen.

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