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„Warum soll ich gerade für Sie arbeiten?“

Die Verschiebung der Machtverhältnisse im Rekrutierungsmarkt hin zu den Arbeitnehmern ist im Gesundheitswesen längst vollzogen. Qualifizierte Bewerber suchen sich das Unternehmen aus, für das sie arbeiten wollen, nicht umgekehrt. Da tut man als Arbeitgeber gut daran, Alleinstellungsmerkmale aufzuzeigen statt sich im „Club der Gleichen“ einzureihen. Ein Appell für mehr Mut und Kreativität im Employer Branding und Personalmarketing.

Martin Camphausen, Director Healthcare und Standortleiter Frankfurt der Kommunikationsagentur JP│KOM.

Viele Stellenausschreibungen von Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen fokussieren sich auf Zahlenfeuerwerke in Form von Betten- und Fallzahlen oder gerne auch Bilder von Klinikgebäuden aus der Vogelperspektive. Doch wer soll damit begeistert werden? Der prozentuale Anteil an Managern, Controllern und Bauingenieuren ist in Gesundheitseinrichtungen äußerst gering. Austauschbare Worthülsen wie „Organisationstalent“, „Flexibilität“ und „Belastbarkeit“ machen die Sache nicht besser. Und mal ganz ehrlich: Fühlen Sie sich davon angesprochen, würden Sie sich darauf bewerben? Ganz abgesehen davon, dass Stellenanzeigen alles andere als ein modernes und kreatives Recruiting bedeuten. Pflegekräfte, Mediziner und Physiotherapeuten machen den mit Abstand größten Teil der Mitarbeiter aus. Sie haben ihren Job angefangen, um Menschen zu helfen. Das können sie nur, wenn die Kultur stimmt und alle an einem Strang ziehen. Daher sollten Arbeitgeber Werte und Perspektiven aufzeigen, die genau das bedienen.

Bewerber bestimmen die Regeln

Gibt es in anderen Branchen sicher stellenweise einen „War of talents“ – also einen Markt, in dem die Bewerber froh sind, wenn sie bei einem renommierten Arbeitgeber einen begehrten Platz ergattern – so ist die Verschiebung vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt im Gesundheitswesen abgeschlossen. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit clustert im Halbjahrestakt unter anderem die Gruppe „Gesundheits- und Pflegeberufe“. Von Mal zu Mal werden die darin enthaltenen Grafiken roter. Martialische Sprache zur Dramatisierung sollte wohlüberlegt und gut dosiert sein, aber hier ist sie definitiv angebracht.

Also sagen wir es nochmal ganz deutlich: es gibt einen „War for talents“. Aber so klar das auch ist, kaum jemand leitet Maßnahmen ein, dem zu begegnen. Kaum ein Krankenhaus oder eine Rehaeinrichtung scheint ernsthaft die Kernfrage „Warum soll ich gerade für Sie arbeiten?“ beantworten zu wollen. Dabei ist eine überzeugende und im Idealfall mutige Antwort darauf in Zeiten von Fachkräftemangel, Personaluntergrenzen und überall drohendem DRG-Abschlag elementar für den Cashflow.

Schluss mit dem Club der Gleichen!

Dem „Club der Gleichen“ zu entfliehen ist das wichtigste für den Rekrutierungserfolg und den Aufbau von Arbeitgebermarken. Wer stromlinienförmig dieselben Botschaften und Benefits auf den Rekrutierungsmarkt schüttet, darf sich nicht wundern, wenn er von Bewerbern als angepasst und charakterlos eingestuft wird. Und wer möchte in einem von ethischen Ansprüchen geprägten Berufsumfeld wie dem Gesundheitswesen als Organisation ohne Haltung eingestuft werden. Aalglatt, perfektionistisch und zurückhaltend treten die meisten Krankenhäuser aus Angst vor vermeintlicher Kritik und Shitstorms auf – und vergessen dabei, dass es eigentlich gerade auf Ecken und Kanten ankommt.

Denn an was sollen sich Bewerber sonst festhalten? Es geht um glaubwürdige Mitarbeiterbotschaften statt idealisierter und austauschbarer Unternehmensversprechen. Kandidaten bewerben sich nicht bei „Mr. Perfect“, sondern bei Herrn oder Frau Alltag. Mit ihm oder ihr werden sie künftig etliche Stunden pro Woche in herausfordernden Situationen zusammenarbeiten – und haben daher ein Recht darauf, ihre neuen Kollegen und die realitätsnahe Kultur vorab kennenzulernen. Also heben Sie sich ab!

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