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Der kma Entscheider-Blog

kma Entscheider BlogWie Kliniken mit Intrapreneurship wettbewerbsfähiger werden

Stellen Sie sich vor Ihre Mitarbeitenden würden zu Mitunternehmern werden, eigene Ideen umsetzen, neue Geschäftsmodelle entwickeln, ihre volle Kreativität ausschöpfen. Dann machen Sie Ihre Angestellten zu Intrapreneuren!

Philipp Köbe

Philipp Köbe ist freiberuflicher Dozent und Unternehmensberater im Gesundheitswesen.

Der Unternehmer Gifford Pinchot III prägte den Begriff Intrapreneurship. Kurz gesagt geht es dabei um Unternehmertum im Unternehmen. Innerhalb des eigenen Konzerns oder Betriebes soll der Unternehmergeist der Belegschaft gefördert werden. Mithilfe verschiedener Kreativitäts- oder Innovationstechniken werden Mitarbeitende aktiv in die Weiterentwicklung des Produkt- und Leistungsportfolios, in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder oder die Optimierung von Prozessen eingebunden. Und zwar nicht nur diejenigen in den Abteilungen Unternehmensentwicklung oder Innovationsmanagement.

Einerseits steht dabei die Eigeninitiative der Mitarbeitenden im Vordergrund, selbst eigene Projekte voranzutreiben, um beispielsweise die eigenen Arbeitsprozesse zu verbessern oder den Nutzen einer Dienstleistung zu steigern. Andererseits sollen Mitarbeitende unternehmerisches Denken verinnerlichen, unter anderem im Hinblick auf Kostenbewusstsein oder die Erfüllung der Kundenbedürfnisse.

Vorbild 3M, Google, Intel

Große Unternehmen, allen voran amerikanische Technologiekonzerne, nutzen bereits verschiedene Instrumente des Intrapreneurships. Google stellt seinen Mitarbeitern beispielsweise 20 Prozent der Arbeitszeit für eigene Projektideen zur Verfügung. Dadurch können die Mitarbeitenden eigenen Ideen nachgehen, die letztendlich zu einer kommerzialisierbaren Geschäftsidee transformiert werden können. Viele neue Geschäftsfelder konnte Google damit etablieren. Ebenso handhabt es die Firma 3M, indem sie den Mitarbeitenden viele Freiräume für Innovationen und Möglichkeiten zum Experimentieren einräumt. Natürlich können Ärztinnen und Pfleger nicht einen Teil ihrer Arbeitszeit zur freien Verfügung für Kreativitätsexperimente erhalten, wenn ein laufender Klinikbetrieb oder der einer anderen Gesundheitseinrichtung aufrechterhalten werden soll. Aber einige Techniken lassen sich auch bei Leistungsanbietern in der Gesundheitsversorgung umsetzen.

#1 Der Hackathon zur Erarbeitung von Problemlösungen

Der Hackathon ist ein Format, dass sich auch im Gesundheitswesen seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Ursprünglich als Kombination aus Hacken (aus der IT-Wirtschaft) und Marathon konzeptioniert, sollen innerhalb einer kurzen verfügbaren Zeit Kundenprobleme gelöst bzw. neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt werden. In der Regel trifft dabei ein interdisziplinäres Team aus Entwicklern, Designern, Ingenieuren, Wissenschaftlern und Betriebswirten zusammen, um vom jeweiligen Wissen der Person des anderen Fachgebiets zu profitieren. So können in kurzer Zeit erste Prototypen, beispielsweise einer Terminbuchungs-App für Patienten, entwickelt werden. In Deutschland hat sich der Healthcare Hackathon zu einer veritablen Möglichkeit für die Gesundheitsindustrie etabliert. Lesen Sie im kma-Interview nach, welche Impulse für die Universitätsmedizin Mainz bei ihrem letzten Hackathon entstanden sind.

#2 Experimentierräume für innovative Technologien

Stellen Sie sich vor, dass Ihre Mitarbeitenden privat bereits zahlreiche Apps und andere technologische Tools nutzen, die ihnen die Arbeit auch im beruflichen Kontext enorm erleichtern würde. Ein Beispiel dafür ist die Teamkommunikation mittels eines Messengers, wie WhatsApp. Was der Albtraum von Betriebsrat und Datenschützern im Krankenhaus ist, wird aus praktischen Gründen häufig dennoch gemacht. Das Problem sind die mangelnden Alternativen, obwohl es sie gibt.

Zahlreiche Datenschutz-konforme Kommunikationssysteme sind verfügbar, werden aber nur bei einem Bruchteil der Kliniken und Pflegeeinrichtungen eingesetzt. Deshalb sollte denjenigen, die diese Tools nutzen wollen die Möglichkeit eingeräumt werden, diese im Arbeitsprozess zu testen. Einige Anwendungen werden nicht funktionieren, andere werden sich schnell als äußerst effektiv erweisen. Anstelle einer über IT-Abteilungen koordinierten, zentral geplanten oder langwierig projektierten Umsetzung sollten Mitarbeitende hier in die Verantwortung genommen werden, diese Dinge in Eigenregie auszuprobieren, während der Arbeitszeit mit Mitteln des Unternehmens. Dadurch fühlen sich die Kolleginnen ernst genommen und übernehmen eigenverantwortlich kleine Testprojekte. Die frühe Partizipation führt dann einerseits zu einer höheren Akzeptanz bei der flächendeckenden Einführung sowie zu einer Steigerung von Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit.

#3 Eine echte Fehlerkultur schaffen

Aus Fehlern lernen, heißt besser werden in der Zukunft. Was relativ banal klingt, ist in vielen Gesundheitseinrichtungen nicht realisiert. Statt einer Fehlerkultur gibt es eine Angstkultur. Denn wer einen Fehler begeht, wird abgestraft, sodass Fehler um jeden Preis vermieden werden und keine Aufarbeitung der Gründe stattfindet. In einer Kultur der Angst werden Fehler eher vertuscht, unter den Teppich gekehrt oder totgeschwiegen. Dadurch entgeht das Potenzial gleiche oder ähnliche Fehler zukünftig zu vermeiden, die Ursachen eines Fehlers zu erkennen oder Schwachstellen in Organisationen offenzulegen. So entstehen dann immer wieder die gleichen Fehler oder Arbeitsprozesse werden nicht hinreichend untersucht und angepasst.

Eine echte Fehlerkultur ist ein ebenso wichtiges wie zielführendes Instrument, um Mitarbeitende bei der Weiterentwicklung von Versorgungsprozessen zu unterstützen, womit auch die Patientenzufriedenheit und -sicherheit erhöht wird. Auch das unternehmerische Denken kann gefördert werden, wenn Verschwendung vermieden oder ein genereller effizienter Umgang mit Unternehmensressourcen verinnerlicht wird.

Machen Sie Ihre Belegschaft zu Mitunternehmenden

Ein kleiner Appell an die Führungskräfte im heutigen Gesundheitssystem: Machen Sie Ihre Belegschaft zu Mitunternehmenden. Geben Sie den Kolleginnen und Kollegen Verantwortung für eigene Projekte, lassen Sie Experimente zu, nutzen Sie die Kreativität. Sprechen Sie in Feedbackrunden und Jahresgesprächen über deren Interessen und schöpfen Sie das Potenzial aus, das in Ihrer Belegschaft steckt! Seien Sie mutig und sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen agiler, innovativer und kundenorientierter wird.

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