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Klinikberatung
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MaßnahmenAuswirkungen des KHSG auf die Leistungsplanung

Unter den neuen Bedingungen des Krankenhausstrukturgesetzes wird die Leistungsplanung für Kliniken deutlich komplizierter. 2017 sind unfallchirurgische, orthopädische aber auch neurochirurgische Kliniken besonders durch die Auswirkungen betroffen.

Claus Bartels, Geschäftsführer MedAdvisors
Foto: MedAdvisors

Claus Bartels ist Geschäftsführer der MedAdvisors GmbH. Früher war der Herz-Thorax- und Gefäßchirurg Vorstand der Uniklinik Greifswald und Sprecher der Geschäftsführung des AK St. Georg

Jan Helling, MedAdvisors
Foto: MedAdvisors

Jan Helling ist Partner der MedAdvisors GmbH. Nach seiner Facharztausbildung war er mehrere Jahre im Medizincontrolling und in der drg-research-group der Uniklinik Münster tätig.

Krankenhausflur
Foto: Fotolia (beerkoff)

Mit dem Gesetz zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung (KHSG) hat der Gesetzgeber verschiedene ab 2017 relevante Maßnahmen eingeleitet, um eine möglicherweise nicht medizinisch indizierte Mengenausweitung stationärer Krankenhausleistungen zu begrenzen. Im Einzelnen sind diese Maßnahmen:

  • Zweitmeinungsverfahren

  • Fixkostendegressionsabschlag

  • Abgesenkte Bewertungsrelationen für besonders mengenanfällige Leistungen

  • Verminderte Berücksichtigung der Sachkosten in der Kalkulation der Fallpauschalen (DRG)

  • Erhöhung der Repräsentativität der DRG-Kalkulation durch Verpflichtung zur Teilnahme

Im ersten Jahr sind besonders unfallchirurgische/orthopädische und neurochirurgische Leistungen von den Änderungen betroffen.

 

Verminderte Berücksichtigung von Sachkosten
Bisher wurden die Sachkosten aufgrund der Methodik der DRG-Kalkulation systematisch übervergütet. Der Verzug von zwei Jahren zwischen Datenerhebung und Wirksamkeit des jeweiligen DRG-Systems verstärkte diesen Effekt. Durch eine komplexe Änderung der DRG-Kalkulation werden jetzt die Sachkosten geringer und die Personalkosten stärker berücksichtigt. Diese Anpassung wurde für 2017 zunächst nur teilweise umgesetzt, sodass weitere Veränderungen zu erwarten sind. Der in den DRGs eingepreiste Anteil für Implantate wird perspektivisch weiter sinken.

 

Abwertung mengenanfälliger Leistungen
Für Leistungen, die von den Selbstverwaltungspartnern als besonders mengenanfällig identifiziert wurden, sind die Bewertungsrelationen gezielt abgesenkt worden. Davon sind die DRGs für wenig aufwändige Eingriffe an der Wirbelsäule (I10 D-H) sowie die in 2017 neue DRG für die elektive Hüftendoprothetik (I47C) betroffen. Bei den DRGs für die konservative Behandlung von Rückenleiden (I68D, I68E) wird der überwiegende Teil der Krankenhäuser mit unfallchirurgischen und orthopädischen Fachabteilungen sehr wahrscheinlich über dem Median von 176 (I68D) bzw. 34 (I68E) Fällen liegen. Sie werden somit für alle Fälle dieser DRGs die verminderten DRG-Erlöse erhalten.

 

Repräsentativität der DRG-Kalkulation steigt
Ab 2017 kann das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) Klinken zur Teilnahme an der DRG-Kalkulation verpflichten. In der bisher auf freiwilliger Basis entstandenen Kalkulationsstichprobe waren insbesondere Krankenhäuser in privater Trägerschaft und spezialisierte Krankenhäuser unterrepräsentiert. Am 31. Oktober 2016 wurden die 40 Häuser für die kommenden Jahre durch ein komplexes Losverfahren bestimmt. In der Liste finden sich zahlreiche Fachkliniken, auch aus dem Gebiet der Unfallchirurgie/Orthopädie und der Neurochirurgie. Spezialisierte Häuser können ihre Leistungen wirtschaftlicher erbringen, deshalb muss insbesondere damit gerechnet werden, dass Wirbelsäulenchirurgie und Gelenkendoprothetik in künftigen DRG-Systemen geringer bewertet werden. Eine sachgerechtere und differenziertere Abbildung könnte erreicht werden, wenn auch eine ausreichende Zahl komplexer Eingriffe in der Kalkulation enthalten sein wird. Diese Effekte sind jedoch erst ab 2019 zu erwarten, da erstmalig Kostendaten aus dem Jahr 2017 genutzt werden.

Mit den beschriebenen Maßnahmen werden gezielt Erlösanteile aus den Sachkosten sowie Erlöse aus den genannten DRGs verschoben. Personalaufwändige DRGs profitieren von diesen Änderungen der DRG-Kalkulation.

 

Den vollständigen Artikel, der in kma Ausgabe 2/17 erschienen ist, können Sie digital auf der Thieme Zeitschriftenplattform Thieme Connect lesen.

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