Boris Augurzky

Es geht nicht mehr um Menge, sondern um Qualität

Boris Augurzky ist einer der prominentesten Klinikexperten: Über seinen Krankenhaus Rating Report wird sogar in den Tagesthemen und im Radio berichtet. Er ist Geschäftsführer der Institute for Health Care Business (hcb) GmbH und spricht im Interview unter anderem über seine Arbeit, das Krankenhausstrukturgesetz, Klinikschließungen und -zusammenlegungen und den Mut, zu schrumpfen.

Boris Augurzky

Foto: Jens Schünemann

Boris Augurzky ist seit 2003 Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI, außerdem Geschäftsführer der Stiftung Münch und der Institute for Health Care Business (hcb) GmbH in Essen. 2016 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Duisburg-Essen berufen.

Die Branche kennt Sie v. a. als Wissenschaftler. Wie sind Sie zur Beratung gekommen?
Bevor ich zum RWI ging, war ich Berater bei The Boston Consulting Group. Im Laufe der Zeit am RWI haben sich auch immer mehr Beratungsthemen aufgetan. Schließlich kam es Ende 2006 mit dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschafts­forschung und weiteren Partnern zu einer Ausgründung. Erst seit Kurzem nennt es sich ja RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung – aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir schon immer zur Leibniz-­Gemeinschaft gehörten. Und diese ist bekannt dafür, dass sie Ausgründungen fördert. Irgendwann, so die Vorgabe, sollen die Unternehmen dann in die alleinige Existenz entlassen werden. Genau das haben wir mit der hcb GmbH, unserem Beratungsunternehmen, Anfang 2016 realisiert. Wir sind übrigens nicht das einzige Beratungsunternehmen, das aus einem wissenschaftlichen Institut hervorgegangen ist.

 

Seit Ihr Institut seine Beteiligung zurückgezogen hat, sind Sie expandiert…
…unsere Expansion hat mit unserem früheren Kooperationspartner zu tun. Dieser hatte ebenfalls Krankenhäuser beraten, änderte dann aber seine Ausrichtung, sodass personell größere Wechsel bevorstanden. Da haben wir uns gesagt: Diese hochspezialisierten Kräfte sollen doch zu uns in unsere kleinere Beratungsfirma kommen. Das Produktportfolio haben wir in dem Zuge ausgeweitet und ans neue Team angepasst. Seitdem sind wir viel unterwegs in der Strategie- und Organisationsberatung von Krankenhäusern, aber auch in der Beratung von Kranken­kassen oder Verbänden, sofern es bei ihnen um das Thema Kliniken geht.

Derzeit sind wir acht Mitarbeiter und expandieren weiter. Somit sind wir weiterhin auf der Suche nach Verstärkung unseres Beratungsteams, wollen aber lieber langsam und dafür nachhaltig wachsen. Neben mir ist Frau Dr. Lemm weitere Geschäftsführerin. Aufgrund ihrer langjährigen Beratungs­erfahrung und Ausbildung im Bereich Change-Management kümmert sie sich neben der Strategieberatung auch um Betriebsorganisationsprojekte und Planung von Neubauvorhaben, leitet viele Projekte und ist persönlich am Unternehmen beteiligt. So wie bei vielen Beratungsunternehmen sind bei uns die Geschäftsführer gleichzeitig Gesellschafter.

 

Was ist Ihre Rolle bei hcb?
Neben der Strategieberatung sehe ich mich als Knotenpunkt zur Wissenschaft. Wir haben seit Anfang 2016 ein neues Büro in direkter Nähe zum RWI. So lässt sich wunderbar der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis pflegen. Tatsächlich ist es so, dass sowohl die hcb als auch das RWI von der Nähe profitieren. Die Gesundheitswissenschaftler am RWI wenden sich gerne an das Team der hcb, wenn sie etwa Fragen zum DRG-System oder den neuesten Veränderungen haben und um nach Praxisdetails zu fragen. Und umgekehrt profitiert natürlich auch die hcb von dem Know-how, das das RWI mit seinen großen Datenmengen erarbeitet. Das ist wichtig für die hcb, weil der empirische Ansatz unser Markenzeichen ist. Wir versuchen grundsätzlich, z.B. über Patientendaten, Vollkräfte-Statistik und andere Marktdaten, die standardisiert vorliegen, möglichst rasch interessante Ergebnisse oder Muster zu identifizieren. An diesem Punkt profitieren wir von der Expertise am RWI, weil die Kollegen dort sehr gut mit Datenmengen über lange Zeiträume umgehen können und moderne statistische Methoden beherrschen. Das ist sehr bereichernd.

 

Hat Ihre Expansion auch mit dem Krankenhausstrukturgesetz zu tun?
In unserer Strategieberatung sind Verbünde und die Bildung von Schwerpunkten seit jeher ein Hauptthema. Die Verbünde müssen sich Gedanken machen, wie sie sich optimal aufstellen, an welchem Standort sie welche Leistung erbringen, und wie sie insgesamt ihr Medizinportfolio planen. Dafür brauchen sie eine Bestandsanalyse für ihre Region und Antworten auf diverse Fragen: Wie ist die Bevölkerung vor Ort strukturiert? Wie entwickelt sie sich in Zukunft? Welche anderen wichtigen externen Trends gibt es in der Medizin, aber auch in der sonstigen Wirtschaft? Die Antworten darauf zusammenzuführen, eine Prognose aufzustellen und eine Empfehlung zu geben für die nächsten Jahre – das ist die Aufgabe unserer Beratung. Letztlich geht es um das immer gleiche Thema: Wie kann ein Krankenhausträger effizienter werden v.a. durch Bündelung, Konzentration von Leistungen oder die Bildung von Leuchttürmen. Im finanziellen Bereich kommen unsere Kunden mit ähnlichen Fragen auf uns zu, etwa: Wie würde sich mein Jahresabschluss verändern über die nächsten Jahre, wenn ich nichts tue, d.h. alles laufen lassen? Und im Vergleich, welche geeigneten Maßnahmen gibt es, um einer absehbaren Verschlechterung entgegenzuwirken?

 

Spüren die Krankenhäuser jetzt größeren Handlungsdruck? Merken Sie eine gewisse Unruhe?
Wir selbst spüren definitiv eine größere Nachfrage. Aber unabhängig davon weiß ich ja über das RWI, dass Handlungsdruck besteht. Gerade beim Strukturfonds beobachte ich eine wachsende Dynamik. Immer mehr Verbünde fragen sich, ob sie ihre Strukturen anpassen sollten oder sogar müssten.

Ich hatte in letzter Zeit viel in Baden-Württemberg zu tun. Dort ist mir aufgefallen, dass in vielen Regionen die Träger ernsthaft darüber nachdenken, größere Einheiten zu bilden und verschiedene Standorte zusammenzuziehen. Zu nennen ist beispielsweise der Kreis Lörrach in Baden, wo man ein Zentralklinikum in gut erreichbarer Lage plant, an dem ein konfessioneller Träger und der Landkreis ihre kleinen, über den Kreis verteilten Standorte zusammenführen wollen. Und dann haben wir noch Heilbronn bei den SLK Kliniken, wo jetzt Kommunalpolitiker beschlossen haben, Standorte zusammenzuziehen. Auch in der Ludwigsburger Gegend hat man bereits einige Strukturveränderungen eingeleitet.

 

Das vollständige Interview lesen Sie im kma report beratung (kma Ausgabe 4/17) oder digital auf der Thieme Zeitschriftenplattform Thieme Connect.

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