
Doctolib hat die Übernahme des britischen Healthtec-Unternehmens Medicus bekannt gegeben und expandiert damit erstmals in das Vereinigte Königreich.
Medicus entwickelt eine cloudbasierte elektronische Patientenakte für Hausarztpraxen im National Health Service (NHS) und hat als erstes Unternehmen seit mehr als 25 Jahren ein neues klinisches Softwaresystem für den NHS eingeführt, wie das französische Unternehmen mitteilt.
Mit der Übernahme erschließt Doctolib einen der größten Gesundheitsmärkte Europas mit rund 67 Millionen Versicherten. Das Unternehmen plant, in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Pfund in Großbritannien zu investieren, rund 150 Mitarbeitende in London einzustellen und ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum aufzubauen. Ziel ist es, Hausarztpraxen digital zu entlasten und Wartezeiten für Patientinnen und Patienten zu verkürzen.
All-in-One Software für Praxen
Die 2019 gegründete Medicus-Plattform wurde in enger Zusammenarbeit mit NHS England entwickelt, ist vollständig interoperabel mit NHS-Systemen – inklusive der NHS App – und wird bereits in mehreren Versorgungsregionen eingesetzt. Die KI-gestützte All-in-One-Software unterstützt Praxen unter anderem bei Terminmanagement, Dokumentation, Versorgungskoordination und Nachsorge.
„In Deutschland zeigen wir seit fast zehn Jahren, dass der gezielte Einsatz innovativer Technologien konkret entlastet und die Versorgung verbessert. Diesen Ansatz tragen wir jetzt in einen der größten Gesundheitsmärkte Europas“, sagt Nikolay Kolev, CEO Doctolib Deutschland und Mitglied des globalen Vorstands.
Für bestehende Kundinnen und Kunden von Medicus soll sich durch die Übernahme wenig ändern: Das britische Führungsteam bleibt bestehen, Service und Betrieb werden fortgeführt. Patientendaten werden weiterhin konform zur UK-DSGVO auf Infrastruktur im Vereinigten Königreich verarbeitet.
Mit dem Markteintritt in Großbritannien ist Doctolib nun in fünf europäischen Ländern aktiv und verzeichnet nach eigenen Angaben 90 Millionen Patienten.
Was die Expansion mit dem GeDIG-Entwurf zu tun hat
kma-Autorin Miriam Mirza schreibt dazu auf LinkedIn: „Doctolibs Expansion in den NHS-Markt und der GeDIG-Referentenentwurf sind keine voneinander unabhängigen Ereignisse. Sie illustrieren, in welcher Situation sich das Unternehmen befindet: Es wächst in neue Märkte, während in etablierten Märkten die Regulierung nachzieht.“ In einem neuen Paragrafen des GeDIG-Entwurfs sehe der Gesetzgeber vor, „den Plattformeinfluss auf die Patientensteuerung zu deckeln“, schreibt Mirza.








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