
Im März 2024 hat die Berner Insel Gruppe (Schweiz) das US-amerikanische Krankenhausinformationssystem (KIS) Epic eingeführt. Bislang waren der Öffentlichkeit nur die Kosten aus dem Ausschreibungsverfahren bekannt, die bei 83 Millionen Schweizer Franken (ca. 90 Millionen Euro) lagen. Nun nennt der Träger des Universitätsspitals Inselspital in einer Pressemitteilung erstmals deutlich höhere Gesamtkosten. Bis zum Jahr 2032 rechnet die Gruppe mit Gesamtkosten in Höhe von 228 Millionen Franken (ca. 250 Millionen Euro).
Im Detail belaufen sich die Einführungskosten des Projekts, das alle Bereiche der Insel Gruppe betrifft, auf rund 182,5 Millionen Franken plus weitere 45 Millionen Franken für Betriebskosten bis zum Jahr 2032. Christoph Rytz, Leiter Integrierte Kommunikation der Insel Gruppe, wies inzwischen gegenüber kma die Darstellung zurück, es handele sich um eine Verdreifachung der Kosten. Laut Rytz seien die gesamten Kosten bislang nicht kommuniziert worden. Publiziert worden sei bislang der Zuschlag auf der öffentlichen Beschaffungsplattform Simap von rund 83 Millionen Schweizer Franken, der Lizenz- und Einführungskosten von Epic sowie Wartungskosten für die Jahre 2023 bis 2032 umfasste. Darin naturgemäß nicht enthalten seien weitere externe Projektkosten sowie die internen Kosten für die Einführung.
Die Insel Gruppe in der Schweizer Bundesstadt mit Hauptstadtfunktion hat mit Epic nach eigenen Angaben mehr als 50 bestehende, teils stark veraltete klinische Systeme abgelöst und parallel zur Einführung des neuen Klinikinformations- und Steuerungssystems eine umfassende digitale Transformation der gesamten Spitalorganisation eingeleitet. Trotz der hohen Kosten überzeuge Epic die Geschäftsführung, weil viele administrative Prozesse deutlich vereinfacht würden.
Die jährlichen Kosten für IT- und Kommunikationstechnik betrugen in den vergangenen fünf Jahren jeweils „rund sieben Prozent des Ertrages“, heißt es. „Die Investitionen in die digitale Transformation sind essentiell für die Medizin der Zukunft. Sie zahlen sich im täglichen Klinikbetrieb bereits heute aus und verbessern die Patientenversorgung. Sie erhöhen die Effizienz im gesamten Spitalbetrieb“, betont Jennifer Diedler, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Insel Gruppe.
Daten auf lokalen Rechenzentren
Mit den Basisapplikationen von Epic verbleiben laut dem Unternehmen sämtliche Patientendaten komplett auf den eigenen Servern im lokalen Rechenzentrum auf dem Gelände des Inselspitals in Bern. Der Zugriff auf Patientendaten ist grundsätzlich auf Mitarbeitende beschränkt, welche direkt oder indirekt zur Behandlung beitragen müssen.
Charité setzt auch auf Epic
Epic ist bislang in deutschen Krankenhäusern nicht vertreten. Im Dezember 2025 hat sich jedoch die Berliner Charité im Vergabeverfahren für ein neues KIS ebenfalls für den US-Hersteller entschieden. Das KIS soll bis 2029 in Betrieb gehen. Laut Charité sollen die Gesamtkosten für die Einführung 200 Millionen Euro betragen.







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