Studie

Klinikmitarbeiter unzureichend am digitalen Wandel beteiligt

Der digitale Wandel ist mehr als die Einführung neuer Technik. Die systematische Beteiligung der Beschäftigten stellt einen Schlüsselfaktor für die Gestaltung der Digitalisierung dar. Leider steht es um die Beteiligung in Kliniken bisher nicht gut.   

Arzt mit Tablet

Fotolia (chombosan)

Symbolfoto

Die Auswirkungen digitaler Technik im Krankenhaus sind bisher kaum erforscht worden. Ob technische Innovationen wirklich die Qualität der Versorgung verbessern, ob sie Arbeitszeit einsparen helfen und wie diese Zeit verwendet wird, kann bisher nicht fundiert beantwortet werden. Eine Online-Befragung unter Krankenhausmitarbeitern sollte dazu beitragen, das bisher sehr lückenhafte Wissen zu Stand und Entwicklungstrends der Digitalisierung im Krankenhaus aus deren Perspektive zu erweitern.

Die Ergebnisse sind Teil der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie „Digitalisierung im Krankenhaus: mehr Technik – bessere Arbeit?“

Offen gegenüber technischen Neuerungen

Das Meinungsbild stellt sich insgesamt differenziert dar. Fast 90 Prozent der Befragten zeigen sich gegenüber digitalen Innovationen generell aufgeschlossen und interessiert. Sie trauen sich den Umgang mit technischen Neuerungen mehrheitlich zu. Lediglich knapp 10 Prozent fühlen sich beim Umgang mit digitaler Technik überfordert. Insgesamt sprechen die Ergebnisse nicht für eine skeptische Grundeinstellung der Beschäftigten gegenüber technischen Neuerungen.

Eher herrscht Offenheit vor. Als positive Auswirkungen der bisher eingeführten digitalen Technik nennen die Befragten unter anderem Verbesserungen der Arbeitsprozesse. Über 61 Prozent berichten von Arbeitserleichterungen. Dass digitale Technik zu Zeitersparnis, Effektivität sowie zu Verbesserungen der Versorgungsqualität beiträgt, bestätigen jeweils zwischen 40 und 50 Prozent der Beschäftigten. 42 Prozent gehen ganz und 33 Prozent teilweise davon aus, dass digitale Technik die eigene Arbeit künftig aufwerten wird. 

Auf der anderen Seite berichten die Beschäftigten auch von negativen Effekten wie gestiegenem Arbeitsdruck und Hetze infolge neuer Technik. 53 Prozent bestätigen eine Zunahme solcher Situationen, in denen sie mehrere Aufgaben parallel erledigen müssen, 35 Prozent fühlen sich stärker gehetzt. Ein erheblicher Teil der Befragten berichtet von einer Arbeitsverdichtung infolge der Einführung digitaler Technik. Diese Entwicklung wird vor allem auf den Normalstationen erlebt. 

Beschäftigte beklagen Informationsdefizite

Ein besonderes kritisches Bild ergibt sich hinsichtlich der Beteiligung der Beschäftigten im Digitalisierungsprozess. Jeweils weniger als 30 Prozent der Befragten fühlen sich vor der Einführung neuer Technik rechtzeitig und umfassend informiert. Rund 40 Prozent meinen, für neue Technik am Arbeitsplatz ausreichend und bei Bedarf auch zusätzlich qualifiziert zu werden, aber immerhin über 28 Prozent äußern sich gegenteilig.Besonders kritisch fallen die Antworten zur Beteiligung bei der Implementierung neuer Technik am eigenen Arbeitsplatz aus.

Lediglich rund 15 Prozent der Beschäftigten sehen sich bei der Planung solcher Neuerungen, also im frühen Stadium eines Implementierungsprozesses, umfassend beteiligt.

Auch bei der anschließenden Produktauswahl bestätigen lediglich knapp  12 Prozent der Befragten eine umfassende Beteiligung. Nach Einführung neuer technischer Lösungen ist die Einschätzung der Beschäftigten zur Evaluation ebenfalls nur in geringem Umfang gefragt: Weniger als ein Viertel fühlt sich hier einbezogen. Insgesamt ist durch bisher praktizierte Beteiligungsmethoden die Partizipation der Beschäftigten im Digitalisierungsprozess aus ihrer Perspektive nur gering ausgeprägt. Dies gilt insbesondere für Frauen, Beschäftigte auf Normalstationen und Teilzeitbeschäftigte.

Handlungsempfehlungen

Dieser problematische Befund führt zur Frage, wie eine Beteiligung der Beschäftigten im betrieblichen Entwicklungsprozess gestaltet werden kann. Betriebliche Digitalstrategien und Personalarbeit sind – dies zeigen vielfältige Kontakte zu Krankenhäusern – häufig nur unzureichend miteinander verknüpft. Eine vorausschauende und partizipativ organisierte Personalarbeit kann aber als ein Schlüsselfaktor bei der Gestaltung des digitalen Wandels auf betrieblicher Ebene gelten.

So ist es wichtig zu erkennen, welche Formen der Partizipation unter den spezifischen Bedingungen im Krankenhaus erfolgreich sein können. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass es sich bei „Digitalisierung“ um einen Prozess handelt, der mindestens so sehr organisatorischer und kultureller wie technischer Natur ist. Ein solcher Prozess wird nur erfolgreich sein, wenn neben den technischen Erfordernissen auch die Themen Personalentwicklung und Arbeitsgestaltung im Rahmen eines beteiligungsorientierten Vorgehens Berücksichtigung finden.

Das Institut Arbeit und Technik erforscht und erprobt im vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekt  „DigiKIK: Digitalisierung – Krankenhaus – Inter- aktion – Kompetenz“ sozialpartnerschaftliche und partizipative Strukturen, Verfahren und Instrumente für die Personalarbeit im digitalen Wandel in Krankenhäusern.

  • Schlagwörter:
  • Mitarbeiter
  • Krankenhäuser
  • Beteiligung

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren