
In Deutschland gibt es heute schon Ärztemangel in der Chirurgie. Wie sähe es dann erst in Kriegszeiten aus? Mit diesen Fragen haben sich die beiden Unternehmerinnen Sabrina Hellstern und Claudia Sodha von Hellstern medical auseinandergesetzt und einen robotischen Assistenten entwickelt. Denn: „Die einzige Lösung ist Technologie“, macht Hellstern deutlich.
Die NATO sieht das wohl ähnlich. „Noac“ ist nun in das NATO-Innovationsprogramm Diana aufgenommen worden. Diana unterstützt Start-ups und Tech-Unternehmen dabei, Zukunftstechnologien für sicherheitsrelevante Herausforderungen zu entwickeln. Im Zentrum stehen dabei „Dual-Use-Technologien“, also Innovationen, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eingesetzt werden können. Dazu zählen auch Operationen unter extremen Bedingungen. Wie zum Beispiel im Feldlazarett.
„Technologie trägt Verantwortung. Unser Anspruch ist es, chirurgische Versorgung global zu sichern und zur Stabilität freier Gesellschaften beizutragen“, erklären die Unternehmerinnen Sabrina Hellstern und Claudia Sodha.
Unterstützung für den Chirurgen selbst
Mit „Noac“ hat das deutsch-amerikanische Unternehmen den nach eigenen Angaben ersten „Robotic Surgeon Assist“ entwickelt, der bereits im klinischen Alltag eingesetzt wird. Er sei der erste Roboter, der die Chirurgen selbst unterstützt: Das System arbeitet sensorgesteuert direkt am Körper des Chirurgen und soll sowohl Präzision als auch Ausdauer im OP erhöhen.
Ein Großteil der Chirurgen leidet irgendwann wegen der körperlichen Dauerbelastung im OP unter orthopädischen Beschwerden. „Noac“ hilft bei langen OPs den Körper zu entlasten und der Ermüdung entgegen zu steuern. In einer Studie mit ärztlichen Probanden wurde nachgewiesen, dass „Noac“ Rückenschmerzen für Operateure erheblich reduziert.
Im Vergleich zu den meisten anderen OP-Robotern kann der robotische Assistent für fast alle Operationen (95 Prozent) genutzt werden. Klassische OP-Roboter seien hingegen kostenintensiv und seien etwa nur für fünf Prozent der chirurgischen Eingriffe anwendbar. Mit diesem Technologiesprung könne das Marktpotenzial der robotisch assistierten Chirurgie laut Unternehmen auf über 70 Milliarden Euro erweitern.
Zudem bilde das Assistenzsystem eine technologische Grundlage für langfristig autonome chirurgische Anwendungen: „Noac“ könne somit auch gegen den Fachkräftemangel helfen – der OP-Roboter mache es laut Hellstern medical möglich, dass ein einziger Chirurg, zusammen mit dem Roboter, eine OP komplett eigenständig durchführen könne.
Tests in gefahrenvollen Szenarien
Im Rahmen des Diana-Programms der NATO will Hellstern medical seine Technologie weiterentwickeln und unter realistischen Bedingungen testen. Also in systemrelevanten Einsatzszenarien, in denen medizinisches Personal unter Zeitdruck, Ressourcenknappheit oder einer Gefahrenlage agieren muss. Dazu arbeitet das Unternehmen regelmäßig in den Diana-Testzentren, unter anderem an dem Standort Boston.
Neben dem NATO-Innovationsprogramm beteiligen sich an der Finanzierung Tochtergesellschaften der Kreissparkassen Esslingen und Ulm sowie private Investoren mit insgesamt einem siebenstelligen Betrag, so das Unternehmen.
Zum Unternehmen
Hellstern medical ist ein deutsch-amerikanisches Deep-Tech-Unternehmen mit Sitz in Wannweil und New York. Das Unternehmen entwickelt seit mehreren Jahren Technologien für robotisch assistierte Chirurgie und hält ein internationales Patentportfolio.








Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen