
Als Dr. Susanne Ozegowski sich im Februar in den Mutterschutz verabschiedete, war sie noch verhalten optimistisch. „Ich könnte mir das gut vorstellen“, sagte die Abteilungsleiterin für Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf die Frage, ob sie auch in einem CDU-geführten Ministerium den Posten weiter ausüben können werde.
Im Gespräch mit kma blieb sie aber schon damals vorsichtig, sie hatte wohl eine Vorahnung. Ihr war klar, dass ihr Job durch den Regierungswechsel und die Übernahme des BMG durch die CDU akut gefährdet war. Als politische Beamtin hatte SPD-Mann Karl Lauterbach sie ins Ministerium geholt, nun versetzt sie Ministerin Nina Warken (CDU) zum 1. Dezember in den Ruhestand. Das bestätigten sowohl das BMG auf Nachfrage und Susanne Ozegowski in einem entsprechenden Post auf LinkedIn. „Ich schaue mit Stolz und Dankbarkeit auf das, was in der letzten Legislatur in der Digitalisierung vorangeschritten ist“, schreibt Ozegowski zum Abschied.
Susanne Ozegowski hat Maßstäbe im Amt gesetzt.
Sie kann auch stolz sein, denn an der Qualität ihrer Arbeit kann es nicht gelegen haben. Die eloquente Berlinerin trieb in ihrer Amtszeit – gemeinsam mit ihrem Chef – die Digitalisierung im Gesundheitswesen in einem bis dahin unbekannten Tempo voran. Die ePA ist endlich da, das E-Rezept, der Ausbau der TI-Infrastruktur nimmt endlich Fahrt auf, die Forschungsdatenzentren werden Realität, und der legislatorische Rahmen für die weitere Digitalisierung ist gesetzt.
Mit ihrer freundlichen, aber energischen Herangehensweise hat Susanne Ozegowski den üblichen Zauderern und Bedenkenträgern der Branche den Wind aus den Segeln genommen und sehr geschickt zwischen den Lobbyinteressen manövriert. Zudem hat sie ein wesentliches Moment bei allen Beteiligten in der Branche zurückgebracht: Nach vielen Jahren der Stagnation sorgte sie für das Vertrauen, dass Politik auch tatsächlich Dinge anpackt und tatsächlich umsetzt. Nicht umsonst hat kma sie zu Beginn des Jahres 2025 mit dem Titel „Managerin des Jahres“ ausgezeichnet.
Der Erfolg gibt Susanne Ozegowski recht. Sie hat Maßstäbe im Amt gesetzt (auch wenn Vorgänger Gottfried Ludewig vieles angeschoben hatte). Für den Nachfolger oder die Nachfolgerin liegt die Messlatte nun sehr hoch. Ministerin Warken könnte die jetzige Entscheidung noch bereuen. Eine ausgewiesene und erfolgreiche Gesundheitsexpertin aus parteistrategischen Gründen vor die Tür zu setzen, ist keine kluge Entscheidung. Sie droht, das neue Tempo der Digitalisierung gleich wieder auszubremsen.
Nach den Eindrücken der ersten Monate unter der neuen Ministerin muss man derzeit Schlimmes für die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen befürchten. Denn bislang kam von Warken zum Thema wenig bis nichts. Längst wächst unter Klinikmanagern und in der Industrie der Frust über die Funkstille im BMG.
Auch dass jetzt bereits der einstweilige Ruhestand von Ozegowski zum 1. Dezember an die Öffentlichkeit gelangt, ohne dass das BMG einen Nachfolger nennen kann oder will, wirft ein schales Licht auf die aktuelle Prioritätensetzung im BMG. Bleibt zu hoffen, dass die Ministerin mit der Neubesetzung der Digitalabteilung ein dringend notwendiges Zeichen gegen alle Befürchtungen setzt, dass die Digitalisierung der Gesundheitsbrache wieder zum politischen Lippenbekenntnis verkommen könnte.







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