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TelemedizinDer Neurologe kommt per Klick in die Hausarztpraxis

Lange Wartezeiten, weite Wege, zu wenige Fachärzte: In Vorpommern ist das neurologische Versorgungsrealität. Ein Telemedizin-Projekt der Unimedizin Greifswald zeigt, wie sich das ändern lässt – und hofft nun auf den G-BA.

Telemedizin
greenbutterfly/stock.adobe.com
Symbolfoto

Neurologische Beschwerden, aber kein Facharzt in der Nähe, das ist für viele Menschen in Vorpommern Alltag. Gerade auf dem Land ist die Versorgung mit neurologischen Fachärzten nicht flächendeckend vorhanden. Lange Wartezeiten und weite Fahrwege sind die Folge. Das Projekt „NeTKoH – Neurologisches Telekonsil mit Hausärzten zur Stärkung der sektorenübergreifenden spezialärztlichen Versorgung in der Region Vorpommern“ – hat über vier Jahre erprobt, ob Telemedizin diese Lücke schließen kann. Das Ergebnis: Sie kann die neurologische Versorgung in strukturschwachen Regionen deutlich verbessern.

Facharzt per Videokonsil – noch am selben Tag

Das Prinzip ist denkbar pragmatisch: Wenn Patientinnen und Patienten in der Hausarztpraxis über neurologische Symptome klagten, konnten die behandelnden Hausärzte über eine telemedizinische Plattform direkt eine fachärztliche Einschätzung der Neurologie der Unimedizin Greifswald einholen – in 98 Prozent der Fälle noch am selben Tag. Lange Überweisungswege und wochenlange Wartezeiten auf einen Facharzttermin entfielen damit.

Rund 1000 Patienten und 40 Hausarztpraxen

An dem Projekt beteiligten sich 40 Hausarztpraxen der Region, rund 1000 Patienten nahmen teil. Gefördert wurde „NeTKoH“ von 2021 bis 2025 mit 5,2 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Neben der Neurologie und der Abteilung für Allgemeinmedizin der Unimedizin Greifswald waren das Institut für Public Health der Charité Berlin, der Medizintechnikhersteller Meytec Medizinsysteme sowie die AOK Nordost und die Techniker Krankenkasse als Partner eingebunden.

Weniger Wartezeit, gezieltere Weiterversorgung

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Einerseits bestätigen sie die zentralen Versorgungsvorteile: Wartezeiten auf eine fachärztliche Einschätzung verkürzten sich deutlich, Patientinnen und Patienten wurden schneller und gezielter weiterbehandelt.

Das Projekt widerlegte eine ursprüngliche Erwartung: „Entgegen unserer Annahme führte die Telekonsultation nicht dazu, dass mehr Patienten dauerhaft in der Hausarztpraxis weiterbehandelt wurden“, erklärt Projektleiter Prof. Felix von Podewils, Neurologe an der Unimedizin Greifswald. Stattdessen wurden Betroffene häufiger an andere ambulante Fachrichtungen oder in stationäre Behandlung weitergeleitet. 

Die frühe Einbindung fachärztlicher Expertise ermöglicht, dass Patienten schneller und gezielter einer weiterführenden Diagnostik und Therapie zugeführt werden – auch durch andere Fachrichtungen.

Für von Podewils ist das kein Widerspruch zum Projekterfolg, sondern ein Qualitätsmerkmal: „Viele neurologische Fragestellungen können im Rahmen eines Telekonsils gut in der Hausarztpraxis gemanagt werden. Gleichzeitig ermöglicht die frühe Einbindung fachärztlicher Expertise, dass Patienten schneller und gezielter einer weiterführenden Diagnostik und Therapie zugeführt werden – auch durch andere Fachrichtungen.“

Die Daten deuten zudem auf eine effizientere Nutzung stationärer Kapazitäten hin: Einweisungen erfolgten gezielter, was zur besseren Auslastung vorhandener Ressourcen beitrug.

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Hohe Akzeptanz auf beiden Seiten

Die Zufriedenheit mit dem telemedizinischen Angebot war sowohl bei Patientinnen und Patienten als auch bei den beteiligten Hausärztinnen und Hausärzten ausgesprochen hoch, mit hohen Empfehlungsraten in beiden Gruppen. „Besonders geschätzt wurden die schnelle fachärztliche Einschätzung, kürzere Wege und die bessere Versorgungskoordination“, so von Podewils.

Nicht nur die Neurologie, sondern potenziell auch andere Fachbereiche und andere Regionen Deutschlands könnten von einem solchen Ansatz profitieren.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Teleneurologie insbesondere in ländlichen Regionen die Versorgung deutlich verbessern kann“, ergänzt Prof. Agnes Flöel, Klinikdirektorin und Prodekanin für Forschung an der Unimedizin Greifswald. „Nicht nur die Neurologie, sondern potenziell auch andere Fachbereiche und andere Regionen Deutschlands könnten von einem solchen Ansatz profitieren.“

Nächster Schritt: Regelversorgung

„NeTKoH“ liefert neben klinischen auch gesundheitsökonomische Daten – eine Grundlage, um tragfähige Vergütungsstrukturen für telemedizinische Konsile zu entwickeln. „Wir hoffen, dass dieses erfolgreich abgeschlossene Projekt eine Empfehlung zur Übernahme in die Regelversorgung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss erhält“, sagt von Podewils.

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