
Es ist der Lohn langfristiger Vorbereitung. Die Universitätsmedizin Frankfurt hat begonnen, ihre verschiedenen IT-Systeme schrittweise in ihre neue Private Cloud zu migrieren. Die technischen Voraussetzungen für die eigenständige IT-Infrastruktur seien im Laufe des vergangenen Jahres geschaffen worden, und nun sei die Private Cloud betriebsbereit, heißt es in einer Mitteilung.
Er erwarte „eine spürbare Verbesserung der Stabilität und Geschwindigkeit unserer digitalen Prozesse – und damit der Diagnostik, Therapie und der Abläufe im klinischen Alltag“, sagt Prof. Jürgen Graf, der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende. Zudem rechne er damit, dass die Plattform den Informationsaustausch zwischen den klinischen Bereichen, niedergelassenen Praxen und weiteren Partnern verbessere.
Wir setzen auf eine in Deutschland bislang einzigartige und leistungsstarke Infrastruktur.
Im ersten Schritt werden die grundlegenden Basisdienste überführt, teilt die Unimedizin weiter mit. Anschließend folgen zentrale Applikationen wie das Krankenhausinformationssystem (KIS), das zentrale System zur Verwaltung von Patientendaten, Behandlungsabläufen und administrativen Prozessen sowie das Picture Archiving and Communication System (PACS). Der gesamte Migrationsprozess laufe bis zum Jahr 2028, wobei neue Anwendungen von Anfang an direkt auf der neuen Plattform bereitgestellt würden.
Die Private Cloud schaffe die Grundlage für einen stabilen Klinikbetrieb auch in möglichen Krisensituationen, wird in Frankfurt betont. Zudem biete sie eine hohe Leistungsfähigkeit, um Anwendungen wie zum Beispiel Telemedizin oder KI‑gestützte Diagnostik innerhalb des Hauses flächendeckend zu ermöglichen. Technologie-Partner ist der IT-Dienstleister Kramer & Crew aus Köln.
Für ihre Plattform nutzt die Universitätsmedizin den Angaben zufolge Kapazitäten bei einem Server-Zentrum in der Umgebung Frankfurts. Die Server-Einheiten seien physisch von anderen Nutzenden abgetrennt und durch eine Standleitung mit der Universitätsmedizin verbunden. Dieses vernetzte System bleibe auch einsatzfähig, wenn die IT-Systeme des Hauses vom Internet getrennt werden müssten.
Die Private Cloud gewährleistet, dass vertrauliche Informationen jederzeit zuverlässig geschützt sind.
„Wir setzen auf eine in Deutschland bislang einzigartige und leistungsstarke Infrastruktur“, sagt CIO Nico Sorg: „Sie erfüllt die steigenden Anforderungen des digitalen Klinikbetriebs und ist ein zentraler Baustein unserer strategischen Weiterentwicklung.“ Die Cloud sei über mehrere Standorte hinweg so ausgelegt, dass eine sehr hohe Stabilität und damit ein sehr verlässlicher Zugriff auf die Daten bestehe.
Potenziale der KI nutzen
Dabei werde eine durchgängige Verschlüsselung für Daten im Ruhezustand und bei der Übertragung genutzt. Die Schlüssel seien vollständig unter Kontrolle der Universitätsmedizin. Ein zentrales Monitoring- und Security-Betriebskonzept gewährleiste die kontinuierliche Überwachung aller relevanten Komponenten. Auch mit Blick auf die Sicherheit hochsensibler Informationen spiele die neue Infrastruktur eine zentrale Rolle, so CMIO Dr. Michael von Wagner: „Sie gewährleistet, dass vertrauliche Informationen jederzeit zuverlässig geschützt sind.“
Die Cloud helfe auch, Potenziale der künstlichen Intelligenz in der medizinischen Versorgung zu nutzen, heißt es weiter. Aktuell werden KI-gestützte medizinische Datenanalysen und HPC-Workloads demnach vor allem im Rahmen einzelner Forschungsprojekte betrieben. Perspektivisch ermögliche die Plattform sowohl die sichere Anbindung externer KI-Rechenkapazitäten über Hybrid-Cloud-Strukturen als auch den Betrieb auf hausinterner Infrastruktur. So könnten KI-Modelle künftig direkt in klinische Prozesse integriert werden: von der medizinischen Bildanalyse bis hin zur algorithmischen Entscheidungsunterstützung in Diagnostik und Therapie.
Steigende Sicherheitsanforderungen
Zudem würden durch die Lösung die Kritis-Vorgaben im hessischen Gesundheitswesen erfüllt. Durch die physische Kontrolle über die IT-Hardware stärke die Klinik ihre digitale Souveränität, reduziere Abhängigkeiten von globalen Lieferketten und vermeide Datenzugriffe aus dem Ausland, die möglicherweise durch die dortige Rechtslage gedeckt wären. Gleichzeitig schaffe die autarke IT-Strategie die Grundlage für die nachweisbare Einhaltung der Anforderungen aus dem IT-Sicherheitsgesetz und der NIS-2-Richtlinie.









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