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kma im Interview„Wir werden an der Cloud nicht vorbeikommen“











kma: Sie haben dafür die Benutzeroberfläche komplett überarbeitet. War die bisherige Version des M-KIS zu komplex für den Anwender?

Meierhofer: Nein (lacht). Wenn wir aber neue Technologien und Funktionalitäten integrieren, dürfen wir die Benutzeroberfläche für die Nutzer nicht überfrachten. Diese müssen die entscheidungsrelevanten Dinge für die Benutzung der Information schnell erkennen können. Für unsere modernisierte Oberfläche haben wir extra Spezialisten aus dem User Experience Umfeld beauftragt, um es den Anwendern noch leichter zu machen. Außerdem sind manche Dinge schlicht aus der Mode…

kma: Die da wären?

Meierhofer: Früher wurden zum Beispiel sehr viele Icons und zahlreiche Farben verwendet. Heute wollen es die klinischen Nutzer viel reduzierter. Sie wollen die wichtigen Dinge schnell erkennen können.

kma: Asklepios hält fast die Hälfte der Anteile an Ihrem Unternehmen. Sind in die Entwicklung dezidiert Wünsche ihres Teilhabers eingeflossen?

Meierhofer: Ja, durchaus, da hat die Nähe zu Asklepios schon ihre Stärken. Jedoch geschieht das rein auf Kundenbeziehungsbasis. In das neue Produktstrategie ist auch viel Feedback von unseren anderen Kunden mit eingeflossen.  

kma: Deloitte kritisierte 2018 in einer Studie, dass bei vielen KIS die Integration von Echtzeitdaten (etwa durch Daten von Business Warehouse Modulen) nicht möglich sei. Zudem würden Systeme Schwächen bei wirtschaftlicher Steuerung und Risikomanagement aufweisen…

Meierhofer: Zunächst einmal: Es wird nicht den einen KIS-Anbieter geben, der alles liefert. Das wäre ein Anachronismus, wenn man heute noch davon ausgehen würde, dass das so ist. Man wird verschiedene Quellen der Informationen und Technologien haben, zum Beispiel Anwendungen zur Kodier-Unterstützung, die man über Plattformen verschiedener Anbieter Plattformen mit einbindet. Für dieses Feedback der unterschiedlichen Systeme muss man jedoch das KIS öffnen und mit verschiedenen Herstellern Mehrwerte produzieren. Das verändert sich jetzt - und wir haben die Technologie dafür geschaffen, damit es funktioniert und der Workflow sich verbessert.

kma: Für den besseren Workflow soll das neue M-KIS Next nun stärker auch auf Basis Künstliche Intelligenz (KI) arbeiten. Wo kommt die KI zum Einsatz?

Meierhofer: KI kann viele Prozesse im KIS unterstützen, das werden wir in Kooperation mit anderen Anbietern auf der DMEA zeigen. So kann KI zum Beispiel die Kodierung unterstützen.

kma: Was meint das genau?

Meierhofer: Da gibt es viele Praxisbeispiele. Etwa: Ein Kodierer hat eine Laboruntersuchung eingetragen, die dann aber gar nicht im Kodier-Ergebnis auftaucht. Oder es taucht ein Kodier-Ergebnis auf, was gar nicht im Arztbrief steht. Die Plausibilisierung von Abrechnungsinformationen kann man wunderbar KI-unterstützt vornehmen.

kma: Weitere Funktionen sollen peut a peut folgen. Welche werden das sein?

Meierhofer: Als Produktstrategie beinhaltet M-KIS Next verschiedene Aspekte. Die ersten Aspekte, die wir auf die Agenda genommen haben, waren die User Experience und technologischen Themen. Jetzt werden weitere Themen wie verstärkte telemedizinische Unterstützung, die wir ja schon teilweise in unserem PDMS haben, das Patient Empowerment oder die besagte Cloudfähigkeit folgen.

kma: Das BMG hat gerade den Referentenentwurf für ein Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) vorgestellt. Wie zufrieden sind Sie als mit dem Entwurf?  

Meierhofer: Der Referentenentwurf ist zu umfangreich, als dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt dazu schon eine umfassende Meinung bilden können. Wir müssen die Einzelheiten erst einmal in Ruhe durchgehen und prüfen. Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn es mit der ePA und mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen vorangeht.     

kma: Am 1.1.2021 wird die elektronische Patientenakte (ePA) verbindlich. Bislang ist aber noch nicht einmal der rechtliche Rahmen geregelt. Ist der Zeitplan nicht zu eng für die Software-Anbieter?

Meierhofer: Da nimmt der Gesetzgeber schon seit Jahren keine Rücksicht mehr drauf. Der Gesetzgeber unterschätzt, was er da manchmal an Regulation fordert und wie es dann in den Häusern umgesetzt werden kann. Wir haben z.B. bis heute noch nicht überall die verbindlichen Vorgaben für die externe Qualitätssicherung. Erst seit wenigen Tagen ist überhaupt der erste E-Health-Konnektor im Feldtest. Wenn es gut geht, werden wir in der 2. Jahreshälfte den E-Health-Konnektor haben. Ich verstehe den Druck, den Minister Spahn ausübt, weil er Ergebnisse haben will. Aber ist natürlich die Frage, ob das auch alles so funktioniert.



















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