
Im Frühjahr 2021 wurde die KMPG AG von der Imland gGmbH beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Schon damals ging es darum eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Anfang November 2022 wurde noch betont man sei „zahlungsfähig und aktuell nicht insolvent“.
Nun hat die Geschäftsführung der Imland Kliniken in Rendsburg und Eckernförde die Reißleine gezogen. Am 9. Dezember 2022 wurde beim Amtsgericht Neumünster Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Die Patientenversorgung sei über den gesamten Zeitraum vollumfänglich gesichert, teilte das kommunale Unternehmen des Kreises Rendsburg-Eckernförde mit. Als Grund wurden die drohende Zahlungsunfähigkeit und die komplizierte Rechtslage nach dem Bürgerentscheid genannt.
40 Millionen Euro Defizit
In den beiden Kliniken arbeiten zusammen etwa 2400 Menschen. Die Krankenhäuser verfügen über insgesamt 800 Betten. Früheren Angaben der Krankenhausgesellschaft zufolge war bei den Imland Kliniken für das kommende Jahr mit einer Unterdeckung von mehr als 40 Millionen Euro gerechnet worden. Auch die Lieferanten und Dienstleister der Imland gGmbH würden bedient, „da die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen“.
Die Geschäftsführung nannte als Gründe Einnahmeeinbußen aufgrund der Corona-Pandemie, die enorm gestiegenen Energiekosten sowie unaufschiebbare Investitionen, unter anderem in Bausubstanz und -technik beider Häuser. Zudem hatten die Menschen in der Region per Bürgerentscheid entschieden, dass der Status Quo weitgehend erhalten bleiben soll, also auch die Geburtsstation in Eckernförde erhalten bleibt. Andere Szenarien sahen speziell für Eckernförde Einschnitte vor.
„Für den Kreis Rendsburg Eckernförde ist das ein schmerzhafter Moment“, sagte Landrat Rolf-Oliver Schwemer. Der Bürgerentscheid habe die Geschäftsführung vor eine „unlösbare Aufgabe gestellt und die Kliniken in eine Sackgasse geführt“. Es stelle sich auch die Frage, ob der Kreis mit dem Betrieb eines Krankenhauses strukturell überfordert sei.
„Unsere Konkurrenten sind professionell aufgestellte Klinikkonzerne. Bei dem Versuch, mithalten zu wollen, haben wir uns aufgerieben und dabei immer mehr den Anschluss verloren.“ Für Schwemer sei aber klar, dass es weiterhin einen verlässlichen stationären Gesundheitsanbieter im Kreis geben müsse und auch werde.
Insbesondere der Zeitpunkt kurz vor Weihnachten sei für alle Beteiligten nicht leicht, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Markus Funk. Er sprach von einem existenzgefährdenden Dilemma. Zugespitzt habe sich die Lage durch die Entscheidung einer Bank, von ihrem Pfandrecht Gebrauch zu machen. „In Zahlen ging es dabei um etwas mehr als fünf Millionen Euro.“
Eine Rückkehr zum von den Imland Kliniken Anfang des Jahres vorgeschlagenen Szenario 5 werde es nicht geben, so das Unternehmen. Die gesamtwirtschaftliche Lage ließe dies nicht zu.
Doppelspitze bleibt im Amt
Die Geschäftsführung, eine Doppelspitze bestehend aus Markus Funk als Geschäftsführer Finanzen und Michael Kiens als Geschäftsführer Personal, bleibt im Amt. Sie wird alles Notwendige in die Wege leiten und bekommt einen Sachwalter vom Gericht zur Seite gestellt, teilte das Unternehmen mit. Zudem wird sie im Sanierungsprozess, welcher im ersten Halbjahr 2023 abgeschlossen werden soll, von Fachanwalt Dr. Rainer Eckert unterstützt.
In den ersten drei Monaten des Schutzschirmverfahrens übernimmt nun die Arbeitsagentur die Gehälter der Beschäftigten. Sollte danach der Krankenhausbetrieb regulär fortgeführt werden, will die Imland gGmbH die Gehälter wieder selbst auszahlen.
„Selbst wenn der Kreis weiteres Geld bereitgestellt hätte, wäre Imland innerhalb weniger Wochen erneut von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Ein weiteres Abwarten auf mögliche Änderungen im Krankenhausplan seitens des Gesundheitsministeriums ist keine Alternative“, sagte Funk. Die Sanierung werde nicht ohne Stellenabbau gehen, das Unternehmen setze auf Sozialverträglichkeit. Ziel sei ein Versorgungsangebot, das dem Bedarf der Bürgerinnen und Bürgern gerecht werde und wirtschaftlich nachhaltig sei. „Dies wird auch mit Härten verbunden sein.“
Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Gesundheitsversorgung in der Region sei weiterhin sichergestellt. Das Ministerium setze den Austausch mit der Klinik fort. „Der Kreis als Träger der Klinik ist nun gemeinsam mit der Klinikleitung dafür verantwortlich, im Schutzschirmverfahren für eine tragfähige Lösung zu sorgen.“ Am 15. Dezember will sich der Sozialausschuss des Landtags mit dem Fall befassen.





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