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Manfred-Fuchs-KlinikMannheim auf dem Sprung in die urologische Champions League

Die neue Manfred-Fuchs-Klinik verbindet Hightech-OPs, KI-gesteuerte Diagnostik und ein innovatives Pflegekonzept. Als dritter Standort im Klinikverbund Heidelberg-Mannheim soll sie Maßstäbe in der uro-onkologischen Spitzenmedizin setzen.

OP-Saal Manfred-Fuchs-Klinik
Johannes Vogt/UMM
Blick in einen der hochmodernen OP-Säle, die mit KI-fähigen Roboterassistenzsystemen ausgestattet sind.

Die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) steht kurz vor der Inbetriebnahme der neuen Manfred-Fuchs-Klinik. In nur 14 Monaten Bauzeit entstand sie als dritter Standort des urologischen Departments im Verbund der Universitätsklinika Heidelberg-Mannheim. Die Einrichtung positioniert sich als hochmodernes Exzellenzzentrum für uro-onkologische Chirurgie – mit vollvernetzten Operationssälen, KI-gestützten Prozessen und einem modernen Pflegekonzept.

Herzstück der Klinik seien die drei OP-Säle, so der Initiator und Gründer der neuen Klinik Prof. Maurice Stephan Michel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Mannheim und Direktor der Klinik für Urologie und Urochirurgie. Sie sind ausgestattet mit der neuesten Generation der Da-Vinci-Operationssysteme (DV5), KI-fähige Roboterassistenzsysteme, die minimalinvasive Eingriffe ermöglichen. So sollen über 2000 Patientinnen und Patienten pro Jahr versorgt werden. Die Anschaffung wurde durch die Dietmar Hopp Stiftung mit rund neun Millionen Euro unterstützt. 

„Die Manfred-Fuchs-Klinik steht für die Medizin von morgen“, sagt Prof. Hanns-Peter Knaebel, CEO des neuen Verbunds. Die Einrichtung sei konsequent auf Weiterentwicklung ausgelegt, technologieoffen und patientenzentriert – und damit ein Modellprojekt für die strategische Ausrichtung des Verbunds. Sandra Henek, kaufmännische Geschäftsführerin des Uniklinikums Mannheim ergänzt: „Der Verbund hat uns die Investition in die Spitzenmedizin am Standort Mannheim möglich gemacht.“

Digitale OP-Prozesse und schnelle Diagnostik

Alle OP-Säle sind vollständig vernetzt. Künstliche Intelligenz wertet Bilddaten aus und kann bereits Vorschläge für die optimale Schnittführung machen. Ein integrierter intraoperativer Gewebescanner erlaubt Diagnosen innerhalb von zehn Minuten – ein Baustein, der die Gesamtdauer vom Verdachtsbefund bis zur Operation auf maximal 30 Tage verkürzen soll. In Deutschland liegen die Wartezeiten derzeit im Schnitt bei drei Monaten. Die Entwicklung erfolgt in enger Kooperation mit der DKFZ-Arbeitsgruppe „Intelligente Systeme und Robotik in der Urologie“. 

Die Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der UMM ist eng verzahnt mit der neuen Klinik in Diagnostik, Therapieplanung und Qualitätssicherung. Ein Standort der UMM-Radiologie befindet sich im selben Gebäude und bietet unter anderem multiparametrische MRT-Untersuchungen der Prostata. Laut UMM kommt dort „das modernste System der gesamten DACH-Region“ zum Einsatz. Teams aus Mannheim und Heidelberg operieren künftig gemeinsam in dem Neubau. Ziel ist es laut dem Chef der Heidelberger Urologie, Prof. Johannes Huber, „die führende urologische Universitätsmedizin Europas in Breite, Tiefe und Spitze“ zu etablieren.

Prof. Maurice Stephan Michel und Sandra Henek
Axel Heiter
Prof. Maurice Stephan Michel und Sandra Henek beim feierlichen Empfang in der neuen Klinik.

Und auch bei der Anästhesie kommt die neueste Überwachungstechnik samt Schlaftiefmessung zum Einsatz. Im Aufwachraum und auf der Station profitieren die Patienten von lückenloser und digital unterstützter Patientenüberwachung, verbunden mit einem Frühwarnsystem.

Pflege neu gedacht

Das Pflegekonzept der Klinik wurde vollständig neu entwickelt und wird wissenschaftlich begleitet. Es setzt auf eine deutliche Erweiterung der pflegerischen Verantwortungsbereiche und auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Pflege und ärztlichem Dienst. Entscheidungen, die die tägliche Versorgung betreffen, sollen künftig möglichst im interprofessionellen Team getroffen werden. UMM-Pflegedirektor Rayk Oemus-Diehl sieht darin einen wichtigen Schritt zu mehr Eigenverantwortung, höherer Beteiligung und einer stärkeren Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrer Arbeit. Mit dem neuen Modell verbindet die Klinik zugleich einen grundlegenden Kulturwandel: „Es soll eine Arbeitskultur entstehen, die von Offenheit, Zusammenarbeit und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Pflegepersonen, Führungskräfte und andere Berufsgruppen arbeiten partnerschaftlich zusammen“, so Oemus-Diehl.

Auf den Stationen setzt die Klinik ebenfalls auf ein Premium-Niveau in der Versorgung. 25 Betten verteilen sich auf moderne Einzel- und Zweibettzimmer, die mit einem Tablet ausgestattet sind, über das Patientinnen und Patienten direkt mit dem Pflegepersonal kommunizieren können. Dies entlaste den Stationsalltag spürbar und ermögliche schnellere Reaktionszeiten, erklärt der Pflegedirektor.

Bereits beim Erstkontakt mit Patienten kommen KI-basierte Tools zum Einsatz – darunter automatisierte Dokumentation, KI-gestützte Telefonie und leitlinienbasierte Chatbots. Ziel ist eine Entlastung der Mitarbeitenden und eine reibungslose Patientensteuerung.

Namensgeber und Stifter

Der Klinikname ehrt den Mannheimer Unternehmer und Ehrenbürger Dr. Manfred Fuchs, der das Projekt und die beiden Unikliniken seit Jahren fördert. Er unterstützt zudem ein jährliches Austauschprogramm für junge Spitzenforscher in Kooperation mit DKFZ, Harvard und der ORSI Academy. 

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