Georg Thieme Verlag KG

KlimaschutzUKD recycelt treibhausrelevante Narkosegase

Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) fängt während einer OP treibhausrelevante Narkosegase auf und recycelt diese. Durch das Kreislaufsystem wird verhindert, dass die klimaschädlichen Gase in die Außenluft gelangen.

Narkose
Sergey/stock.adobe.com

Symbolfoto

Als eines der ersten Universitätsklinika in Europa ist es dem Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) gelungen, treibhausrelevante Narkosegase während der OP aufzufangen und der Aufbereitung zuzuführen. Bislang ist es üblich, von Patient*innen ausgeatmete Gase direkt am Narkosegerät abzusaugen und an die Außenluft abzugeben. Die zur Gruppe der sog. volatilen Anästhetika gehörende Narkosegase fördern jedoch den Treibhauseffekt. Zusammen mit seinem Team erprobt derzeit Prof. Dr. Peter Kienbaum, stellvertretender Direktor der Klinik für Anästhesiologie am UKD, ein neues Verfahren im Rahmen eines Pilotprojektes: Durch ein Kreislaufsystem wird verhindert, dass die klimaschädlichen Anästhetika in die Außenluft gelangen. Stattdessen können sie sogar recycelt werden.

Die während einer Narkose ausgeatmeten Narkosegase werden über einen direkt mit dem Narkosegerät verbundenem Aktivkohleabsorber aufgefangen und aufbewahrt. Der technische Aufwand dafür ist gering. Im nächsten Schritt werden die Absorber gesammelt und aufbereitet. Dabei behalten die aufbereiteten Narkosegase ihre volle Wirksamkeit und Qualität, so dass Sie bei weiteren Patient*innen sicher eingesetzt werden können.

Aus dem OP heraus einen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Die für die Narkose eingesetzten „volatilen Anästhetika“ sind langlebige halogenierte Kohlenwasserstoffe. Zu dieser Gruppe gehören Desfluran, Sevofluran und Isofluran. Ihr Anteil am weltweiten Treibhauseffekt beträgt aktuellen Schätzungen zufolge 0,08 Prozent. In der Anästhesie sind sie ein wichtiger Faktor, denn sie sind hochwirksam, gut steuerbar und für die Patienten sehr schonend. Selbst Hochrisikopatienten erholen sich dank der milliardenfach erprobten und bewährten Anwendung rasch und sehr sicher von einer mit diesen Anästhetika durchgeführten Narkose. Das ist bspw. bei operativen Eingriffen an Schwerstkranken oder an Kindern ein unverzichtbarer Vorteil.

„Die Wirkung auf unser Klima hat dabei jedoch bisher kaum jemand im Fokus gehabt. Am UKD wollen wir ausprobieren, wie gut das Narkosegas aufgefangen und wiederverwertet werden kann. Wenn diesem Beispiel später andere folgen, können wir selbst aus dem OP heraus einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Prof. Kienbaum zum Pilotprojekt.

Der Gesundheitssektor verursacht weltweit etwa 4,4 Prozent des globalen CO2-Fußabdrucks durch Energie, Narkosegase, Sach- bzw. Verbrauchsmaterialien und Abfall. Von den klimaschädlichen Emissionen eines Operationsbereiches im Krankenhaus können circa 50 Prozent auf Narkosegase entfallen, wie eine kanadische Untersuchung zeigt.

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