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Roland Berger KrankenhausstudieVor allem öffentliche Häuser in wirtschaftlicher Not

Die Roland Berger Krankenhausstudie 2024 zeichnet ein düsteres Bild: Die finanzielle Not der Kliniken verschärft sich, mehr als die Hälfte der Häuser sehen ihre Liquidität gefährdet. Etwa ein Viertel schätzt sich selbst als insolvenzbedroht ein.

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„Es sind nicht nur die kleinen Krankenhäuser, es sind auch sehr, sehr, sehr viele große Krankenhäuser dabei, auch Maximalversorger und Universitätskliniken“, sagte der Krankenhaus-Fachmann und Partner des Münchner Beratungsunternehmens Roalnd Berger, Peter Magunia. „Insbesondere öffentliche Krankenhäuser stehen noch mal stärker unter Druck.“

In 2023 schrieben laut der jährlich veröffentlichten Krankenhausstudie 70 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen – nochmals rund 20 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. „Wir glauben, dass es auch sehr kurzfristig zu weiteren Schließungen kommen wird, wenn wir uns die wirtschaftliche und die Liquiditätssituation ansehen“, sagte Magunia.

Städtische Kliniken besonders in Not

Anders als oft angenommen, geraten keineswegs nur kleine Krankenhäuser auf dem Lande in Not. „Die Herausforderung ist in den Städten teilweise noch ein bisschen größer“, sagte Janes Grotelüschen, Co-Autor und Partner bei Roland Berger. „Was die Bettendichte angeht, sind wir in den Städten meistens noch besser ausgestattet als ländlich. Daher gibt es in den Städten teilweise noch größere Auslastungsprobleme.“

Besonders schlecht stehen Häuser in öffentlicher Trägerschaft da: Nur acht Prozent von ihnen konnten ein positives Jahresergebnis verbuchen, 84 Prozent schrieben Verluste, 21 Prozentpunkte mehr als 2022. 71 Prozent der privat geführten Krankenhäuser weisen für 2023 negative Jahresabschlüsse aus. Am besten geht es Kliniken in freigemeinnütziger Trägerschaft: Immerhin 24 Prozent beendeten das Jahr mit einem positiven Ergebnis, allerdings waren auch von ihnen 58 Prozent defizitär. Zu diesen Ergebnissen kommt die Roland Berger Krankenhausstudie 2024, für die über 650 Führungskräfte im deutschen Krankenhausmarkt befragt wurden.

Nur acht Prozent der Kliniken in öffentlicher Trägerschaft konnten ein positives Jahresergebnis verbuchen.

„Die Defizite gefährden zunehmend auch die Liquidität und schränken dadurch die Gestaltungsräume der Häuser für unternehmerisches Handeln immer stärker ein“, erklärt Magunia. Das betrifft insbesondere die Krankenhäuser der Regel- und Schwerpunktversorgung: 72 Prozent von ihnen sehen ihre Liquidität als gefährdet oder sogar stark gefährdet. Bei den Grundversorgern und Maximalversorgern sind es 38 beziehungsweise 42 Prozent. Magunia mahnt, dass Kliniken nun kurzfristig und entschlossen handeln müssen. „Langwierige Entscheidungsprozesse werden der aktuellen Situation nicht mehr gerecht.“

Ein weiteres großes Problem ist fehlendes Personal, weil Pflegekräfte und andere Klinikangestellte keine allzu hohen Einkommen haben: „In den Städten ist es teilweise noch schwieriger für die Krankenhäuser, Personal zu finden, weil die Lebenshaltungskosten nicht so gut mit den Tarifen zusammenpassen“, sagte Grotelüschen.

Neuer Pleiterekord möglich

Die Krankenhausstudie deckt sich im Wesentlichen mit der pessimistischen Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die im Frühjahr von einer nie erlebten wirtschaftlichen Schieflage gesprochen hatte. 2023 hatten laut Krankenhausgesellschaft bundesweit 40 Häuser Insolvenz angemeldet, in diesem Jahr könnte demnach ein neuer Negativrekord drohen.

Mögliche Insolvenzen und eine daraus resultierende Konsolidierung des Markts, aber auch die angekündigte Krankenhausreform wirken sich auf die mittel- bis langfristigen Erwartungen der befragten Führungskräfte aus. Etwas optimistischer blicken vor allem Maximalversorger in die Zukunft: Für das laufende Jahr erwarten zwar nur 17 Prozent eine Verbesserung ihres Jahresergebnisses, doch bis 2029 prognostizieren schon 53 Prozent eine positive Entwicklung ihrer Jahresergebnisse. Kleinere Krankenhäuser gehen jedoch auch langfristig von einer eher negativen Ergebnis- und Liquiditätsentwicklung aus. 

Rettung durch Fusion?

Die Bundesregierung hat zwar versprochen, die Krankenhausfinanzierung auf solide Füße zu stellen. Die Reform soll Anfang 2025 in Kraft treten. Momentan aber herrscht in den Krankenhäusern Unsicherheit, wie Magunia sagte: „Derzeit kann kein Krankenhaus die Effekte aus der Krankenhausreform kalkulieren und auf das eigene Haus herunterbrechen. Es gibt kein Modell, weder eines, das zur Verfügung gestellt würde, noch eines, das man sozusagen selbst aufsetzen könnte.“

Mittel- und längerfristig werden viele Krankenhäuser nach Einschätzung der beiden Klinikexperten auf Zusammenschlüsse angewiesen sein. „50 Prozent aller Geschäftsführer denken über Fusionen nach“, sagte Magunia, „viele Krankenhäuser werden nicht solitär überleben können, sondern nur im Verbund.“ Es gebe bereits einige Krankenhausverbünde – „die müssen aber auf jeden Fall größer werden.“

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