Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

Mit Trillerpfeifen und TransparentenWofür tausende Uniklinik-Ärzte auf die Straße gehen

Nach drei gescheiterten Verhandlungsrunden mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder hat der Marburger Bund 20 000 Ärztinnen und Ärzte zum Protest aufgerufen. Wo gestreikt wurde und was gefordert wird.

Streik
Juan Aunion/stock.adobe.com
Symbolfoto

Harte Schichtarbeit, viel Verantwortung, zu wenig Geld – dagegen sind mehrere Tausend Ärztinnen und Ärzte der Universitätsklinika am 30. Januar 2024 auf die Straße gegangen. Allein zur zentralen Warnstreik-Kundgebung des Marburger Bundes in Hannover kamen rund 5000 Streikende aus dem ganzen Bundesgebiet. Jeweils mehrere Hundert Ärztinnen und Ärzte nahmen zudem an dezentralen Aktionen in Freiburg, Tübingen, Jena, Ulm, Heidelberg, München, Aachen, Köln und Düsseldorf teil. Der Marburger Bund hatte die mehr als 20 000 Ärztinnen und Ärzte an den bundesweit 23 landeseigenen Unikliniken zu dem Warnstreik aufgerufen.

Mit Trillerpfeifen und Transparenten zogen etwa in Freiburg die Teilnehmenden durch die Stadt. „Ärzte am Limit, Patient in Gefahr“ oder „Zu müde für Narkose“ war auf den Plakaten zu lesen. Nach Worten eines Sprechers der Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatten sich in Tübingen rund 500 und in Heidelberg mehr als 300 Medizinerinnen und Mediziner versammelt. In Freiburg waren es am frühen Nachmittag etwa 300 und in Ulm rund 500 Streikende. Ein Ergebnis, das nach Aussagen der Veranstalter die Erwartungen übertroffen hat.

Das wird gefordert

Die Ärztinnen und Ärzte streiken für mehr Geld. Denn: Laut Gewerkschaft liegt das Grundgehalt an den Unikliniken rund 200 bis 600 Euro unter dem der kommunalen Krankenhäuser. Und das bei einer höheren Arbeitszeit. Die Forderung des Marburger Bundes lautet daher 12,5 Prozent mehr Gehalt, bezogen auf ein Jahr, sowie höhere Zuschläge für Regelarbeit in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen. Auch soll die Schichtarbeit neu geregelt werden.

Die Länder müssen jetzt endlich aus dem Knick kommen.

„Die Länder wollen nicht der Tatsache ins Auge sehen, dass die Universitätskliniken immer weiter ins Hintertreffen geraten – bei den ärztlichen Gehältern wie auch bei den Arbeitsbedingungen“, teilte Dr. Andreas Botzlar, der zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, mit. Es werde immer mehr reguläre Klinikarbeit in die Randzeiten des Tages und auf die Wochenenden verlegt, weil Mehrarbeit zu ungünstigen Zeiten für die Kliniken billiger sei, sagte Botzlar.

Botzlar forderte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) auf, sich in den Tarifverhandlungen endlich einen Ruck zu geben. „Es kann nicht sein, dass von den Ärztinnen und Ärzten in den Universitätskliniken ein Spitzenplatz in der Medizin erwartet wird, ihnen aber im Gehaltsgefüge der Tabellenkeller zugewiesen wird. Die Länder müssen jetzt endlich aus dem Knick kommen und in den Verhandlungen die Bereitschaft zeigen, mit uns grundlegende Verbesserungen zu vereinbaren“, forderte er.

Mehr zum Thema:

Proteste auch in kleineren kommunalen Häusern

„Die hohe Beteiligung am heutigen Warnstreik macht deutlich, dass unsere Mitglieder voll und ganz hinter unseren Forderungen stehen”, ergänzt der Vorsitzende des Marburger Bundes in Schleswig-Holstein, Michael Wessendorf. Die Beteiligung habe ein starkes Zeichen in Richtung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) gesetzt, betonte ein Sprecher des Marburger Bunds. Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen, verdeutlicht außerdem: „Die große Resonanz zeigt, dass die Ärztinnen und Ärzte an den Universitätskliniken die Nase voll haben.“

Die große Resonanz zeigt, dass die Ärztinnen und Ärzte an den Universitätskliniken die Nase voll haben.

An mehreren kleineren kommunalen Klinikstandorten gab es ebenfalls Protestaktionen. So nahmen rund 200 Mitarbeiter des Hufeland-Klinikums im Unstrut-Hainich-Kreis laut Verdi an einem Demozug durch die Mühlhäuser Innenstadt teil. Verdi kündigte an, das Klinikum bis 22.00 Uhr bestreiken zu wollen. Für die Patientinnen und Patienten – egal ob am Uniklinikum oder kommunalen Krankenhaus – sei die Notfallversorgung aber gewährleistet gewesen. Bei geplanten, aber nicht unbedingt nötigen Operationen könnte es wegen der Aktionen allerdings zu Verschiebungen kommen.

Hintergrund

Den Streikaktionen waren drei ergebnislose Verhandlungsrunden – zuletzt am 16. und 17. Januar in Berlin – mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) vorangegangen. Von dort seien den Ärzten zwar Ideen und Verbesserungsvorschläge präsentiert worden. Ein konkretes, formelles Angebot habe es jedoch nicht gegeben, wie der Sprecher des Marburger Bundes weiter sagte. Bundesweit war zu Streiks an 23 Universitätskliniken aufgerufen worden.

Wie es weitergeht

Die TdL bedauerte das Scheitern der Verhandlungsrunde Mitte Januar und kündigte Kompromissbereitschaft an. „Es bleibt dabei, dass sich unsere Wertschätzung für die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte an den Universitätskliniken auch in Geld ausdrücken soll“, sagte Monika Heinold (Grüne), Finanzministerin von Schleswig-Holstein und Verhandlungsführerin der TdL. Sie setze darauf, Ende Februar eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Eine Erwartungshaltung, die auch der Marburger Bund teilt: „Wir erwarten in der nächsten Verhandlungsrunde am 22. Februar ein ernstzunehmendes Angebot der TdL“, so Wollenberg.

Wir erwarten in der nächsten Verhandlungsrunde ein ernstzunehmendes Angebot.

Die Universitätsklinika in Berlin, Hamburg und Hessen sind nicht vom Streik betroffen. Sie haben eigene Tarifverträge – wobei auch an der Berliner Charité gerade um mehr Gehalt und die Reduktion der Arbeitslast verhandelt wird. Für die Unikliniken in Dresden und Mainz gelten ebenfalls eigene Haustarifverträge, die von den jeweiligen Landesverbänden des Marburger Bundes verhandelt werden.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen