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DatenaustauschSylvia Thun erhält W3-Professur für Digitale Medizin

Prof. Sylvia Thun, Direktorin der Core Unit E-Health und Interoperabilität am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), erhält eine W3-Professur auf Lebenszeit für Digitale Medizin und Interoperabilität.

Prof. Sylvia Thun
Thomas Rafalzyk/BIH

Prof. Sylvia Thun

Prof. Sylvia Thun ist Direktorin der Core Unit eHealth und Interoperabilität am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). Die Expertin für IT-Standards im Gesundheitswesen hat nun eine W3-Professur auf Lebenszeit für Digitiale Medizin und Interoperabilität erhalten und diesse am BIH zum 1. Oktober 2021 angetreten.

Thun beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren damit, Daten aus der medizinischen Versorgung und Forschung besser und vor allem barrierefrei zu vernetzen. Sie berät in zahlreichen Gremien politische Akteure sowie Einrichtungen im Gesundheitswesen.

Jeden Tag entstehen unzählige Daten im Gesundheitswesen. Informationen über Diagnosen, Behandlungen und Krankheitsverlauf, über molekulare Details oder Stoffwechselprozesse. „Wir haben einen riesigen Datenschatz“, sagt Prof. Sylvia Thun. „Es wäre unethisch, diese Daten nicht zu nutzen!“ Doch genau hier liegt das Problem. Die Daten werden in allen Einrichtungen anders erfasst. Sie sind unterschiedlich formuliert, formatiert und in verschiedenen Softwaresystemen, wenn nicht gar auf Papier gespeichert.

FAIR-Prinzipien für wissenschaftliche Daten

„Wir brauchen Kommunikationsstandards im Gesundheitswesen“, fordert die Medizinerin und Digitalexpertin. „Wir haben uns deshalb vorgenommen, die Daten aus der Versorgung, aus molekularbiologischen Befunden, aus Gewebe- und Blutuntersuchungen und dem pathologischen Bericht strukturiert aufzubereiten.“ Dazu ist es notwendig, dass die Ärzte und Wissenschaftlerinnen ihre Messwerte und Diagnosen in einer standardisierten „Weltfachsprache“" eingeben. „Dafür benötigen wir Forschungsprojekte und innovative Software, damit es nicht zu Mehrarbeiten kommt. Wir hoffen, dass die Patienten sehr bald einen Mehrwert spüren, da Datascientists die Daten nutzbringend aufbereiten.“

Die einheitliche Datenhandhabung wird auch von der Politik unterstützt: Einerseits mit dem Krankenhauszukunftsgesetz des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), dessen Reifegradmessung zur digitalen Zukunftsfähigkeit „DigitalRadar“ Thun leitet. Außerdem durch das Bundesforschungsministerium BMBF. „In fast allen deutschen Universitätskliniken werden im Rahmen der Medizininformatik-Initiative des BMBF Datenintegrationszentren aufgebaut, die gemeinsam Konzepte entwickeln, wie Daten dokumentiert und gemeinsam datenschutzkonform genutzt werden können. Diese Chance wollen wir nutzen“, sagt Sylvia Thun.

Hierzu wollen die Beteiligten die FAIR-Prinzipien für wissenschaftliche Daten einführen: FAIR steht für Findable (auffindbar), Accessible (zugänglich), Interoperable (kompatibel) und Reusable (wiederverwendbar). Und Thun geht mit ihrem Team noch weiter: In einem nächsten Schritt möchte sie Daten über das Smartphone standardisieren: Das soll ermöglichen, dass Patient*innen Informationen regelmäßig an ihren Arzt oder ihre Ärztin schicken, damit diese verfolgen können, wie erfolgreich die Therapie tatsächlich war und sich der Gesundheitszustand im Verlauf verändert.

Netzwerk #Shehealth für mehr Engagement von Frauen

Und dann gibt es noch ein weiteres Thema, das der umtriebigen Ärztin sehr wichtig ist: Die Gleichstellung von Frauen in der digitalen Medizin. Denn sowohl in der Datenbasis, auf der die Algorithmen der künstlichen Intelligenz beruhen, als auch unter den KI-Entwicklern sind Frauen unterrepräsentiert. Gemeinsam mit der Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. Christiane Groß, hat sie daher das Netzwerk #SHEHEALTH gegründet mit dem Ziel, das Engagement von Frauen vor allem im Bereich der digitalen Medizin sichtbar zu machen. „Wir brauchen mehr Medizininformatikerinnen und weibliche Health Data Scientists, hier hat die Branche definitiv noch Nachholbedarf“, erklärt die engagierte Wissenschaftlerin, die sogar ein Buch zum Thema mitherausgegeben hat.

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