
Die Kliniken stehen wirtschaftlich unter starkem Druck, steigende Energie- und Sachkosten sowie Fachkräftemangel bestimmen den Alltag. Da Stations-Servicedienstleistungen nicht mehr refinanzierbar sind, müssen diese Leistungen gekürzt und von der Pflege übernommen werden. Dies führt bei den Krankenhäusern zu großen Problemen vor dem Hintergrund des Mangels an Pflegefachkräften. Um den Herausforderungen zu begegnen, wächst der Bedarf, Prozesse außerhalb der Kernleistung effizient zu gestalten.
Die unstetige Politik mit teilweise gegensätzlichen Entscheidungen belastet sowohl die Krankenhäuser als auch die Dienstleister.
Aber: „Die unstetige Politik mit teilweise gegensätzlichen Entscheidungen belastet sowohl die Krankenhäuser als auch die Dienstleister, da langfristige Planungen nicht mehr möglich sind“, so formuliert es Dr. Tobias Prietzel, Geschäftsführer Infra Services der Apleona Gruppe, die mit über vier Milliarden Euro Gesamtumsatz und 40.000 Mitarbeitenden eine der großen Player im Bereich Facility Management (FM) ist. Durch die Krankenhausreform kommt der komplette Markt unter Preisdruck. „Wir sehen vermehrt Insolvenzen von Klinikstandorten. Und keiner weiß, welche Kliniken übrigbleiben.”
Erst vor zwei Jahren hatte Apleona die Gegenbauer-Gruppe gekauft. „Unsere Antwort auf den Kostendruck der Kliniken ist oftmals eine gemeinsame Servicegesellschaft. Dabei fungieren wir stets als Minderheitsgesellschafter, die Klinik behält die Mehrheit”, erklärt Prietzel. Dies führe nicht nur zu einer Steuerersparnis gegenüber dem üblichen Werkvertrag, sondern ergebe auch eine ganz andere Zusammenarbeit. Im Gegensatz zu einer reinen Dienstleisterbeziehung ist das Ziel nicht eine Überschuss-Erwirtschaftung. Dies ermögliche einen strategischen Weitblick.
Mit Servicegesellschaften und Baukastenprinzip
Klassisch unterstützt Apleona bei der Unterhaltsreinigung, nimmt den Kliniken die Personaldienstleistungen mit hohem Aufwand ab sowie die zeitraubende Finanzbuchhaltung mit allen Berichtspflichten. Zusätzlich werden jedoch auch die Bettenaufbereitung und alle anderen Klinikdienste im Baukastenprinzip angeboten. Kliniken können sich dadurch auf ihre Pflegekräfte und deren Aufgaben konzentrieren. Auch Catering- und Consulting-Dienstleistungen bietet Apleona an, zum Beispiel durch zentrale Speisenversorgungszentren in ganz Deutschland, aus denen das im „Cook & Chill“-Verfahren vorbereitete Essen zu den Klinikstandorten geliefert und direkt vor Ausgabe regeneriert wird.
Die Apleona verzeichnet einen stetigen Zuwachs an Servicegesellschaften im Klinikbereich und ein gesundes Wachstum. Das liegt auch daran, dass die Apleona Infra Services über eine besondere Expertise verfügt und einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht hat. Eine vermehrte Nachfrage nach Lösungskonzepten stellt Apleona im Bereich Catering fest, da die Krankenhäuser vor einem Investitionsstau im Bereich der Bestandsküchen stehen.
Messbare Einsparpotenziale und modulare Pakete
Ähnliches zum Preisdruck berichtet die Compass Group Deutschland mit 4000 Beschäftigten und 135 Millionen Euro Umsatz. Man beobachte ein immer stärkeres Outsourcing der Facility Management Leistungen durch die Kliniken. Gleichzeitig gäbe es jedoch auch eine Stagnation im Gesamtbereich. Dies lasse sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Zum einen sind Energie- und Sachkosten erheblich gestiegen, während die Budgets eingefroren oder gekürzt wurden. Dieser Kostendruck zwingt die Kliniken, Investitionen in neue Projekte zu reduzieren, selbst in Bereichen mit klaren Effizienzpotenzialen.
Der Fokus liegt darauf, den Kliniken auch in Krisenzeiten Handlungsfähigkeit zu garantieren.
„Unsere Angebote sind daher auf messbare Einsparpotenziale und modulare Pakete ausgerichtet. Der Fokus liegt darauf, den Kliniken auch in Krisenzeiten Handlungsfähigkeit zu garantieren, sodass sie bei einer besseren Finanzlage schnell skalieren können“, so Darja Zschockelt, Head of External Communication, Compass Group Deutschland. ”
Energieeffizienz und Koch-Roboter
Das Unternehmen Sodexo (23,8 Milliarden Euro Umsatz weltweit, 8000 Mitarbeitende in Deutschland) sieht eine zunehmende Professionalisierung und Dynamik im Kliniksektor. Qualitätssicherung und Effizienzsteigerung würden immer wichtiger. Parallel dazu zeige sich, dass digitale Lösungen und innovative Servicekonzepte stärker nachgefragt werden, um den Klinikalltag zu entlasten. Ein Beispiel sei der Kochroboter von Sodexo an der Universitätsklinik in Tübingen.
Mit Kliniken betreibt Sodexo sowohl Direktgeschäft als auch Servicegesellschaften in Kooperation. Erst im Juni 2025 gab es eine Neugründung der Servicegesellschaft S.UM in Kooperation mit der Universitätsmedizin Mainz zur Optimierung der Qualität die Reinigung im Haus. Neben Tübingen und Mainz zählt auch das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm zu den Bestandskunden. Als einer der führenden Anbieter am Markt setzt Sodexo auf Innovation und Weiterentwicklung. Es solle „im Klinikalltag ein messbarer Mehrwert geschaffen“ werden. Wachstumsfelder sehen die Experten von Sodexo bei der Digitalisierung von Prozessen oder dem Einsatz nachhaltiger Lösungen, die energieeffizient und ressourcenschonend sind. Aber auch bei der Qualität im Bereich Ernährung und Verpflegung.
Reinigungsrobotik und Digitalisierung
Mit Umsatzerlösen von 1,73 Milliarden Euro im Jahr 2024 im Facility Service ist Wisag keine unbekannte Größe. „Wir stellen in diesem Zusammenhang fest, dass die Nachfrage nach externer Expertise deutlich steigt“, sagt Mark Hemming, Leiter Gesundheitswesen von Wisag Facility Management. Viele Häuser suchten Partner, die sie entlasten und ihre Prozesse effizienter gestalten. Die Wisag bringt hier beispielsweise ihre Erfahrung in Digitalisierung und Robotik ein.
Ein konkretes Fallbeispiel ist der Einsatz von Reinigungsrobotern. Hier lassen sich die Reinigungsintervalle sehr flexibel an Witterungsverhältnisse anpassen. Bei Regen oder Schnee können stark frequentierte Bereiche wie die Eingangshalle, häufiger gereinigt werden. Das sorgt nicht nur für ein gepflegtes Erscheinungsbild, sondern reduziert auch die Rutschgefahr auf feuchten oder verschmutzten Böden.
Hygiene und Logistik
Das Familienunternehmen Klüh verzeichnete 2024 mit einem Umsatz von 1,07 Milliarden Euro und über 46.000 Mitarbeitenden ein organisches Wachstum von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die zur Unternehmensgruppe gehörende Sparte Clinic Service machte 17,5 Prozent des Gesamtumsatzes aus und behält sein Umsatzniveau damit stabil.
Sonderstellung von Klinik-Töchtern
Eine Sonderstellung nehmen eigene Facility Management-Bereiche der Universitätskliniken in Deutschland ein. So muss sich die Charité Facility Management (CFM), eine 100-prozentige Tochter der Charité – Universitätsmedizin Berlin, nicht einer unmittelbaren Wettbewerbssituation stellen. Leistungen können ganz an den Bedürfnissen des Kunden ausgerichtet und flexibel und schnell auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagiert werden. Dadurch gäbe es die Chance, auf Prozessoptimierung und fachliche Innovation zu fokussieren und für bestehende Herausforderungen passgenaue Lösungen zu erarbeiten, heißt es aus der Charité.
Mit 3405 Mitarbeitenden orientiert die Servicegesellschaft unter anderem stark auf Energieeffizienz (Energiemonitoring und -optimierung, Integration erneuerbarer Energien), auf eine Reduktion des Verwurfs von Lebensmitteln und Ernährungswende in Orientierung an Planetary Health Diet, Bilanzierung aller Einkaufsartikel im bereichseigenen Warenwirtschaftssystem und Optimierung der Speiseplanung nach umwelt- und gesundheitsbezogenen Kennzahlen. Automatisierung, Digitalisierung und Datenmanagement wurden vorangetrieben, eine automatisierte Reinigungs- und Wartungsplanung, Echtzeitdaten als Entscheidungsunterstützung, CAFM (Computer-Aided Facility Management) und BIM (Building Information Modeling) etabliert. Eine KI-basierte Erkennung von Medizinprodukten läuft als Pilotprojekt mit dem Fraunhofer Institut.
Doch trotz aller Vorteile spielen auch hier politische Unsicherheiten im Hinblick auf gesetzliche Änderungen im Versorgungssektor und finanzielle Konsolidierungszwänge eine Rolle. „Der Druck zur Kostensenkung bei der Charité wirkt sich auf uns aus, wir haben Planungsschwierigkeiten aufgrund sich stetig verändernder Rahmenbedingungen und Leistungsanpassungen als deren Folge“, berichtet Dr. Sophie Külz, Leiterin Leitung Kommunikation und Changemanagement der CFM. Es bilde sich ein Investitionsstau, unter anderem aufgrund der Nachhaltigkeitsanforderungen. Steigende Lohnkosten, steigende Energie- und Materialkosten bei gleichzeitig hohem Qualitätsanspruch und Wunsch nach nachhaltigen Lösungen für die Leuchtturmfunktion der Charité als eine der größten Universitätskliniken Europas, fordern das Facility Management heraus.
Technische Kompetenzen stärken
Das Uniklinikum Bonn (UKB) betreibt sein Facility Management direkt selbst. Im Geschäftsbereich 6 mit 190 Mitarbeitern werden vom Immobilienmanagement, über Infrastrukturservice, technisches FM, interne Dienstleistungen bis zum Energiemanagement, Finanzcontrolling und Innenausbau alle Bereiche bedient.
Schwerpunkte liegen in der Stärkung eigener technischer Kompetenzen, der Digitalisierung von FM-Prozessen, der Energieeffizienz sowie im Klimaschutz. Mit dem Ausbau der Werkstattbereiche und gezielten Ausbildungsprogrammen werden die Resilienz erhöht und Reaktionszeiten verkürzt. „Ein eigenes Facility Management ermöglicht uns eine nahtlose Integration in die hochspezialisierten Abläufe eines Universitätsklinikums. Wir profitieren von kurzen Entscheidungswegen, schneller Reaktionsfähigkeit im laufenden Betrieb und der Möglichkeit, unsere technischen Standards direkt selbst umzusetzen“, so Pressereferentin Daria Siverina. Externe Partner bleiben weiterhin wichtige Ergänzungen.
Herausfordernd seien die regulatorischen Anforderungen an Technik, Sicherheit und Nachhaltigkeit, die stetig ansteigen. Damit verbunden ist ein erhöhter Investitions- und Instandhaltungsbedarf, der sich nicht immer mit den verfügbaren Mitteln deckt. Kritische Systeme müssen bevorzugt, Investitionen planvoll priorisiert werden. Die größten Sorgen bereiten der FM-Abteilung des UKB die Energiepreisentwicklung, IT-Sicherheit, Klimaerwärmung und Mobilität.
Als einer der Hygienespezialisten für Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Senioreneinrichtungen mit umfassendem Leistungsangebot (OP-Reinigung, Sterilgut-Aufbereitung, Bettenaufbereitung, etc.) betreut Klüh unter anderem große Kunden wie Universitätskliniken, das Bundeswehrkrankenhaus Berlin sowie die Katholische Hospitalvereinigung Ostwestfalen und ist im Care-Markt einer der führenden Anbieter im Facility Management.
In digitalen Hygienelösungen und der digitalen Dokumentation, in Bettenaufbereitung und Logistik-Services (inklusive Hol- und Bringdienste), in der Sterilgut-Versorgung sowie in Schulungs- und Qualifizierungsangeboten für das Personal sieht das Unternehmen die Wachstumspotentiale. Ergänzend zählten Qualitätssicherung, Prozessoptimierung und Kostenkontrolle beziehungsweise Revisionen im Krankenhauswesen dazu.
Ausblick
Im Facility Management wirken sich der Fachkräftemangel, steigende Anforderungen im Bau- und Energiebereich sowie höhere Kosten für Materialien und Dienstleistungen deutlich aus. Eine zeitnahe Änderung des belasteten Geschäftsklimas wird nicht erwartet. Die hohen Erwartungen an Qualität und Nachhaltigkeit stellen den FM-Markt vor komplexe Aufgaben. Der unheimliche Innovationsstau und der Kostendruck führen dazu, dass die Themenvielfalt für Klinikmanager allein nicht mehr zu stemmen ist. Sie müssen sich vermehrt um OP-Auslastung, Bettenbelegung, Pflegekennzahlen kümmern. Deshalb steigt derzeit die Nachfrage nach dem Service des Facility Managements, um einzelne Themen anderweitig gut betreut zu wissen.
Nach einer Konsolidierung wird es weniger kleine Kliniken geben, gleichbleibend viele große Kliniken und mehr Privatkliniken. Bei der überalterten Bevölkerung wird jedoch die Netto-Bettenanzahl gleichbleiben, so die Experteneinschätzung. Ab diesem Punkt der Konsolidierung werden auch die FM-Unternehmen wieder besser planen können. Bei faktischer regionaler Vollbeschäftigung ist die Gewinnung von Personal im FM-Bereich weiterhin sehr schwer. Führungskräfte verfügen über einen besseren Ausbildungsstand als früher, während gewerblich Beschäftigte nach wie vor häufig über einen geringen Ausbildungsstand verfügen und die Vergütung in anderen Branchen teilweise höher ist bei gleichzeitig geringerer Belastung.
Kliniken müssen ihre Ressourcen nun noch gezielter einsetzen, Prozesse effizienter gestalten, auf neue Technologien setzen, um Betrieb und Instandhaltung kontinuierlich stabil und wirtschaftlich zu gewährleisten. Im insgesamt sehr dynamischen Marktumfeld werden Flexibilität und innovative Lösungen immer gefragter. Gestiegene Anforderungen an Hygienemanagement, Arbeitssicherheit, sowie die Notwendigkeit, Pflegekräfte zu entlasten verlangen nach Services, um Kostensicherheit und Planbarkeit zu schaffen.







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