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Trendthemen im Consultingmarkt

Für welche Bereiche im Krankenhaus gibt es Berater?

In Zeiten des steigenden Kostendrucks und der zunehmenden Konkurrenz kommt kaum ein Krankenhaus ohne die Hilfe von Beratern aus. Die Bandbreite der Consultingleistungen im Gesundheitsmarkt ist mindestens ebenso vielfältig wie in der Wirtschaft und Industrie. Vor allem die Beratung in Sachen Bau und Personal ist derzeit sehr gefragt.

Personalauswahl

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Symbolbild

Der Umsatz im deutschen Unternehmensberatungsmarkt lag laut des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) im Jahr 2016 bei rund 29 Milliarden Euro. Auch im vergangenen Jahr ist der Umsatz gestiegen, der BDU prognostiziert für 2017 Gesamtumsatz in der Beraterbranche von 31,4 Milliarden Euro – ein Plus von 8,3 Prozent. Die Wachstumsprognose für die Healthcarebranche fällt ebenfalls positiv aus, hier rechnet der BDU für das Jahr 2017 mit einem Anstieg von 7,3 Prozent. Kein Wunder also, dass Kliniken für die Consultingbranche ein lukratives Arbeitsfeld sind – schließlich entspricht nicht nur der Energiebedarf vieler größerer Krankenhäuser dem einer Kleinstadt, sondern auch die Themenvielfalt ihrer Consultingnachfragen.

Beratungsfelder im Krankenhaus

Die Abgrenzung der unterschiedlichen Beratungsfelder ist nicht einfach, schließlich wachsen einzelne Bereiche wie etwa die Medizintechnik und die IT immer mehr zusammen. Auch sind Berater etwa in Sachen IT-Sicherheit nicht nur auf das Klinikumfeld spezialisiert, sondern Beraten auch die Wirtschaft und Industrie. Nicht zuletzt bieten viele Consultingfirmen mehrere Themenfelder gleichzeitig an, was eine Abgrenzung zusätzlich erschwert. Die größten international tätigen Beraterfirmen wie Boston Consulting Group (BCG),  A.T. Kearney, McKinsey, Roland Berger oder PricewaterhouseCoopers (PwC) leisten Consulting sogar für nahezu alle Themen.

Dennoch lassen sich die auf den Krankenhausmarkt spezialisierten Beratungsleistungen in sieben grobe Kategorien einteilen. Das sind die Feldfelder des Einkaufs und der Logistikberatung, des Facilitymanagements und der Hygiene, das Beraterfeld der Finanzierung und des Controllings, die Kategorie der Informationstechnologie, das Segment Management, Marketing und Kommunikation, das Themenfeld Medizin und das Beratungsthema Personal und Personalentwicklung im Krankenhaus.

Bau und Personal an oberster Stelle

Vor allem zwei Bereiche stehen nach wie vor an oberster Stelle, was den Beratungsbedarf im Krankenhaus angeht. Zum einen das Feld der baulichen Veränderungen: Hier besteht der gestiegene Consultingbedarf vorzugsweise in der Vorplanungsphase von Neubauten, Sanierungen und Renovierungsmaßnahmen – speziell für das Planen von möglichst effizienten und kurzen Wegebeziehungen der Räumlichkeiten und einer optimaler Betriebsorganisation. Angesichts des steigenden Fachkräftemangels verwundert es nicht, dass Krankenhäuser sich in Fragen der Personalgewinnung und -Entwicklung derzeit auch verstärkt an Beratungsunternehmen wenden, sie sich auf dieses Thema spezialisiert haben. Das gilt sowohl für Pflegekräfte als auch für die Gewinnung von Ärzten, Chefärzten, Medizintechnikern und IT-Fachkräften.

In anderen Beraterfeldern hat die Nachfrage in den letzten Jahren dagegen etwas nachgelassen. So haben nach dem Einführen des DRG-Fallpauschalensystems im Jahr 2003 jene Consultingfirmen, die sich dem Neustrukturieren und der strategischen Ausrichtung von Kliniken widmen, eine Hochzeit erlebt. „Das war dann Jahrelang ein Dauerbrenner. Ebenso die Frage, ob man sich strategisch einer Klinikgruppe anschließt und mit anderen kooperiert oder fusioniert“, so Armin Wurth, Geschäftsführer der Krankenhausberatung Pro Klinik sowie Gründungspräsident und Sprecher des Verbands der Beratungsunternehmen im Gesundheitswesen (VBGW).

Die IT-Berater haben zwischen den Jahren 2005 und 2010 einen Boom erlebt. Die starke Nachfrage wurde allerdings nicht so sehr durch die DRG´s hervorgerufen, sondern dadurch, dass sich die Anbieter von Krankenhausinformationssysteme (KIS) gegenseitig aufgekauft haben oder fusioniert sind. „Viele KIS-Systeme sind vom Markt verschwunden, daher gab es die Notwendigkeit, sich hier neu zu orientieren“, ergänzt Wurth.

Trendthemen Prozessoptimierung und Datenauswertung

Die hohe Nachfrage in Sachen Prozess- und Organisationsoptimierung hält dagegen an. „Während man in der Phase der DRG-Einführung eher darauf bedacht war, sich strategisch gut zu positionieren, ist man jetzt in der Phase, sich intern besser aufzustellen, eigene Ressourcen zu optimieren und Prozesse schlank zu machen“, so Wurth.

Ein neuer Komplex, dessen Consultingbedarf in den letzten Jahren gestiegen ist, betrifft das Thema Big Data, genauer die Datenauswertung der sogenannten § 21 Krankenhaus-Entgeltgesetzdaten. „Da so etwas sehr teuer ist und die guten IT-Leute aufgrund der besseren Bezahlung eher in der Industrie arbeiten, gibt es hier sehr viele Dienstleister, die diese Leistung im Krankenhaus anbieten“, so Markus Bazan, Mitglied im BDU und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Bazan.

Zukunftsfeld Digitalisierung

Die Unterstützung beim Einbinden der Medizintechnik – und zwar nicht nur der Großgeräte wie MRT oder CT, sondern vor allem kleine Geräte wie Point-of-Care-Tests oder Spritzenpumpen – in die digitalen Netze, etwa dem Krankenhausinformationssystem, sehen Experten eher als zukünftiges Beraterfeld. „Viele Kliniken scheuen sich davor, diese Geräte in die digitalen Netzte einzubinden – weil sie dann das Medizinproduktegesetz am Hals haben und jeden Slot an irgendeiner Spritzenpumpe zertifizieren müssen. Dennoch ist das ein Thema, was die Kliniken radikal nach vorne bringen könnte“, erläutert Markus Bazan.

Gleiches gelte für den Megatrend der Digitalisierung: „Die Digitalisierung, von der derzeit alle schwärmen, betrifft eigentlich die Welle der Mobile Devices. Das ist vielen Klinikbetreibern noch gar nicht bewusst, auch nicht viele Consultants, die gerne von der Digitalisierung reden. Hier sehen wir zurzeit mit das größte Effizienzpotential.“ Ein weiteres neues Themenfeld sieht der Experten in der Einbindung von strukturierten Handlungs- und Prozessabläufen in die digitalen Netze – vor allem für die großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Lungenkrebs, die den Großteil der Patienten im Krankenhaus betreffen. „Die große Herausforderung die wir derzeit haben ist, das die SOPs, also die Standard Operating Procedures, der Digitalisierung hinterherhinken“, so Bazan.

Klinikconsultingmarkt in den letzten Jahren ausgedünnt

Wie die deutsche Kliniklandschaft hat sich allerdings – trotz der positiven Wachstumszahlen – auch der Klinikconsultingmarkt in den letzten Jahren ausgedünnt. Neben der zunehmenden Komplexität des Arbeitsfeldes sehen Experten wie Armin Wurth die Ursache vor allem darin, dass Beratern viele bisherige Ansprechpartner und Beziehungsnetzwerke weggebrochen sind. „Das Consultingthema wird heute von Eigentürmern und Aufsichtsräten bestimmt. Die Geschäftsführer wechseln so oft, dass viele Berater überhaupt keine Ansprechpartner mehr haben“, ergänzt Markus Bazan.

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