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PwC-StudieGesundheitssektor trägt wesentlich zu Klimakrise bei

Der Klimawandel zählt zu den größten Gefahren für die menschliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Dass die Gesundheitsbranche einen wesentlichen Teil zur Klimakrise beiträgt, wissen laut einer neuen PwC-Studie nur die wenigsten Deutschen.

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Ausgerechnet die Gesundheitsbranche selbst trägt einen wesentlichen Teil zur Klimakrise bei, doch das ist nur wenigen Deutschen bekannt: Lediglich 13 Prozent der Bürger*innen wissen, dass der Gesundheitssektor mehr CO2-Emissionen ausstößt als die Schifffahrt oder der Flugverkehr. Vielmehr halten 49 Prozent die Schifffahrt irrtümlich für den größeren Klimasünder, 38 Prozent tippen auf den Flugverkehr. Das ist nur eine der Erkenntnisse des zum achten Mal veröffentlichten „Healthcare-Barometers 2022“, diesmal zum Schwerpunkt Klimawandel. Die repräsentative Befragung unter 1 000 Bürgerinnen und Bürgern zeigt erstaunliche Ergebnisse.

Gesundheitssektor trägt große Mitverantwortung

Mit einem Anteil von 4,4 Prozent an den CO2-Emissionen weltweit ist der Gesundheitssektor entscheidend mitbeteiligt an der drohenden Klimakrise, etwa durch seinen hohen Energieverbrauch oder globale Lieferketten. In Deutschland liegt dieser Wert sogar bei 5,2 Prozent, wie die Nichtregierungsorganisation „Health Care Without Harm“ ermittelt hat. Laut PwC müsse sich die Öffentlichkeit dieses Umstandes bewusst werden, damit der gesellschaftliche Druck die Branche zu einem nachhaltigeren Handeln zwinge.

Gesundheitliche Folgen der Klimakrise befürchtet

Die Studie zeigt deutlich, dass rund 87 Prozent der Befragten durch die Klimakrise versursachte gesundheitliche Folgen befürchten. Vor allem mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ausgelöst durch Hitzewellen, beschäftigen 55 Prozent der Befragten. Ebenso sorge man sich um das häufigere Auftreten von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen aufgrund zunehmender Luftverschmutzung (46 Prozent) und um Allergien wie Heuschnupfen durch den veränderten Pollenflug (44 Prozent).

„Es ist keinesfalls übertrieben, wenn die Erderwärmung als größte Herausforderung für die globale Gesundheit des 21. Jahrhunderts bezeichnet wird. Denn neben den direkten Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen bedrohen uns die indirekten Folgen der Klimakrise: etwa die Zunahme von Infektionskrankheiten durch zerstörte Ökosysteme oder der eingeschränkte Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln weltweit“, kommentiert Sevilay Huesman-Koecke, Head of Business Development bei PwC Deutschland.

Jüngere sind besser informiert

Über die Folgen des Klimawandels sind jüngere Menschen besser informiert als ältere Zielgruppen. So schätzen 49 Prozent der 18- bis 34-Jährigen, aber nur 32 Prozent der über 55-Jährigen den Anteil von medizinischem CO2 an den Gesamtemissionen realistisch ein. Insgesamt ist die Unsicherheit zum Thema in Deutschland groß: Altersübergreifend geben 36 Prozent der Befragten an, dass sie den Anteil nicht abschätzen können. Somit sei eine weltweite Strategie für eine klimafreundliche Gesundheitsversorgung notwendig.

Senkung des Energieverbrauchs gefordert

Doch wie könnte der Ausweg aussehen? Laut der Studie fordern rund 50 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine Senkung des Energieverbrauchs. An zweiter Stelle steht eine energieeffiziente Renovierung oder Gestaltung von Gebäuden (48 Prozent), gefolgt von der Förderung erneuerbarer Energien im Gesundheitswesen (43 Prozent). „Damit legen die Studienteilnehmer*innen tatsächlich einen Finger in die Wunde, denn das Gesundheitswesen – insbesondere der Krankenhaussektor – hat einen enorm hohen Energie- und Wasserverbrauch. Auch durch die nicht unerheblichen Abfallmengen, ist das deutsche Gesundheitswesen ist alles andere als gut gerüstet für die Zukunftsziele. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die Gesundheitsbranche Anreize erhält, energie- und ressourcenschonender zu arbeiten.", so Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft. Ein erster Ansatz könne hier eine neue Krankenhausfinanzierung sein.

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