Hygiene im Krankenhaus

Große Kliniken bevorzugen die maschinelle Bettenreinigung

Zu den Hygienemaßnahmen im Krankenhaus gehört auch das Reinigen und Desinfizieren der Bettgestelle. Immer mehr Kliniken entscheiden sich hier für die maschinelle Aufbereitung. Einige Bettenhersteller haben deshalb Kooperationen mit den Herstellern solcher Anlagen geschlossen, um den Reinigungsprozess zu optimieren.

Foto: Stiegelmeyer

Symbolfoto

Wer heute ins Krankenhaus muss, wird feststellen, dass seine Aufenthaltszeit dort knapp bemessen ist. Was der Volksmund als „blutige Entlassung“ bezeichnet, kann man auch statistisch belegen: Die Verweildauer hat sich verglichen mit dem Jahr 1992 um fast die Hälfte reduziert. Laut Statistischem Bundesamt liegt sie heute im Durchschnitt bei rund sieben Tagen. Gleichzeitig werden immer mehr Patienten behandelt. Das wirkt sich natürlich nicht nur auf die Operations- und Behandlungsabläufe, sondern auch auf die Sekundärprozesse des Klinikbetriebs aus. Dazu gehört auch die Bettenaufbereitung.

Ein Bett wird heute doppelt so oft belegt

„Ein Patientenbett muss generell nach jedem Patientenwechsel gereinigt werden“, erklärt Uwe Deckert, Marketingleiter des Bettenherstellers Wissner-Bosserhoff. Das ist, gemessen an der durchschnittlichen Verweildauer von sieben Tagen, ganze 50 Mal pro Jahr. „Das Bett wird heute etwa doppelt so oft belegt wie damals und muss daher auch doppelt so oft gereinigt werden“, ergänzt Deckert. Dazu gehört neben dem Wechsel der Bettlaken und Bezüge auch die Reinigung der Matratze und des Bettgestells. Das sind sehr verantwortungsvolle Aufgaben, denn nur so können Krankenhäuser verhindern, dass sich die Patienten mit den Keimen ihrer Vorgänger infizieren.

Auch an Bettgestellen können Schmutz, Bakterien und Viren haften. Daher müssen Kliniken auch sie gewissenhaft aufbereiten. Hier gibt es zwei Methoden: Zum einen die dezentrale Aufbereitung, bei der das Reinigungspersonal ein Bettgestell im Zuge der Grundreinigung des Patientenzimmers manuell säubert und desinfiziert. Und zum anderen die maschinelle Aufbereitung, für die ein Bettgestell meist in eine zentrale Bettenaufbereitungsabteilung geschoben wird, wo jene Maschinen untergebracht sind.

Anbieter erkennen Automatisierungstrend

Sie sehen aus wie überdimensionierte Spülmaschinen, in die ein Bettgestell geschoben werden kann. Der zuständige Mitarbeiter drückt anschließend auf einen Knopf, woraufhin die Maschine es bei rund 60 bis 70 Grad reinigt, desinfiziert und trocknet. Obwohl es diese Anlagen bereits seit den 70er Jahren gibt, haben Klinikbetreiber sich in der Vergangenheit meist für die manuelle Aufbereitungsmethode entschieden. Der Vorteil ist, dass ein Bettgestell dann direkt vor Ort, also entweder im Zimmer selbst oder auf dem Gang gereinigt werden kann und der Transportprozess in die Waschanlage entfällt. Allerdings scheint sich derzeit ein gegenläufiger Trend abzuzeichnen.

„Wir stellen fest, dass heute sehr viel mehr über das Thema maschinelle Aufbereitung gesprochen wird, auch aus Sicht der Hygieniker, die ja immer mehr daran interessiert sind, dass man reproduzierbare und validierbare Prozesse hat“, erklärt Bernd Eschweiler, Produktmanager für Medizin- und Labortechnik bei Miele Professional. Das liegt unter anderem daran, dass der maschinelle Aufbereitungsprozess gerade für große Kliniken laut den Anbietern unterm Strich günstiger ist, trotz des größeren Logistikaufwands und den Kosten für die Anlagen. Auch die Hygiene spielt eine große Rolle.

„Bei der manuellen Aufbereitung können Fehler auftreten. Eine Reinigungskraft bereitet am Tag etwa 40 Betten auf. Da kann es schon zu einer wechselnden Aufbereitungsqualität kommen. Bei der maschinellen Aufbereitung hat man dagegen eine gleichbleibend hohe Qualität“, ergänzt Mario Ohl, After Sales Manager von Stiegelmeyer.

Maschinelle Aufbereitung in fünf Minuten

Hersteller wie Hill-Rom haben das erkannt und stellen deshalb Klinikbetten her, die sich trotz neuer Funktionen wie elektronischer Einstellhilfen, bodennaher Absenkung und Ähnlichem auch maschinell waschen lassen. Auch der Hersteller Völker, der im Jahr 2012 von der börsennotierten Hill-Rom Holding übernommen wurde und seit August 2017 wieder ein eigenständiges und von Mitarbeitern geführtes Unternehmen ist – als Investor im Hintergrund agiert die global tätige, inhabergeführte Investmentgesellschaft CoBe Capital – bietet mit dem S 962-2W ein solches waschstraßentaugliches Klinikbett an.

Das neue Klinikbett S 964, die erste Produktneuheit aus dem Hause Völker nach der Ausgliederung aus der Hill-Rom Holding, soll in Zukunft ebenfalls maschinell waschbar sein „Im Laufe dieses Jahres wird es davon eine Version für die maschinelle Aufbereitung geben, das heißt dann S 964 W“, ergänzt Sonja Hippenstiel, zuständig für das Marketing bei Völker.

Kooperationen mit Herstellern von Bettenwaschanlagen

Einige Anbieter gehen sogar noch einen Schritt weiter und bilden eigens Kooperationen mit den Herstellern solcher Bettenwaschanlagen. So kooperiert die Firma Wissner-Bosserhoff für die Aufbereitung ihres maschinell waschbaren Bettes Image 3w seit der letzten Medica mit dem Generalanbieter Miele. Der Bettenhersteller Stiegelmeyer, der ebenfalls maschinell waschbare Klinikbetten herstellt, hat sogar bereits vor rund zwei Jahren die Kooperation mit der Schweizer Firma Belimed bekannt gegeben, die wie Miele Bettenreinigungsautomaten herstellt.

Sowohl Wissner-Bosserhoff und Miele als auch Stiegelmeyer und Belimed versprechen sich von ihren Kooperationen gleich mehrere Vorteile. So haben die beiden Bettenhersteller ihre Klinikbetten in den Anlagen ihrer Kooperationspartner auf Haltbarkeit und Langlebigkeit geprüft und die Materialien und elektronischen Komponenten so optimiert, dass sie während des Aufbereitungsprozesses keinen Schaden nehmen können.

Im Gegenzug haben auch die Anlagenhersteller ihre Geräte dabei in puncto Handhabung so angepasst, dass die Reinigungsprozesse stets hygienisch einwandfreie Ergebnisse in möglichst kurzer Zeit liefern können. Das Resultat kann sich sehen lassen: Laut den Herstellern dauert die manuelle Aufbereitung eines einzelnen Bettes rund 15 bis 20 Minuten, die maschinelle dagegen nur fünf.

Firmen setzen auf Synergieeffekte

Von den Kooperationen versprechen sich die beteiligten Firmen aber auch Synergieeffekte. So treten die Firmen auf Fachmessen wie der Medica in Zukunft gemeinsam auf. Außerdem erwarten sie, durch die Überschneidung ihrer jeweiligen Kundenkreise in Gesundheitseinrichtungen bessere Verkaufszahlen zu generieren.

„Ein Bettenhersteller, der mit Einkaufsabteilungen und Pflegedienstleitungen spricht, kann auch immer die Frage stellen, wie es mit ihren Bettenaufbereitungsanlagen aussieht. Und wenn wir in Kliniken gehen und mit Medizintechnikern sprechen, deren Anlage ersetzt werden muss, fragen wir natürlich auch, wie es denn um ihre Betten steht – schließlich haben wir hier einen optimal abgestimmten Prozess mit Wissner-Bosserhoff“, so Bernd Eschweiler von Miele. Auch die beiden Kooperationspartner Stiegelmeyer und Belimed bestätigen diesen gemeinschaftlichen Vermarktungsansatz.

Alle Beteiligten schließen aber aus, dass Anwender jene Klinikbetten in Zukunft nur noch in den Anlagen der jeweiligen Kooperationspartner reinigen können. Dieser Meinung sind auch Anbietern wie Völker, die bisher keine solche Kooperation eingegangen sind. „Das kann man mit der Automobilindustrie vergleichen, dort haben sie ja auch keine Waschstraßen nur für Autos der Marken wie VW oder Mercedes – das würde keinen Sinn machen“, ergänzt Dirk Clausmeier, Vertriebsleiter bei Völker.

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