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64. JahrestagungVKD drängt auf langfristige, stabile Finanzierung für Kliniken

Am 25. und 26. April 2022 fand die 64. Jahrestagung des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) statt. Die Kliniken fordern stabile und längerfristige Lösungen was die Finanzierung, die Ambulantisierung und die Überbürokratisierung angeht.

Versammlung
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Symbolfoto

In nach wie vor für die Krankenhäuser schwieriger Zeit fand am 25. und 26. April 2022 in Leipzig die 64. Jahrestagung des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) statt. Rund 250 Mitglieder waren dabei. „Geimpft, Genesen, Geschlossen!“ lautete das Generalthema. VKD-Präsident Dr. Josef Düllings verwies auf die große Bedeutung moderner, leistungsbereiter Krankenhäuser für die Zukunft der Gesellschaft.

Die vergangenen Jahre waren für die Belegschaften und Führungskräfte herausfordernd. Einrichtungen wurden in dieser Zeit geschlossen, neue Schließungen sind bereits angekündigt. Inzwischen sehen Geschäftsführungen vieler weiterer Häuser laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) mit sehr viel Skepsis auf die kommenden Monate und Jahre.

Kritische Reaktionen auf Lauterbachs Antworten

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach war per Video zugeschaltet. Auf Fragen zu den  Ausgleichzahlungen für die Krankenhäuser, die zum 18. April 2022 ausgelaufen sind, antwortete er, dass er nicht vor hat, diese wieder in Kraft zu setzen. Auch die noch im Koalitionsvertrag zugesagte schnelle Einführung des Personalbemessungsinstruments für die Pflege PPP 2.0 scheint nicht mehr wirklich auf der Agenda zu stehen.

Der Eindruck vieler Teilnehmenden war, dass der Minister die aktuelle Situation der Krankenhäuser nicht wirklich verstanden hat. Derzeit seien neue Hilfen nicht vorgesehen. Wenn es im Herbst zu einer weiteren Pandemiewelle komme, könne nochmal darüber nachgedacht werden, erklärte er. Was aber die Kliniken benötigen, sind stabile, langfristige Lösungen für die Finanzierung und keine kurzfristigen Gnadenakte je nach Welle. Lauterbach kündigte zwar eine große Krankenhausreform für dieses Jahr an, das scheint allerdings zeitlich sehr ambitioniert zu sein. Er verwies auf die noch zu bildende Expertenkommission, die u.a. von Fachleuten besetzt werde, die bisher das Bundesgesundheitsministerium schon beraten hätten. Das klang in den Ohren der Teilnehmenden allerdings eher wie eine Drohung.

Zum brennenden Thema der Pflegebudgets, die für viele Krankenhäuser selbst für 2020 noch immer nicht mit den Kassen ausverhandelt werden konnten – mit katastrophalen Folgen für deren finanzielle Situation - erklärte er, man arbeite an einer Vereinfachung der Regelungen. Er avisierte eine Anhebung des Pflegeentgeltwertes auf 200 Euro, der von den Klinikchefs allerdings als nicht ausreichend betrachtet wurde. Die Häuser schieben rund 7 Milliarden Euro an Vorleistungen für die Pflege vor sich her, die von den Krankenkassen bisher nicht finanziert wurden.

Krankenhausdirektoren erwarten stabilere Finanzierung

Die Vorsitzende der VKD-Landesgruppe, Kerstin Ganskopf, reagierte auf die Antworten des Gesundheitsministers: „Wir haben zur Bewältigung der Pandemie entsprechende Strukturen aufgebaut, und Strukturvorgaben umgesetzt. Die Anerkennung dafür wäre eine verlässliche finanzielle Basis. Eine stabile Finanzierung bedeutet nicht, dass wir uns täglich fragen müssen, wie wir mit unseren Häusern über die Runden kommen. Wir brauchen Entscheidungen nicht erst im Herbst, wir brauchen sie jetzt!“ Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte VKD-Präsident Dr. Josef Düllings mehrfach gemahnt, dass die noch immer das Geschehen im Gesundheitswesen dominierende Pandemie nicht zu ungesteuerten Schließungen und zu Strukturveränderungen „durch Pleiten“ führen dürfe. Die Einrichtungen benötigten einen Rettungsschirm, der diesen Namen verdiene. Tino Sorge, Gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, ergänzte, dass man Planungssicherheit bräuchte. Man müsse dazu kommen, dass wichtige Themen, wie das Krankenhauszukunftsgesetz, zügig in Angriff genommen werden. Hier seien konkrete Vorschläge notwendig.

Mehr Leistungen ambulant erbringen

Ambulantisierung sei das zentrale Thema der nächsten Jahre, erklärte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft in der Podiumsdiskussion. „Dafür müssen wir auch gemeinsam Lösungen finden.“ Er verwies auf das aktuelle IGES-Gutachten, wonach 15 bis 20 Prozent der stationären Leistungen das Potenzial haben, ambulant erbracht zu werden. Wir haben die Chance, den Patienten vor Augen zu führen, dass die Krankenhäuser der zentrale Punkt sind, wo sie Hilfe finden.

Dr. Wulf-Dietrich Leber vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen ergänzte, dass es nicht gehe, ambulant zu behandeln, aber stationär zu finanzieren. Das Misstrauen der Krankenkassen gegenüber den Kliniken wurde hier wieder einmal mehr als deutlich.

Überbürokratisierung immer noch Thema

Ebenfalls immer wieder und auch in Leipzig heftig kritisiert: die Überbürokratisierung, die dem Personal die Zeit für ihre eigentliche Arbeit für die Patienten stehle, frustrierend sei und endlich reduziert werden müsse. Drastisches aktuelles Beispiel ist die nur leicht veränderte Pflegepersonalregelung für die Psychiatrie (PPP-RL), die nicht nur überbordend bürokratisch gestaltet wurde, sondern auch die Fortschritte einer modernen Psychiatrie sozusagen „rückabwickelt“, wie ein Vortrag von Mitgliedern der Fachgruppe psychiatrische Einrichtungen des VKD demonstrierte.

In Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich: Die Pandemie hatte und hat noch immer gravierende wirtschaftliche Auswirkungen auf die stationäre Versorgung. Die Politik in Bund und Ländern sollte sich hier nichts vormachen. Diese Auswirkungen sind nicht mit der Pandemie vorbei. Sie werden weit in das kommende Jahr, gegebenenfalls auch das Jahr 2024, hineinreichen, so die Meinung der Konferenzteilnehmer.

Im Anschluss an die Jahrestagung fand die 105. Mitgliederversammlung des VKD statt.

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