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Planetary Health AcademyWarum ist Klimaschutz gleich Gesundheitsschutz?

Die Energiewende ist das größte Gesundheitsprojekt unserer Zeit. Wenn den Leuten klar wird, wie stark das Klima auf die Gesundheit wirkt, ändert sich die Atmosphäre im Saal. So lautete die Kernbotschaft der Auftaktveranstaltung der „Planetary Health Academy“.

Klimaschutz
Deemerwha studio/stock.adobe.com

Symbolfoto

Professor Harald Lesch, Physiker und ZDF-Wissenschaftsmoderator sprach vom „Gesundheitsstatus der Erde als Multiorganversagen“. Seine Folien zeigten in roten Buchstaben: „Die Bewohnbarkeit des Planeten ist enorm gefährdet! Menschliche Bewohner leiden an energetischer Adipositas und sind stark suchtgefährdet.“

Hitzeschutz: Deutschland ist für den Katastrophenfall nicht vorbereitet

„Als Gesundheitsberufe haben wir eine besondere Verantwortung mit neuen Gesundheitsrisiken umzugehen. Es kann nicht sein, dass wir sagen, das haben wir im Studium nicht gelernt“, so Dr. Martin Herrmann, Arzt und Experte für Transformationsprozesse. „Wir hauen nicht ab, wenn es schwer wird, wir gehen hin, wo es schwer wird“ – brachte Herrmann das Selbstverständnis vieler Gesundheitsakteure auf den Punkt. Mit Blick auf die aktuelle Weltlage sagte er, es gebe ein Muster, was passiert, wenn mehrere Krisen gleichzeitig vorhanden sind – wir würden dann unsere Sichtweisen verengen. Dabei sei jeder Mensch zu politischem Handeln in der Lage. Wir seien begabt, mit anderen zu handeln, das mache uns gesund. Herrmann, Initiator und Sprecher von KLUG verdeutlichte das am Hitzeschutz. Ein Thema, das unter anderem auf die Agenda von Krankenhausdirektionen und Pflegedienstleitungen müsse: Verantwortliche Personen, wie zum Beispiel die Leitung der Notaufnahme eines Universitätsklinikums, werden diese Verantwortung für Hitzeschutz wahrnehmen, wenn sie ausreichend über das Thema aufgeklärt sind und Unterstützung erhalten. Pilotprojekte dazu gibt es schon, die nächste Hitzewelle steht vor der Tür.

Wie sehr unser Ernährungssystem Hauptgrund für die Überschreitung planetarer Grenzen ist, verdeutlichte Prof. Hermann Lotze-Campen, er leitet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Das Risiko für Hunger, Mangelernährung und ernährungsassoziierte Erkrankungen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen.

Ernährungstransformation jetzt

Dr. Lisa Pörtner beschrieb, wie unser Ernährungssystem zudem das Risiko für Zoonosen erhöht und damit Auswirkungen auf Pandemien hat. Laut Pörtner, die an der Charité, am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und bei KLUG arbeitet, gebe es drei Hebel für die Ernährungssicherheit heute und in der Zukunft: Erstens den Wechsel zu einer gesünderen Ernährung mit weniger tierischen Produkten, zweitens den Abfall an Nahrungsmitteln reduzieren und drittens den Wechsel hin zu einer nachhaltigen und Natur-positiven Landwirtschaft. Pörtner wies auf den IPCC-Report (IPCC, Weltklimarat) hin, in dem die Notwendigkeit dieser Maßnahmen bestätigt und dabei neu auf den Einfluss der Konsumentinnen und Konsumenten eingegangen würde: Die Ernährungsumstellung des einzelnen Menschen habe sehr großes Potenzial die Klimaerwärmung einzudämmen. Dabei sieht Pörtner, die selbst Ernährungsmedizinerin ist, eine Chance bei Ärzten und Ärztinnen: Ärzte kämen mit vielen Menschen in Kontakt und könnten die Ernährung ansprechen. Sie thematisierte auch das Essensangebot in Krankenhäusern und Krankenhauskantinen, welches bekanntlich häufig in krassem Widerspruch zu dem steht, was nachhaltig und gesund ist.

4. Mai – Country Overshoot Day

Es war möglicherweise kein Zufall, dass die Veranstaltung am Erdüberlastungstag stattfand. Dem Tag, der zeigt, wie sehr die Bevölkerung in Deutschland über das Maß der Ressourcen hinaus lebt.

Weitere Vorlesungen folgen
Wer Interesse hat, kann sich hier anmelden.
Programm der fünften Vorlesungsreihe Planetary Health im Klinischen Kontext

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