Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Dr. Lisa Wenzel

Assistenzärztin Dr. Lisa Wenzel von der BG Unfallklinik Murnau setzt sich als Leiterin des Jungen Forums O und U für den Nachwuchs in der Chirurgie ein. Sie kritisiert u.a. den zunehmenden ökonomischen Fokus sowie steigenden Zeit- und Leistungsdruck.

Dr. Lisa Wenzel
Peter Wenzel/Composed by Thieme

Dr. Lisa Wenzel, Assistenzärztin Orthopädie und Unfallchirurgie an der BG Unfallklinik Murnau und Leiterin Junges Forum O und U der DGOU.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Typisch sind allenfalls die täglichen Besprechungen, die Visite sowie die Stations- und Büroarbeit. Ansonsten weiß ich nie, was der Tag sonst noch bringt. Jederzeit kann meine Anwesenheit im Schockraum notwendig sein oder ich arbeite den Rest des Tages im OP oder der Notaufnahme. Das ist alles möglich. Je nach Diensteinteilung schließt sich dann ggfs. noch eine Nacht in der Klinik an.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Für die Patientinnen und Patienten ist es von Vorteil, wenn sogenannte Allrounder im Notfall in kurzer Zeit ein großes Verletzungsspektrum auf hohem Niveau behandeln können. Deshalb möchte ich ein gute und fachlich breit aufgestellte Chirurgin werden. Darüber hinaus ist es mir ein Anliegen, auf berufspolitischem Wege die Optimierung und Modernisierung der Weiterbildung voranzutreiben und in der Forschung und Entwicklung die Medizin der Zukunft mitzugestalten. Letztendlich kommt dies den Erkrankten durch die daraus folgende Qualitätserhöhung der Behandlung zu gute.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Der Nachwuchsmangel in der Chirurgie wird seit Jahren diskutiert, aber es mangelt an einer zügigen Umsetzung von lösungsorientierten Maßnahmen. Bedingt durch unattraktive Arbeitsbedingungen, wenig strukturierte Weiterbildung, abnehmende Weiterbildungsqualität, fehlende finanzielle Unterstützung durch das DRG-System und eine Überbewertung des Faktors Ökonomie sinkt die Attraktivität dieses schönen und vielfältigen Berufs. Die zunehmend im Vordergrund stehenden ökonomischen Belange führen zudem zu steigendem Zeit- und Leistungsdruck mit nachweislich einher gehender psychischer Belastung des Nachwuchses.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Im Rahmen der zunehmenden Spezialisierung ist es heute wichtiger denn je, den engen interdisziplinären Austausch zu suchen und so unter den verschiedenen Therapieoptionen die Beste für Patientinnen und Patienten auszuwählen. Hierzu gehören beispielsweise die interventionelle Radiologie, die Innere Medizin, aber auch die Rehabilitation.

Haben Sie ein Vorbild?

Es handelt sich weniger um eine konkrete Person, vielmehr lasse ich mich gerne von den Eigenschaften verschiedener Menschen inspirieren und motivieren. Im beruflichen Umfeld sind das beispielsweise Fachwissen und chirurgisches Können, aber auch die Art des Umgangs mit Patienten. Im  privaten Bereich betrifft das zum Beispiel den Bergsport, Reisen und Wellenreiten.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!