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Pflege-RecruitingSana Hameln – wer hier startet, bleibt

Warum landen internationale Pflegekräfte bei Sana in Hameln ausgerechnet in der Altersmedizin? Auf der „Step-Station“ in der Geriatrie lernen sie den deutschen Pflegealltag – ohne den Druck, sofort perfekt zu funktionieren. Wie das gelingt, erzählen sie selbst. 

Fünf Personen in blauen Kasacks und weißen Hosen, lächelnd, dahinter Aufsteller der Integrationsstation "Step"
Alexandra Heeser
Grund zur Freude: Internationale Pflegefachkräfte werden am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont eng durch die Integration begleitet.

Wer an Hameln denkt, hat die alte Sage im Kopf: Ein Fremder lockte aus Rache für seinen vorenthaltenen Lohn die Kinder der Stadt mit seiner Flötenmusik fort – sie verschwanden für immer. Was sich am Sana Klinikum in Hameln abspielt, erinnert an diesen Mythos, nur im positiven und umgekehrten Sinn. Die Klinik zieht Pflegekräfte aus der ganzen Welt an. Das Lockmittel ist diesmal keine Flöte, sondern ein innovatives Integrationskonzept, das seit Jahren besteht und Anfang 2026 um die sogenannte Step-Station erweitert wurde.

Das Recruiting im Ausland wurde notwendig, weil der bundesweite Fachkräftemangel auch Hameln traf. Da klassische Werbekampagnen nur mäßigen Erfolg zeigten, geht das Klinikum seit 2023 neue Wege: Neben der Ausbildung des eigenen Nachwuchses setzt es gezielt auf internationale Pflegekräfte. Mittlerweile sind fast 40  Nationen am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont vertreten. Wie gut das interkulturelle Miteinander funktioniert, zeigt sich auch abseits des Klinikalltags – etwa in einem eigenen Kochbuch mit den besten Rezepten aus den Heimatländern der neuen Kolleginnen und Kollegen. 

Wir müssen die Menschen fachlich und persönlich sicher ankommen lassen, um sie langfristig als Teil unserer Teams zu gewinnen.

Seit Januar 2026 gibt es ein neues Herzstück der Integration: Auf der Step-Station lernen die internationalen Pflegekräfte in einem geschützten Raum und werden auf ihrem Weg zur Kenntnisprüfung begleitet. Hinter dem Akronym „Step“ stehen vier Bausteine: Sprache, Team, Entwicklung und Praxis.

Die internationalen Pflegekräfte werden hier bis zu zwölf Monate begleitet und individuell auf die Kenntnisprüfung vorbereitet. Wenn sie diese bestehen, werden sie auf die verschiedenen Stationen des Klinikums verteilt. Dabei werden ihre Wünsche berücksichtigt. Sie kommen dann nicht mehr als verunsicherte Fremde, sondern als selbstbewusste, voll integrierte Kolleginnen und Kollegen dorthin. 

Für das Haus ist das Projekt ein finanzieller und personeller Kraftakt – aber einer, der sich angesichts des Fachkräftemangels als zukunftsfähiger Weg erweisen könnte. Genau beziffern lassen sich die Kosten nicht. Den Mehrkosten durch höheren Personaleinsatz, etwa im Stationsdienstplan oder durch die Arbeit der Integrationsbegleitung, stünden aber klare Vorteile gegenüber: ein optimierter Anerkennungsprozess, bessere Einarbeitung und eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit.

Was steckt hinter „Step“?

Die Ankunft in einem fremden Land, ein neues Gesundheitssystem, eine andere Sprache – für viele ausländische Pflegekräfte ist der Start in Deutschland ein Sprung ins kalte Wasser. Genau hier setzt die Step-Station als geschützter Lern- und Praxisraum an.

S wie Sprache: Medizinische Fachbegriffe sind das eine, der raue Ton im stressigen Stationsalltag oder der lokale Dialekt das andere. Auf der Step-Station wird die sprachliche Sicherheit direkt im Arbeitsumfeld gefestigt. Um ein intensives Kommunikationstraining direkt am Pa­tien­ten zu gewährleisten, wird ausschließlich Deutsch gesprochen.

T wie Team: Integration betrifft beide Seiten. Das Konzept verankert die neuen Fachkräfte von Anfang an fest im bestehenden Team. Augenhöhe statt Außenseiterrolle, um Vorurteile abzubauen und Sicherheit zu geben.

E wie Entwicklung: Der Beruf soll eine Perspektive bieten. Durch individuelle Begleitung werden die Stärken der Einzelnen gefördert. Dazu zählt auch die bis zu zwölfmonatige Begleitung bis zur Anerkennungsprüfung.

P wie Praxis: Unter Anleitung erfahrener Praxisanleiter wird der deutsche Pflegealltag direkt am Patientenbett trainiert – ohne den Druck, sofort perfekt funktionieren zu müssen.

Leuchtturmprojekt gegen den Fachkräftemangel

Es riecht nach frischem Kaffee und Desinfektionsmittel. Auf den Fluren der geriatrischen Station im Sana Klinikum Hameln-Pyrmont ist es an diesem Montagmorgen ruhig, fast beschaulich. Am Bett von Herrn Meyer (Name von der Redaktion geändert) stehen heute gleich zwei Pflegekräfte: eine erfahrene Praxisanleiterin und eine junge Frau. Sie wechselt den Verband am Bein des Patienten. Jeder Handgriff sitzt, während die Praxisanleiterin ihr durch ihre Anwesenheit Sicherheit vermittelt und ihr im Hintergrund ein „sehr gut“ zuraunt. Die junge Pflegerin atmet hörbar aus und lächelt.

Krankenhäuser werben heute weltweit Pflegefachkräfte an: von Tunesien über die Philippinen bis nach Mexiko und Indien. Doch die Realität nach der Landung gleicht oft einem Kulturschock. Da ist nicht nur die fremde Sprache oder der erste Schnee des Lebens. Hinzu kommen ein hoch komplexes deutsches Gesundheitssystem, eine enorme Dokumentationspflicht und der stressige Alltag auf den Stationen.

 Immer wieder brechen internationale Fachkräfte ab, obwohl sie in ihrer Heimat oft ein fundiertes Studium absolviert haben. „Genau das wollen wir verhindern“, erklärt Göran Knösch, Pflegedirektor des Klinikums. „Wir müssen die Menschen fachlich und persönlich sicher ankommen lassen, um sie langfristig als Teil unserer Teams zu gewinnen.“ 

Rundum-Betreuung bereits vor der Einreise

Das Sana Klinikum in Hameln beginnt mit dem Onboarding bereits vor der Einreise. Einmal im Monat trifft sich Maren Engel, Integrationsmanagerin und Leiterin der Pflegeentwicklung am Klinikum, online mit den Kandidaten, bereitet diese vor und erfragt deren Wünsche. „Das hilft, das Stresslevel auf allen Seiten zu senken“, so Engel.

Nach der Ankunft sorgt die Klinik für eine weiche Landung: Sie mietet Wohnungen an, um die Neuankömmlinge in WGs unterzubringen und unterstützt sie später bei der eigenen Wohnungssuche. Manchmal stellt Engel dann auch selbstgemachte Marmelade bei den Neuankömmlingen in die Gemeinschaftsküche: „Das kommt immer sehr gut an“, berichtet sie.

Bereits in Deutschland arbeitende internationale Kolleginnen und Kollegen werben für uns.

Neben der Begleitung bei Behördengängen gehören fortlaufende Sprachkurse zum Standard. Dies wird noch unterstützt durch wöchentliche Sprachkaffees, in denen Ehrenamtliche mit den internationalen Fachkräften die deutsche Sprache üben. Zudem haben diese bis zu ihrer Anerkennungsprüfung drei Sprachpaten an der Seite.

Das strukturierte Konzept trägt bereits Früchte. „Bereits in Deutschland arbeitende internationale Kolleginnen und Kollegen werben für uns. Die Community ist bestens vernetzt und es spricht sich herum, dass wir eine hervorragende Integrationsphase mit umfassender Begleitung haben“, sagt Engel stolz. Für die Klinik ist es wichtig, den examinierten Pflegekräften aus dem Ausland, die in der Regel einen Bachelorabschluss und bereits Deutschkenntnisse auf B2-Niveau haben, Sicherheit auf Augenhöhe zu geben. 

Das merkt man auch im Klinikalltag. Ständig wird ihr ein fröhliches „hallo“ zugerufen. Engel erzählt auch, dass die Bindung hier so eng ist – auch mit den bereits integrierten internationalen Fachkräften –, dass ihr sogar schon einmal eine Kollegin von ihrem Heimaturlaub aus Kolumbien eine Tasche mitgebracht hat. 

Geschützter Lernraum in der Geriatrie

„Aus dem generellen Transformationsprozess ist auch die Step-Station entstanden – eine bundesweit seltene Kombination aus echter Station und geschütztem Lernraum“, berichtet Knösch. Engel ergänzt: „Die Step-Station ist für uns mehr als nur ein Einarbeitungsprogramm. Sie ist ein klares Signal an Fachkräfte weltweit: Wir wollen euch nicht nur als Arbeitskräfte, wir wollen euch als Kolleginnen und Kollegen, die bleiben.“ 

Sie führt das Konzept weiter aus: „Mit der Step-Station bündeln wir unsere Ressourcen, indem wir die neu angekommenen Pflegefachkräfte alle auf einer Station einsetzen. Das ermöglicht uns zudem, dass bereits etwas erfahrenere ausländische Kollegen die Neuankömmlinge direkt vor Ort unterstützen können.“

Wir wollen euch nicht nur als Arbeitskräfte, wir wollen euch als Kolleginnen und Kollegen, die bleiben.

Dass die Step-Station ausgerechnet in der Geriatrie, also der Altersmedizin, angesiedelt ist, hat mehrere Gründe. In der Geriatrie erlernen die Neuen vor allem grundpflegerische Aspekte. Diese kennen sie aus ihren Herkunftsländern oft nur rudimentär, da die Pflege dort meist von den Familien übernommen wird, selbst bei Klinikaufenthalten. Zudem müssen die interkulturellen Fachkräfte für die offizielle Anerkennung ihrer Berufsausbildung in Deutschland eine anspruchsvolle Kenntnisprüfung ablegen. 

Ein Pflichtteil davon ist die geriatrische Langzeitpflege. Darüber hinaus bietet die Geriatrie noch einen Vorteil: Zeit für Interaktion. „Gerade ältere Patienten haben oft viel Geduld und freuen sich über die Zuwendung“, erzählt Stationsleitung Natascha Philipp. Hier laufe die Einarbeitung anders ab als auf einer turbulenten Chirurgie. „Eine Praxisanleiterin ist in Vollzeit ausschließlich dafür da, die neuen Kolleginnen und Kollegen am Patientenbett anzuleiten.“ Keine graue Theorie im Schulungsraum, sondern echtes Lernen im System, aber ohne den Druck, sofort voll funktionieren zu müssen.

Das Hamelner Unterstützungsangebot auf einen Blick

  • Pre-Boarding: Integrationsmanagement inklusive digitaler Willkommensmappe
  • Relocation: Unterstützung bei Visumsverfahren und Behördengängen
  • Wohnraum: Option auf eine Unterkunft für die ersten sechs Monate und Hilfe bei der anschließenden Wohnungssuche
  • Einarbeitung: Zwei Wochen Basis-Onboarding, gefolgt von einer strukturierten Einarbeitung auf der Step-Station
  • Praxisanleitung: Freigestellte Praxisanleiter ausschließlich für die Betreuung am Patientenbett
  • Prüfungsvorbereitung: Gezieltes Training im Skills Lab, dem „Room of Horror“, Nutzung eines Lerntagebuchs sowie eine Probeprüfung zur Absicherung
  • Team-Kultur: Feste Regel: „Lieber einmal zu viel gefragt als zu wenig.“
  • Betreuung: Eigene Sozialarbeiterin für Auszubildende und internationale Fachkräfte, Patensysteme und monatliche Netzwerktreffen
  • Infrastruktur & Digitales: Laptops zum Lernen für alle, Nutzung der App „daily“ für die eigenständige Buchung von Vorbereitungsterminen
  • Integration: Hospitation auf Wunschstationen, Sprachcafés, Lingoda-Sprachkurse und regelmäßige Social Events wie Karaoke oder Grillfeste

Integration braucht eine Seele

Links ein älterer Mann der einen Zeitungsausschnitt hält, rechts ein Mann in blauem Kasack, der einen Zeitungsausschnitt liest
Alexandra Heeser
Sprachcafés: Ehrenamtliche und internationale Fachkräfte üben gemeinsam Deutsch.

Auch die internationalen Fachkräfte wissen das zu schätzen. „Die Menschen hier sind ruhig und sehr nett und wir lernen die Sprache auf Station besser als in der Schule“, erklärt Mohamed Mouheb Addami, der nur Mouheb genannt wird. Er blickt aber auch mit einem weinenden Auge nach Tunesien: „In unserem Heimatland übernehmen wir eigentlich eher Aufgaben, die hier in Deutschland die Ärzte machen. Manchmal ist es daher schon schwer, sich zu beherrschen, weil man am Anfang noch nicht alles darf.“ Er ist im Januar zusammen mit zwei Studienkollegen aus Tunesien nach Hameln gekommen.

Die drei jungen Tunesier, die heute im Lernlabor gemeinsam die Köpfe zusammenstecken, fühlen sich hier schon richtig wohl. „Sana ist bei uns bekannt und hat einen sehr guten Ruf“, sagt Abderrahmen Miled, mit Spitznamen Abdul. „Der europäische Arbeitsmarkt ist für uns sehr attraktiv, da wir in unserer Heimat wenig Perspektiven haben“, berichtet er. Obwohl ihr Studium in Tunesien auf Französisch stattfand, entschieden die drei sich bewusst für Deutschland und das Erlernen einer neuen Sprache, da Frankreich derzeit keinen Bedarf an zusätzlichen Pflegekräften hat.

In unserem Heimatland übernehmen wir eigentlich eher Aufgaben, die hier in Deutschland die Ärzte machen.

Abdul erinnert sich schmunzelnd an seinen ersten Tag hier in Deutschland: „Es lag Schnee. Eine völlig neue Erfahrung. Aber obwohl das Wetter nicht so einladend war, wurden wir hier von den Kollegen so herzlich aufgenommen, dass wir uns wie in einer Familie fühlen.“ Das freut nicht nur Maren Engel, sondern auch die Praxisanleiterin Tina Hergic, die den jungen Männern und den anderen internationalen Fachkräften wie eine große Schwester zur Seite steht. „Wir können sie alles fragen, sie antwortet immer mit viel Geduld und Liebe. Sie versteht Spaß und ein bisschen Spaß bei der Arbeit hilft gegen Stress“, betont der Dritte im Bunde, Mohamed Khalil Aydi, der Mimo genannt wird. Die größte Herausforderung sei aber nach wie vor nicht das Fachliche, sondern die Sprache.

Dass Hergic selbst aus Bosnien stammt und einen Migrationshintergrund hat, hilft ihr, die Hürden der Neuankömmlinge besser zu verstehen. „Auch ich stand am Anfang vor denselben Fragen und habe mich zum Beispiel gewundert, warum ein Patient hier fünf Handtücher braucht.“ Sie weiß zudem, dass es in manchen Kulturen Berührungsängste mit Patienten gibt. „Ich habe auch schon erlebt, dass Neuankömmlinge regelrecht geschockt waren, dass sie hier jemanden anfassen sollen und müssen“, erinnert sie sich. Doch auch das gehöre zum Integrationsprozess: Seine eigenen Grenzen kennen und diese kommunizieren. Mit viel Herzblut führt sie die neuen Kolleginnen und Kollegen auch kulturell in das deutsche Gesundheitssystem ein.

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Eine neue Heimat statt Rassismus

Neben der fachlichen Unterstützung loben die Tunesier vor allem das gesellschaftliche Klima in Hameln. Mimo erzählt von Freunden, die nach Stuttgart und Hamburg gegangen sind. „Die erzählen immer wieder von Integrationsproblemen und Rassismus im Alltag. Wir hier erleben das gar nicht. Wenn wir auf den städtischen Basketballplatz gehen, finden wir sofort Anschluss und spielen einfach mit.“

Obwohl das Wetter nicht so einladend war, wurden wir hier von den Kollegen so herzlich aufgenommen, dass wir uns wie in einer Familie fühlen.

 Die drei jungen Männer träumen schon von ihrer Zukunft in Deutschland, mit einem großen Auto, Reisen, Karriere und Familie. Doch da grätscht die Praxisanleiterin mit einem Augenzwinkern und Lachen dazwischen: „Freundinnen suchen gibt es erst nach der Prüfung.“ Die jungen Männer lachen und versprechen ihr, damit zu warten. „Wir vertrauen Tina und sind froh, dass sie so viel Geduld mit uns allen hat“, erwidert Abdul und verspricht gleichzeitig, sie in seinem Auto mitzunehmen, wenn er denn eines hat. 

Das Sana Klinikum Hameln-Pyrmont beweist mit der Step-Station, wie man dem Pflegenotstand kreativ und menschlich begegnen kann. Die Klinik hat verstanden, dass ein gutes Arbeitsumfeld nicht beim Gehalt aufhört, sondern bei der Art beginnt, wie man Menschen empfängt. Die Rattenfängerstadt hat damit eine neue Attraktion gewonnen – eine, die keine Menschen vertreibt, sondern Talente aus der ganzen Welt anzieht und ihnen eine berufliche Heimat bietet.

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