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VDEK pocht auf Portalpraxen

Kassen sehen hohe Risiken durch volle Notaufnahmen

Weil Notaufnahmen häufig überfüllt sind, fordert der Verband der Ersatzkassen (VDEK), dass an jeder der 1.600 Kliniken mit Notfallversorgung Portalpraxen eingerichtet werden. Andernfalls liefen Patienten mit schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen Gefahr, zu spät behandelt zu werden.

Foto: UKB

Mittlerweile würden immer mehr Patienten mit Bagatellerkrankungen direkt in die Notaufnahme gehen, kritisiert der vdek unter Berufung auf ein neues Gutachten. Ob zur Auffrischung des Impfschutzes, mit entzündetem Insektenstich oder schlicht mit einem dickem Schnupfen millionenfach bevölkern demnach Patienten mit leichten Erkrankungen die Notaufnahmen an Deutschlands Kliniken. Die Ersatzkassen wie Techniker, Barmer GEK oder DAK-Gesundheit schlagen deshalb Alarm. Folge der Missstände seien nicht nur lange Wartezeiten, sondern auch wachsende Risiken für die Versorgung von Schwerkranken.

Mehr als 20 Millionen Menschen landeten jedes Jahr in der Notaufnahme, sagte VDEK-Chefin Ulrike Elsner. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) bleiben davon rund elf Millionen Fälle ambulant, die Patienten müssen also nicht in der Klinik bleiben. Mindestens jeder dritte dieser Patienten könnte demnach genauso gut in die Praxis eines niedergelassenen Arztes gehen. Die geforderten Portalpraxen sollen erste Anlaufstellen sein, in denen die Patienten eingeteilt werden in akute Fälle für die Notaufnahme, akute Fälle für eine ambulante Behandlung und nicht akute Fälle für Arztpraxen.

 

DKG: "Notfälle sind strukturell unterfinanziert"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisierte die VDEK-Forderung. Zwar werde grundsätzlich begrüßt, dass die Krankenkassen in der besseren Verzahnung und Steuerung der Notfallversorgung Potenziale sehen, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. "Allerdings fehlt das notwendige Bekenntnis, bei der Bereitstellung der finanziellen Ressourcen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen." Wer die Notfallversorgung wirklich verbessern wolle, müsse auch sicherstellen, "dass Notfälle egal ob im ambulanten oder stationären Bereich nicht länger strukturell unterfinanziert und durch Budgetregelungen gedeckelt werden", erklärte Baum.

Einem durchschnittlichen Erlös von rund 40 Euro pro ambulantem Notfall stehen laut DKG Fallkosten von mehr als 100 Euro gegenüber. Sie summierten sich auf eine deutschlandweite Unterdeckung von einer Milliarde Euro, sagte Braun.

 

KKVD: "Notfallambulanzen sind ein Minusgeschäft"

Vorwürfe, sie würden über ihre Notfallambulanzen Versorgungsleistungen der niedergelassenen Ärzte abgreifen, haben die Krankenhäuser gleichzeitig zurückgewiesen. "Die zunehmende Inanspruchnahme ihrer Notfallambulanzen bereitet auch den Krankenhäusern selbst Probleme", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Krankenhausverbands in Deutschland (KKVD), Ingo Morell. Eigentlich sei die Behandlung von Patienten in den Notfallambulanzen für die Krankenhäuser ein Minusgeschäft.

Im Durchschnitt bekomme ein Krankenhaus für die ambulante Behandlung pro Notfallpatient 32 Euro, während reelle Kosten von etwa 126 Euro entstünden, rechnete Morell rechnete vor. "Wir haben außerdem bereits heute deutlich mehr ambulante als stationäre Fälle in den Krankenhäusern: Im Jahr werden allein in den katholischen Kliniken rund fünf Millionen Patienten ambulant und nur 3,5 Millionen stationär versorgt." Man müsse daher auch die Frage stellen, warum so viele Patienten in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser kommen, fügte Morell hinzu.

 

"Patienten müssen besser informiert werden"

Joachim Szecsenyi, der die Studie zum Run auf die Ambulanzen für den vdek federführend geschrieben hat, meint, das Problem fange beim schwindenden Bewusstsein der Menschen für die eigene Gesundheit an. "Die Patienten müssten besser informiert werden, wann sie überhaupt zum Arzt müssen", sagt Szecsenyi. Wo früher bei einem fiebernden Kind ein Wadenwickel erstmal ausgereicht habe, sei heute am Wochenende, wenn der Arzt geschlossen habe, oft die Klinik die erste Anlaufstelle.

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