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Deutsche KrankenhausgesellschaftSpardruck und Reformchaos – wann kommen Entscheidungen?

2026 wird für die Kliniken zum Schicksalsjahr, warnt die DKG. Der Dachverband erwartet klare politische Entscheidungen, um einen Reformstau zu verhindern. Das sind die Forderungen der DKG an die Gesundheitspolitik.

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Symbolfoto

Unter dem Titel „Blick ins Jahr 2026 zwischen Spardiktat und Klinikreform“ hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am Donnerstag in Berlin ihre gesundheitspolitische Agenda für das kommende Jahr vorgestellt. Der Tenor: Ohne klare politische Entscheidungen drohen die ohnehin belasteten Strukturen der stationären Versorgung weiter zu erodieren. DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß und seine Stellvertreterin Prof. Henriette Neumeyer zeichneten ein Bild großer finanzieller und organisatorischer Unsicherheiten – und formulierten deutliche Erwartungen an die Bundesregierung.

Reformen überfällig – Politik in Verzug

„2026 muss ein Jahr der Entscheidungen werden“, betonte Gaß. Trotz jahrelanger Reformdebatten lägen bis heute zentrale gesetzliche Weichenstellungen nicht vor. Krankenhäuser müssten jedoch rechtzeitig wissen, unter welchen Bedingungen sie künftig planen und investieren können.

Nach Einschätzung der DKG reicht das bisherige Reformtempo nicht aus, um die stationäre Versorgung langfristig stabil zu halten. Die Kliniken seien bereit, Strukturen neu zu ordnen – inklusive der Aufgabe mehrerer hundert Standorte oder deren Umwandlung in sektorübergreifende Versorgungszentren (SÜV). „Wir wissen, dass Veränderungen notwendig sind“, so Neumeyer. Aber sie können nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Sparpakete treffen Kliniken hart

Besonders kritisch bewertet die DKG die finanzielle Lage. Schon ab 2027 rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit Milliardenlöchern in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zwar soll eine Finanzkommission bis März 2026 Vorschläge zur Stabilisierung erarbeiten, doch kurzfristige Sparmaßnahmen treffen schon jetzt vor allem die Kliniken.

Das ab 2026 geltende Sparpaket führe laut DKG zu „realen Vergütungskürzungen“, trotz kleinerer Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren. Zusätzliche Einnahmen – etwa durch einen erhöhten Rechnungszuschlag – stünden in keinem Verhältnis zu den Kürzungen. Gaß warnte: „Immer mehr Häuser geraten in existenzielle Schwierigkeiten. Insolvenzen nehmen zu.“

Langfristige Studien bestätigten eine strukturelle Unterfinanzierung der Krankenhäuser, verschärft durch steigende Personal-, Energie- und Sachkosten. Die DKG fordert deshalb, Sparanstrengungen nicht einseitig im stationären Bereich zu verorten. Auch Krankenkassen müssten ihren Beitrag leisten – beispielsweise durch das Einfrieren von Verwaltungsausgaben oder den Abbau überflüssiger Verbandsstrukturen.

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Reformziele: Vorhaltefinanzierung, Ambulantisierung, weniger Personalvorgaben

Damit die Krankenhausreform überhaupt Wirkung entfalten könne, brauche es aus Sicht der DKG vor allem vier Voraussetzungen:

  • eine verlässliche und auskömmliche Vorhaltefinanzierung,
  • positive Anreize für ambulante Leistungen,
  • den Abbau kleinteiliger Personalvorgaben,
  • funktionsfähige sektorübergreifende Versorgungsstrukturen.

Gerade die hohen bürokratischen und regulatorischen Anforderungen lähmten die Entwicklung. Neumeyer: „Ohne massive Entbürokratisierung und konsequente Digitalisierung ersticken wir in selbst geschaffenen Regeln.“ Die Zahl der Beschäftigten in Prüf- und Aufsichtsbehörden sei deutlich gestiegen, während gleichzeitig die Dokumentationspflichten zunähmen.

Ohne massive Entbürokratisierung und konsequente Digitalisierung ersticken wir in selbst geschaffenen Regeln.

Prävention und Resilienz

Neben der akuten Finanzierungskrise forderte die DKG eine langfristige Neuausrichtung der Gesundheitspolitik. Deutschland liege bei vermeidbaren Erkrankungen EU-weit vorn, während die Lebenserwartung niedriger sei als in vielen anderen Ländern. Alkohol, Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel müssten politisch entschiedener adressiert werden. „Ein nachhaltiges Gesundheitswesen beginnt nicht im Krankenhaus“, so Gaß.

Daneben steigen die Anforderungen an die Resilienz der Kliniken: Sicherheitslage, Cyberrisiken und neue gesetzliche Vorgaben verursachen hohe zusätzliche Kosten. Die DKG fordert daher eine nationale Strategie zur Stärkung der Krankenhausinfrastruktur.

Mutige Entscheidungen statt weiterer Verzögerungen

Die Botschaft der DKG ist eindeutig: 2026 wird ein Schlüsseljahr. „Wir erwarten von der Gesundheitspolitik finanzielle Stabilität, konsequenten Bürokratieabbau, verlässliche Rahmenbedingungen und mutige Reformentscheidungen – im Interesse der Patientinnen und Patienten“, betonte Gaß abschließend.

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