
Eine verbindliche Steuerung von Patientinnen und Patienten nach medizinischer Dringlichkeit, das sei einer der wichtigen Punkte, warum die Bundesregierung ein Primärversorgungssystem einführen wolle. Diese Steuerung hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Akut- und Notfallversorgung und könnte den überfüllten Notaufnahmen Abhilfe verschaffen. Bisher läuft der ärztliche Erstkontakt ohne Steuerung, Patientinnen und Patienten entscheiden selbst, ob und an welche Praxis sie sich wenden. Oder wenden sich eben nach eigener Einschätzung an die Notaufnahme.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken setzt mit einer stärkeren Steuerung zu Facharztterminen auf eine bessere Orientierung und kürzere Wartezeiten für Patientinnen und Patienten. Sie profitierten von mehr Navigation und einer schnelleren Versorgung entsprechend der medizinischen Notwendigkeit, sagte die CDU-Politikerin nach einem Auftaktgespräch für eine geplante Reform mit Branchenvertretern in Berlin.
Am Ende werden alle Seiten von dieser Reform profitieren.
Aber nicht nur Patientinnen und Patienten soll dieses System von Nutzen sein: „Am Ende werden alle Seiten von dieser Reform profitieren“, erklärt Warken. Kapazitäten der Ärztinnen und Ärzte könnten auch effizienter und gezielter eingesetzt werden.
Wesentlicher Bestandteil der Reform sei ein „verlässliches digitales beziehungsweise telefonisches Verfahren zur Ersteinschätzung sowie die Weiterentwicklung der Terminvermittlung“, sagt Warken.
Primäre Anlaufstelle: Hausarzt
Die schwarz-rote Koalition will ein verbindliches Primärarztsystem einführen, bei dem Patientinnen und Patienten in der Regel primär, also zuerst, in eine Hausarztpraxis gehen. Diese soll sie bei Bedarf – und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum – an Fachärzte überweisen. Kommen soll außerdem eine online-gestützte Einschätzung von Beschwerden noch vor Praxisbesuchen. Warken sagte, ein erster Gesetzentwurf solle bis zum Sommer erarbeitet werden. Greifen solle das neue System dann voraussichtlich 2028.
Kein neuer Flaschenhals
Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte, es solle kein „Flaschenhalssystem“ werden, das Menschen von der Versorgung fernhalte. Eine bessere Zuordnung von Patienten spare aber zumindest kurzfristig auch kein Geld. Außerdem stellte er die Frage, ob denn jeder medizinische Kontakt immer von Ärzten geregelt werden müsse. Er fordert, die Patientenservice-Nummer 116117 im Sinne der digitalen Steuerung auszubauen. So könnten eventuell über die elektronische Patientenakte E-Rezepte übermittelt werden, was den Arztbesuch in manchen Fällen ersetzen könnte.
Kopplung der digitalen Versorgung
Die stellvertretende Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Stefanie Stoff-Ahnis sagte, der eigentliche Durchbruch werde durch eine Kopplung der digitalen Ersteinschätzung mit einer E-Überweisung und einer einheitlichen digitalen „Terminbörse“ entstehen. Ihre Vision dabei ist, eine zentrale Plattform, eine App zu entwickeln, über die der „digitale Versorgungspfad“ einheitlich geregelt wird – von der Terminvermittlung mit automatischen Terminvorschlägen, über dem Versenden von (Vor-)Berichten an den zuständigen Arzt bis hin zur Unterstützung zur Selbstbehandlung.
Das solle nicht nach Science-Fiction klingen, die Basis zur Einrichtung einer solchen digitalen Navigations-Plattform gebe es bereits. Man müsse endlich damit anfangen, die einzelnen Bausteine zusammenzuführen. „Es ist höchste Zeit, das Gesundheitssystem in die digitale Gegenwart zu bringen“, resümiert Stoff-Ahnis. Wie das Navigations-Tool aussehen könnte, haben Krankenkassen nun in einem Papier vorgelegt.








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