
Mit den Worten „Die Weltordnung und ihre Regeln haben sich grundlegend verändert“ startete Fresenius-Vorstandschef Michael Sen in die Jahres-Pressekonferenz. Der Gesundheitskonzern legte an diesem Mittwoch, 25. Februar, seine Zahlen für 2025 vor.
In den vergangenen drei Jahren richtete Sen den Konzern neu aus. Randgeschäfte wurden verkauft, Strukturen verschlankt und die frühere enge Verflechtung mit dem Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) gelöst, der heute nur noch als Finanzbeteiligung geführt wird. Hinzu kam als bedeutender Schritt auch der weitgehende Rückzug aus der verlustträchtigen österreichischen Tochter Vamed. Damit schnitt Sen den Konzern auf die Pharmatochter Kabi und das Klinikgeschäft mit Helios und Quirónsalud zu.
Wir sagen, was wir tun und wir tun, was wir sagen.
„Wir haben Quartal für Quartal konstant gute Leistungen gezeigt und durch Verlässlichkeit und konsistentes Handeln viel Vertrauen zurückgewonnen“, erläuterte Sen. Und das sei auch der Anspruch des Konzerns. „Wir sagen, was wir tun und wir tun, was wir sagen.“ Er sei zuversichtlich, auch in der neuen Weltordnung Erfolge zu erzielen, da das Unternehmen „seine Hausaufgaben“ gemacht habe. Durchbrüche sieht Sen vor allem in der KI und Digitalisierung.
Erhöhte Prognose erreicht
Der Erfolg des Umbaus gibt Sen bislang recht: In den vergangenen Jahren verbesserten sich die Resultate wieder, und 2025 lief es für den Konzern besser als zunächst gedacht. Im Sommer setzte Sen deshalb beim Umsatz die Latte höher, im November hob er dann auch die Gewinnprognose für das Jahr.
Der Konzern-Umsatz lag 2025 bei 22,6 Milliarden Euro (2024: 21,5 Milliarden Euro), was einem organischen Wachstum von sieben Prozent entspricht (2024: acht Prozent). In den zwölf Monaten kletterte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) um sechs Prozent auf 2,6 Milliarden Euro (2024: 2,5 Milliarden Euro, +10 Prozent). Im Vergleich zu 2022 befinde sich Fresenius laut Sen heute „auf einem fundamental anderen Niveau“, und das obwohl auch 2025 kein Selbstläufer gewesen sei.
Die Einführung von Zöllen, gesunkener Dollarkurs und die Energieausgleichszahlungen in Höhe einer dreistelligen Millionensumme, die bei Helios in Deutschland weggefallen sind – das alles setzte auch dem Bad Homburger Konzern zu. „Wir haben trotzdem unsere Ziele erreicht“, so Sen. Bei klaren Prioritäten sei es möglich, die Ertragskraft zu stärken und organisch zu wachsen. Die Phase „Rejuvenate" bedeute Wachstum, Innovationen, und Lösungen von morgen. Aber sie bedeute auch Verjüngung und neue Impulse, wie Sen weiter erläuterte. „Wir verjüngen unser Team durch neue Talente“ – man darf gespannt sein, was sich personell hier noch tut.
So lief es bei Fresenius Helios
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Fresenius Helios ein organisches Umsatzwachstum von sieben Prozent auf 13,5 Milliarden Euro (2024: 12,7 Milliarden Euro). Das ausgegebene Ziel von rund 100 Millionen Euro Einsparungen durch das Sparprogramm konnten erreicht werden.
Helios Deutschland erzielte ein organisches Umsatzwachstum von sechs Prozent aufgrund guter Entwicklung der Patientenzahlen und positiver Preisentwicklung. Der Umsatz lag 2025 bei 8,1 Milliarden Euro (2024: 7,7 Milliarden Euro). Der organische Umsatzanstieg in Spanien von sieben Prozent auf 5,4 Milliarden Euro (2024: 5,1 Milliarden Euro) ist zurückzuführen auf das starke Aktivitätsniveau sowie Vergleichszahlungen mit den Kostenträgern zum Jahresende.
Insgesamt wurden in den Kliniken rund 27 Millionen Patientinnen und Patienten behandelt. Auch mit dem Ausbau der Cluster komme man gut voran. Sen schwärmte während der Pressekonferenz von Quirónsalud in Spanien als „der wahrscheinlich innovativsten Klinikkette in Europa“. Vor allem der Einsatz von KI und Digitalisierung trage dort zum Erfolg bei. So nutzen in Spanien rund neun Millionen Menschen die digitale Plattform „Casiopea“.
Lassen Sie uns doch mal die Rahmenbedingungen von Spanien nach Deutschland kopieren.
Auf die spätere Frage eines Journalisten, warum die Plattform, wenn sie „angeblich so wunderbar“ sei, nicht auch in Deutschland eingesetzt werde, reagierte Sen sofort: „Sie ist nicht angeblich toll, sondern sie ist toll“. Einfach kopieren und hierzulande einsetzen sei aber aus regulatorischen Gründen nicht möglich. Als Beispiele nannte er Datenschutz, die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Interoperabilität. Die Plattform sei auch deswegen so toll, weil sie die Patientenreise abbilde, also den Patienten in den Mittelpunkt stelle, und weil es keine Sektorengrenzen zwischen ambulant und stationäre gebe, führte Sen weiter aus. Man müsse also vielmehr die spanischen Rahmenbedingungen kopieren und in Deutschland einsetzen.
Ausblick
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern ein organisches Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent. Bei Fresenius Helios stehen Zuwächse im mittleren einstelligen Bereich auf dem Plan. Sen erklärte, das Unternehmen werde nun stärker auf die Aktionäre ausgerichtet, um nachhaltigen Shareholder Value zu schaffen. 2026 soll es also weiter aufwärtsgehen. „Wir sind überzeugt, dass wir auch weiterhin profitabel und nachhaltig wachsen werden“.
Analysten monierten einhellig den Ausblick des Unternehmens als schwach. Auch die Zahlen zum Schlussquartal seien durchwachsen ausgefallen. JPMorgan-Analyst Richard Vosser gab zu bedenken, dass Fresenius üblicherweise mit konservativen Zielen in das Jahr starte und diese dann womöglich noch anheben könnte.








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