Georg Thieme Verlag KG
kma Online

Pessimistische GesundheitswirtschaftErheblicher Kostendruck durch hohe Energie- und Rohstoffpreise

Die Gesundheitswirtschaft ringt mit dem Risiko steigender Energie- und Rohstoffpreise. Ebenjenes hat sich laut Gesundheitsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sogar noch vor den allgegenwärtigen Fachkräftemangel geschoben.

wsf-f/stock.adobe.com

Symbolfoto

Das Risiko steigender Energie- und Rohstoffpreise stellt aktuell eine zentrale Herausforderung für die deutsche Gesundheitswirtschaft dar. Mehr als zwei Drittel der rund 700 Unternehmen, die sich bis Mai am Gesundheitsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) beteiligt haben, sind besorgt über die jüngsten Preisentwicklungen (72 Prozent), in der vorangegangenen Befragung zu Jahresbeginn waren es noch rund die Hälfte (51 Prozent). Das nach wie vor belastende Dauerthema Fachkräftemangel landet nun mit 66 Prozent auf der Liste der Geschäftsrisiken dicht dahinter. Auch die hohen Arbeitskosten werten knapp der Hälfte der Betriebe (49 Prozent) als bedrohlich – ein neuer kritischer Höchstwert.

Schlechtere Aussichten in Gesundheitswirtschaft als in Gesamtwirtschaft

„Bei unserer Frühjahrsbefragung hatten die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft noch die Hoffnung, dass der allgemeine Negativtrend weitgehend an ihnen vorüberziehen wird", so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, der harte Lockdown in China und zusätzliche Probleme in den Lieferketten würden den schon vom Fachkräftemangel gebeutelten Wirtschaftszweig on top in Atem halten.

Der hohe Kostendruck bei Energie und Rohstoffen trifft die einzelnen Branchen der Gesundheitswirtschaft unterschiedlich hart: Nahezu alle Unternehmen der pharmazeutischen Industrie (95 Prozent) und 87 Prozent in der Medizintechnik spüren diese Belastungen verhältnismäßig stark; im Handel mit Gesundheitsgütern sind mit 70 Prozent ebenfalls viele Betriebe betroffen. Aber auch im weniger energieintensiven Dienstleistungssektor der Gesundheits- und sozialen Dienste leiden immer noch fast zwei Drittel der Unternehmen (62 Prozent) unter steigenden Preisen.

Medizintechnik schaut pessimistischer in die Zukunft

Auch die Unternehmen in der Medizintechnik erwarten geringere Wachstumschancen als noch Ende 2020 – trotz einer guten Auftragslage. Die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe, stockendende Lieferketten durch den Russland-Ukraine-Krieg sowie den chinesischen Lockdown als auch die Vorgaben der neuen EU-Verordnung für Medizinprodukte (MDR) verunsichern die Branche. Dennoch hat sich die Geschäftslage seit Anfang 2022 verbessert. 41 Prozent der befragten Unternehmen in der Medizintechnik bewerten diese aktuell als gut; wohingegen nur zehn Prozent ein „schlecht“ vergaben. Insgesamt liegt die Wirtschaftslage jedoch weiter unter dem Vor-Corona-Niveau.

Getrübter Ausblick auf die zweite Jahreshälfte

Insgesamt rechnet nur noch ein Viertel der Betriebe in der Gesundheitswirtschaft (22 Prozent) mit einer Verbesserung der eigenen Geschäfte, 30 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Die Pharmaindustrie zeigt sich hier noch am optimistischsten. Etwa die Hälfte (53 Prozent) – gegenüber einem knappen Drittel in der gesamten Industrie – plant, in den Kapazitätsaufbau zu investieren – und damit zu expandieren. Das schlägt sich auch in den hohen Beschäftigungsplanungen der Branche nieder.

Im Gesundheitsgüter-Handel dagegen rechnen 42 Prozent der Betriebe mit Umsatzrückgängen – damit setzt sich der seit Herbst 2019 anhaltende Negativtrend fort. Ein Grund hierfür dürfte auch in der Verunsicherung darüber liegen, welche Auswirkungen die schleppende Einführung des E-Rezepts auf die eigenen Geschäfte haben wird.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!