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KIS-Markt im UmbruchNach Agfa will sich auch Cerner von KIS trennen

Branchenführer Agfa steht vor dem Verkauf des in deutschen Krankenhäusern am häufigsten installierten Krankenhausinformationssystems (KIS) Orbis an den italienischen Interessenten Dedalus. Nun folgt der zweitgrößte KIS-Hersteller in Deutschland: Cerner will sich ebenfalls von KIS-Systemen trennen.

Cerner Standort Berlin
Cerner

Cerner fokussiert sich nach Berlin: Im Zuge der Zukunftsvision des US-IT-Riesen werden alle Standorte in Deutschland nach Berlin verlagert.

Als der US-Gigant Cerner vor vier Jahren Siemens – und damit auch das KIS Medico – aufgekauft hat, wurde der im deutschen Markt bis dahin eher unerhebliche KIS-Hersteller Cerner, dessen KIS Millenium nur an wenigen Krankenhäusern installiert war und ist, quasi über Nacht zum zweitgrößten KIS-Anbieter hierzulande. Nach kma-Informationen ist Medico in etwa 230 Krankenhäusern installiert. Bereits seit Jahren wird spekuliert, dass das KIS Medico und die anderen Soarian-Produkte nur „Beifang“ gewesen seien und bald veräußert würden, da es hauptsächlich darum gegangen sei, mit Siemens den größten Konkurrenten in den USA zu schlucken.

Während Arne Westphal, damals einer der drei Deutschlandchefs von Cerner, 2015 den Markt beruhigte und verlauten ließ, dass Cerner sich bis dahin noch nie aus einem Markt zurückgezogen hätte, ist die Lage heute eine andere. Was vor Jahren bereits ängstlich beäugt wurde, wurde nun – so berichtet ein Insider – Wirklichkeit: Cerner wird sich von den Produkten Soarian Integrated Care sowie Soarian Health Archive und dem KIS Medico (beide Carve-out) trennen. Man wolle sich, so heißt es weiterhin, zeitnah von allen Produkten trennen, die kein Wachstum versprechen bzw. länderspezifisch sind und nicht in die neue Zukunftsvision passen.

Cerner setzt auf die Cloud

Bereits in der Oktober-Ausgabe hat kma berichtet, dass Cerner durch eine Kooperation mit Amazon im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) künftig auf Cloud-basierte IT-Lösungen setzt und im Bereich der KI expandieren will. Die beiden KIS Soarian Clinical und ISH-Med bleiben erst einmal bestehen. Das erste KIS wurde ursprünglich von Siemens entwickelt und basiert auf SAP – und ist damit Cloud-fähig. Dennoch wird es mittelfristig auch abgelöst werden. ISH-Med, ebenfalls SAP-basiert, findet vor allem in Südamerika Anwendung und ist in Deutschland hauptsächlich an Unikliniken installiert.

Compugroup hat aufgerüstet

Zeitgleich hat die Compugroup Medical den KIS-Manager und Spezialisten Andreas Waldbrenner seit September in den Reihen der Geschäftsführung, um vor allem die Marktposition des firmeneigenen Klinikinformationssystems CGM Clinical auszubauen, wie es aus Firmenkreisen heißt. Vor zwei Jahren hatte die Compugroup ihr für den internationalen Markt neu entwickeltes KIS auf der DMEA, der Messe für vernetzte Gesundheit, gelauncht.

Dennoch fachte das Erscheinen Waldbrenners die Gerüchteküche an, hatte die Compugroup doch bereits 2016 Interesse am Agfa-KIS Orbis geäußert. Der Deal scheiterte damals, doch Agfa organisierte extra seine Healthcare-IT-Sparte in einer eigenen Einheit (kma berichtete im Juli/August). In Branchenkreisen galt die Compugroup bislang als einer der größten Kaufinteressenten. Compugroup-Unternehmenssprecher Michael Franz äußerte sich dazu im Oktober ausweichend: „Wir schauen uns natürlich immer alles genau an, aber Herr Waldbrenner ist in erster Linie zu uns gestoßen, um unser eigenes KIS CGM Clinical weiter erfolgreich in den Markt zu bringen.“ Nun ist klar, dass die Compugroup im Übernahmekampf leer ausgeht. Agfa hat jüngst bestätigt, dass exklusive Verkaufsgespräche mit dem italienischen Anbieter Dedalus geführt werden. Hinter Dedalus steht der französische Finanzinvestor Ardian.

Überarbeitet: 06.12.2019

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