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kma Entscheider BlogDie drei zentralen Erfolgsfaktoren für Kliniken im Jahr 2021

Im kommenden Jahr stehen viele Stakeholder des Gesundheitswesens, insbesondere Krankenhäuser am Scheideweg zwischen Erfolg und Misserfolg. Die Kernthemen und wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jahr 2021 erörtere ich in diesem Artikel.

Manuel Heurich
BinDoc

Manuel Heurich, Gründer und Geschäftsführer der BinDoc GmbH und Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Das Jahr 2020 stand und steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Bereits sehr früh zeichnete sich ab, dass die pandemiebedingten Hilfspakete der Regierung die wirtschaftliche Lage der Kliniken stützen wird.

Aktuell und vor allem im nächsten Jahr werden diese Hilfspakete deutlich differenzierter beziehungsweise gar nicht mehr verteilt, sodass Kliniken wieder aus eigener Kraft am Markt bestehen müssen. Der Digitalisierungsdruck mit dem geschnürten Förderprogramm sowie den Investitionsmitteln aus dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) ist hierbei auf der einen Seite eine Chance, auf der anderen Seite aber auch ein Risiko, wenn falsche strategische Entscheidungen getroffen werden.

Qualität, Digitalisierung und Patientenströme werden das Jahr 2021 entscheiden

Meine persönliche Prognose für die kommenden zwei Jahre ist eine weitere radikale Differenzierung des Klinikmarktes in Gewinner und Verlierer. Das bedeutet, dass es viele Kliniken geben wird, die der Geschwindigkeitserhöhung beim Thema Digitalisierung und Qualität nicht folgen können und entweder übernommen, vom Träger gestützt oder gänzlich vom Markt verschwinden werden. Drei zentrale Themen werden über die Gewinner und Verlierer entscheiden: Qualität, Digitalisierung und Patientenströme!

Faktor Qualität

Bereits heute wissen wir, dass es in der deutschen Kliniklandschaft massive Qualitätsunterschiede gibt. Konkret sehen wir das bei der Nichterreichung von Mindestmengen, Auffälligkeiten bei berichtspflichtigen Qualitätsindikatoren, Wiederbesetzungsschwierigkeiten bei offenen Stellen im ärztlichen oder pflegerischen Dienst sowie massiven Einbrüchen bei den Patientenzahlen. Getrieben von der Digitalisierung wird sich im Jahr 2021 die Qualität noch stärker auf die Wirtschaftlichkeit von Kliniken auswirken.

Ein wichtiger Grund ist die Tatsache, dass digitale Instrumente die Qualitätstransparenz für Patienten erhöht, was wiederum mit einer stärkeren Patientenwanderung einhergehen wird. Zukünftig wird es immer weniger Patienten geben, die vor einem anstehenden stationären Aufenthalt keine digitalen Instrumente zur Informationsgewinnung nutzen. Dadurch wird die Qualität der potenziell behandelnden Klinik in den Vordergrund gerückt.

Ein weiterer Grund liegt in den voranschreitenden Möglichkeiten der Datenverarbeitung zur Informationsgewinnung. Hier sind an vorderster Stelle die Potenziale der künstlichen Intelligenz zu nennen. Die Nutzung von Machine Learning-Algorithmen stellt vollständig neue Möglichkeiten für die Bewertung der medizinischen Qualität einer Klinik dar. Schwachstellen in der medizinischen Qualität können objektiv aufbereitet werden und der Vergleich von Qualitätsparametern wird hierdurch auf ein neues Level gehoben. Aus eigenen Erfahrungen bei unseren Machine Learning-Projekten bei BinDoc kann ich berichten, dass die Technologie einen ganz neuen Horizont eröffnen kann. Wir werden Zusammenhänge, Muster und Gründe für medizinische Outcomes erkennen, die wir zuvor nicht sehen konnten.

Faktor Digitalisierung

Die Digitalisierung erhöht den Druck auf die Kliniken nicht nur in der Bewertung ihrer Qualität, sondern auch in der Fokussierung auf die richtige Medizinstrategie. Universitätskliniken ausgenommen, wird es zukünftig für kleine, mittelgroße und auch große Kliniken schlichtweg nicht möglich sein, die massiven Investitionen in die Digitalisierung, die für eine hohe medizinische Qualität notwendig sind, in allen Fachbereichen zu tätigen. Dies zwingt die Krankenhäuser ihre Medizinstrategien zielgerichtet auf die Nachfrage am Markt, die vorhandenen ambulanten Kapazitäten in Form von niedergelassenen Ärzten und den Ausbau der richtigen medizinisch-technischen Infrastruktur auszurichten. Und auch für die strategische Ausrichtung sind Investitionen in Technologie notwendig, um auf Basis datengestützter Analysen die richtigen Entscheidungen überhaupt treffen zu können.

Es werden sich demnach drei Bausteine der Digitalisierung auf die wirtschaftliche Lage der Kliniken auswirken:

  • Digitalisierung als Enabler für mehr Qualitätstransparenz,
  • Digitalisierung als Enabler für die richtige Medizinstrategie und
  • Digitalisierung als Enabler für die medizinische Leistungserbringung.

Jeder der drei Bausteine muss den Verantwortlichen in den Krankenhäusern und auch bei deren Stakeholdern präsent sein, denn nur so wird ein nachhaltiges Bestehen am Markt sichergestellt.

Faktor Patientenwanderung

Die Patientenwanderung kann als eine abhängige Variable der zuvor beschriebenen Faktoren Qualität und Digitalisierung betrachtet werden. Durch die exponentiell steigenden digitalen Informationsangebote im Bereich Qualitätstransparenz sowie der höheren digitale Affinität der Patienten und der einweisenden Ärzte entsteht ein Shift von einem bislang eher angebotsgetriebenen Markt hin zu einem nachfragegetriebenen Markt. Die Bereitschaft von Patienten neue Kliniken aufzusuchen und weitere Wege für elektive Behandlungen in Kauf zu nehmen, wird in 2021 nochmals deutlich zunehmen.

Neben den primären Qualitätsanforderungen der geplanten Therapie werden auch sekundäre Anforderungen wie die Hygienestandards, die Gefahr einer nosokomialen Infektion, sowie die prä- und poststationäre Betreuung eine wichtigere Rolle spielen. Der Patient erwartet von einer Klinik ein ganzheitliches Paket aus qualitativ hochwertiger stationärer Therapie, guter Vernetzung von vorangehender und nachfolgender Diagnostik und eine einfache Kommunikation.

Entscheidend für Kliniken und auch Stakeholder des gesamten Gesundheitswesens ist es, den Faktor Patient und Patientenwanderung unter Berücksichtigung dieses Shifts aktiv wahrzunehmen. Konkret heißt das für Kliniken, dass sie nicht mehr nur auf Patienten warten, sondern aktiv mit entsprechenden Maßnahmen die Patientenwanderung beeinflussen können. Die bestimmenden Faktoren für eine aktive Beeinflussung der Patientenströme sind die Instrumente der Digitalisierung richtig zu nutzen und Qualität inklusive Qualitätstransparenz zu fördern.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Jahr 2021 für viele Krankenhäuser und auch Stakeholder große Herausforderungen mit sich bringen wird. Wer den Fokus auf die wichtigsten Themen Qualität, Digitalisierung und Patientenströme verliert, der wird es im nächsten Jahr schwer haben in der hohen Wettbewerbsdichte zu bestehen. Eine klare Strategie, die kompromisslos verfolgt wird, ist zwingend erforderlich!

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