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E-Rezept – Endlich wird das Gesundheitswesen digital!

Viele Jahre hat es trotz der Einführung des E-Health-Gesetzes gedauert, nun geht es endlich voran: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das digitale Arztrezept bis 2020 angekündigt. Warum die Digitalisierung im Gesundheitswesen dadurch ins Rollen kommt.

Christian Krohne, freiberuflicher Politik- und PR-Berater und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Schluss mit den Papierrezepten, her mit den verschlüsselten Rezeptservern, auf denen der Arzt künftig die von ihm ausgestellten Rezepte speichert, die dort vom Apotheker abgerufen werden.  Mehr als 400 Millionen Rezepte werden hierzulande jährlich ausgestellt, bislang allesamt auf Papier. Dass dies der Umwelt nicht gerade zuträglich ist, versteht sich von selbst. Und trotzdem stellen sich noch immer einige Menschen gegen die Digitalisierung von Arztrezepten. Die Begründungen sind bekannt. Mangelnder Datenschutz, Menschen ohne Smartphones hätten keinen Zugriff auf die Rezepte, etc.

Die Liste an vermeintlichen, nur teilweise fundierten Erklärungen, warum alles am besten so bleiben sollte wie vor 50 Jahren, ist lang. Dabei wird ein Smartphone nicht unbedingt benötigt – es geht schließlich in erster Linie auch darum, die Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker zu erleichtern und im Gegensatz zum jetzigen Fakt, dass so ein Papierrezept schnell auch mal vom Weg aus der Arztpraxis zum Apotheker verloren gehen kann – rein theoretisch – so besteht das Risiko natürlich auch beim E-Rezept. Positiv zu betrachten ist dabei, dass es einen Wettbewerb um die technische Umsetzung geben wird. Dadurch stehen alle Entwickler unter dem Druck, ein rundum funktionierendes und sicheres Produkt zu liefern.

Digitalisierungs-Konzepte liegen bereits seit zehn Jahren in den Schublade

Für das Gesundheitswesen stellt ein Mehr an Digitalisierung natürlich zuerst eine große Umstellung dar. Veränderte Arbeitsabläufe, Umstellung der Software, die eventuelle Anschaffung neuer Geräte sowie eine Veränderung von Vergütungsmodellen. Digitalisierung wirkt für alle Betroffenen erst einmal wie ein Umstand, der zeitraubend ist, vom Geldverdienen abhält und kurzfristig wie ein Experiment wirkt, dessen Ausgang gar nicht vorhersehbar ist. Die Möglichkeit, Patienten aus der Ferne zu behandeln, elektronische Rezepte auszustellen und – wie ohnehin schon möglich – Arzneimittel quasi bis ans Krankenbett liefern zu lassen, wirken sich dauerhaft aber positiv aus – sowohl für den Arzt, der viel Zeit spart als auch für den Patienten, der sich zuhause voll und ganz auf seine Genesung konzentrieren kann und sich beispielsweise nicht mehr im Wartezimmer den Krankheitsviren anderer aussetzen muss.

Konzepte für das elektronische Rezept liegen bereits seit mehr als zehn Jahren in der Schublade und hätten Deutschland zum Vorreiter der digitalen Gesundheitsversorgung machen können. Damals hatten Versandapotheken zusammen mit dem Fraunhofer-Institut die Entwicklung des E-Rezeptes vorangetrieben. Umso erfreulicher, dass nun auch die als eher digital-aversiv bekannten stationären Apotheker Lust auf das digitale Rezept haben und bereits einen Anforderungs-Katalog an das Bundesgesundheitsministerium für die Umsetzung des E-Rezeptes vorgelegt haben. Eine derartige konstruktive Haltung zu Digitalisierungsfragen war in den vergangenen Jahren im Gesundheitswesen nicht häufig zu sehen. Schön zu sehen, dass nun auch die Allerletzten erkennen, dass Digitalisierung keine Option ist, sondern ein Prozess. Und dass es hilfreicher ist, dass „wie“ mitzubestimmen anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Deutschland will KI-Vorreiter werden

Ein interessantes Zukunftsthema dürfte auch die Entwicklung und Umsetzung der KI-Strategie sein, die derzeit von der Bundesregierung in Angriff genommen wird. Jüngst traf man sich dazu in Potsdam zur Klausur und bekannte sich dazu, Deutschland zum KI-Vorreiter machen zu wollen. Davon würde natürlich auch das Gesundheitswesen enorm profitieren. Warten wir ab, ob es bei der guten Absicht bleibt oder ob wir hier wirklich bald viel Künstliche Intelligenz in Krankenhäusern und Forschungsinstituten zu sehen bekommen.

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