kma Entscheider Blog

Hallo, kann ich mal meine Patientenakte haben?

Wir schreiben das Jahr 2019. Jeder Bürger hat ein Recht auf seine Patientenakte. Doch nicht jeder hat Zugriff darauf. Zeit für ein Praxisbeispiel.

Timo Frank, Vorstandsvorsitzender bei Hashtag Gesundheit e.V.

Als ich vor einigen Wochen nach Berlin gezogen bin, wurde ich plötzlich krank. Soweit nichts Schlimmes. Laptop auf, Google an. Ein neuer Hausarzt ist schnell gefunden. Bei der Ankunft in der neuen Praxis drücke ich Schwester Petra (ja, auf ihrem Namensschild steht wirklich Schwester) meine elektronische Gesundheitskarte in die Hand. Im Gegenzug bekomme ich von Petra einen Anamnesebogen und ein paar Blätter mit Informationen zum Datenschutz ausgehändigt. So richtig elektronisch ist meine Gesundheitskarte wohl noch nicht. Ich nehme im Wartezimmer Platz und fülle den Bogen aus.  

Meine Patientenakte ist eine Blackbox

Während ich auf meinen Aufruf warte, frage ich mich, wo meine Patientendaten nach fünf Jahren Studium und diversen Umzüge in vier Städte überhaupt gelandet sind. Die traurige Wahrheit ist, dass all meine Berichte, Bilder, Befunde und Medikationspläne quer über ganz Deutschland verteilt sind. Als Gesundheitsökonom weiß ich zumindest: Eine dezentrale Aufbewahrung ist sicher. In den Archiven meiner bisherigen Arztpraxen liegen sie bestimmt auch gut, keine Frage. Aber was bringt mir die dezentrale Speicherung meiner Gesundheitsdaten, wenn ich keinen Zugriff darauf habe? Meine Patientenakte ist eine Blackbox und niemand hat den Schlüssel. Grundsätzlich sollte es für mich ganz einfach sein, diese Blackbox zu entschlüsseln. Die Daten des letzten Vierteljahrhunderts gehören als Patient schließlich mir, oder nicht? Der neue Arzt ruft meinen Namen auf. Er stellt fest, dass er mir nicht alleine weiterhelfen kann und überweist mich zu einem Facharzt. Ich habe also ein wenig Zeit zum Einsammeln und Organisieren meiner Daten.  

„Hallo, kann ich mal meine Patientenakte haben?“

Für die Hälfte der deutschen Bürger spielt der Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten keine große Rolle. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der DAK haben 49 Prozent der Deutschen ihren Arzt noch nie nach den Unterhaltungsergebnissen gefragt. 47 Prozent bewerten die Einsicht in die eigenen Untersuchungsunterlagen als eher bzw. sehr schwer. In meinem Fall sind die Daten enorm wichtig, damit ich meinem neuen Facharzt alle notwendigen Informationen zur Behandlung bereitstellen kann. Ich muss also alle bisher besuchten Arztpraxen anrufen, um einzelne Dokumente zu erbitten und so meine vollständige, persönliche Akte zusammenzustellen. Natürlich alles auf Papier. Die Nachfrage, ob mir die Dokumente auch elektronisch per App zur Verfügung gestellt werden könnten, wird bei jedem Anruf verneint. Das sei zu unsicher und wegen der neuen Datenschutzgrundverordnung auch gar nicht erlaubt. Nicht nur als Gesundheitsökonom, auch als Patient, finde ich diese Situation ernüchternd und absurd. Immerhin habe ich die E-Mail-Adresse von Schwester Petra bekommen. Sobald ich meine Dokumente per Post erhalten habe, darf ich sie ihr zuschicken. fareast-language:EN-US;}

  • Schlagwörter:
  • Patientenakte
  • Hausarzt
  • Praxisbeispiel

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren