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Kliniken müssen bei Mitarbeiterkommunikation umdenken

Die Digitalisierung bietet Vorteile für den internen Austausch in Krankenhäusern. Gleichzeitig verkümmern unsere rhetorischen Fähigkeiten zu Steinzeitniveau. Geht es heute eigentlich nur noch digital?

Tanja Heiß, Leitung Marketing und Vertrieb bei der Lenus GmbH und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Hashtag Gesundheit e.V.

Diese Frage stellt sich vor allem beim Beobachten der Mitarbeiter unter 35 Jahren in ihren freien Minuten im Krankenhaus. Statt persönlichem Austausch liegt die Aufmerksamkeit meist beim Smartphone. WhatsApp, Instagram und Co. sind omnipräsent und sorgen vermeintlich für eine soziale Isolation. Mal eben Online-Shopping- und Dating-Portale in der Mittagspause nutzen oder sich einfach nur mit Katzenvideos vom Klinikstress ablenken lassen. Innerhalb weniger Jahre ist dieses Verhalten gesellschaftsfähig geworden. „Wie geht es eigentlich deiner Frau mit ihrem neuen Job?“ oder „Hast du einen Tipp für ein Restaurant in der Nähe?“ werden immer seltener. Gleichzeitig versuchen Krankenhäuser wie beispielswiese Agaplesion („MyAGA“) und die Lahn-Dill-Kliniken („KliniKOM“) den Trend für sich zu nutzen, indem sie gezielt digitale Projekte anstoßen. Eine Blaupause oder die Bestärkung dieser neuen Negativ-Kultur?

Es führt kein Weg an der digitalen Kommunikation vorbei

Wir können nicht ignorieren, dass wir im privaten Umfeld den digitalen Wandel schon fast vollständig vollzogen haben. Das was in der Freizeit eine Selbstverständlichkeit ist, also Informationen in Echtzeit sowie Austausch über große Entfernungen, erwarten wir auch am Arbeitsplatz. Krankenhäuser müssen uns ein gewisses Maß an digitalem Austausch bieten. Das fängt schon beim Recruiting an. Bewerberfragen per WhatsApp zu beantworten oder Bewerbungen im Videoformat einzureichen, ist inzwischen sehr beliebt.

Für ein Krankenhaus kann das ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb um die hart umkämpften Fachkräfte sein. Aber auch der mobile Austausch innerhalb des Klinikums zu Diagnosen, um eine zweite Meinung einzuholen, ist ein Mehrwert für Mitarbeiter ebenso wie der ständige Zugang zu online verfügbarem Fachwissen. Die kürzlich gestartete Initiative #faxendicke präferiert nicht nur sichere digitale Kommunikationskanäle, sie plädiert sogar für die Abschaffung des nach wie vor sehr beliebten Faxes. Das zeigt: es muss dringend ein Umdenken stattfinden, sonst werden einige Krankenhäuser von ihren Mitarbeitern abgehängt.

Bewusst analog kommunizieren

Gerade die Generation Y muss gelegentlich aus ihrem digitalen Tunnelblick herausgeholt werden. Die persönliche Kommunikation ist heutzutage wichtiger denn ja. Beziehungen mit anderen Menschen sind das, was uns von jeder künstlichen Intelligenz unterscheidet. Doch Empathie und Vertrauen muss gelernt sein. Wir benötigen diese Fähigkeiten bei der Arbeit mit unseren Patienten und unseren Mitarbeitern. Leider werden sie uns aber weder in der Schule noch im Studium vermittelt. Deshalb müssen Führungskräfte diese digitalen Pausen auch am Arbeitsplatz bewusst setzen: Smartphones bei Meetings ausschalten oder weiterleiten, das direkte Gespräch suchen anstatt wieder nur eine E-Mail zu schreiben. Und vor allem kommunikative Erlebnisse schaffen. Das kann der persönliche Geburtstagsgruß sein oder ein Feierabendbier mit dem Team. Diese Geste weiß auch der Digital Native zu schätzen.

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