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kma Entscheider BlogKrankenhausplanung NRW – Kliniken müssen sich frühzeitig vorbereiten!

Mit einer mutigen Reform in der Gesundheitspolitik prescht Nordrhein-Westfalen in der Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft vor. Welche Auswirkungen die Neuordnung der Krankenhausplanung hat und wie sich Krankenhäuser auf die Chancen und Risiken einstellen können, wird nachfolgend erörtert.

Manuel Heurich
BinDoc

Manuel Heurich, Gründer und Geschäftsführer der BinDoc GmbH und Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Die Reform der Krankenhausplanung, die NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in seinem Bundesland vorangetrieben hat, ist nun mit dem Gesetzentwurf zur Änderung des NRW-Krankenhausgestaltungsgesetzes auf den Weg gebracht. Gut möglich, dass dieses Modell Schule macht und auch in anderen Bundesländern in ähnlicher Form verabschiedet wird.

Die Implikationen, die auf die Kliniken durch die neuen Planungskriterien zukommen sind weitreichend. Neben dem Risiko als Krankenhaus zukünftig nicht mehr als „planungsrelevanter“ Versorger zu gelten und damit auch einen Großteil der Investitionsfördermittel zu verlieren, ergeben sich für Kliniken auch Chancen.

Der Status Quo der Krankenhausplanung konnte sich lange Zeit in allen Bundesländern halten. Die Investitionsfördermittelvergabe war geprägt von der Anzahl der Betten einer Klinik, welche durch die sogenannte Hill-Burton Formel berechnet wurde. Die Mängel der bisherigen Planung liegen sicherlich in dem geringen Detailgrad, dem fehlenden Leistungsbezug und vor allem einer unzureichenden Berücksichtigung qualitativer Merkmale einer Klinik.

Die Reform soll diese Nachteile beseitigen, was mit einer höheren Komplexität der Planungsprämissen einhergeht, aber auch viele Vorteile mit sich bringt. Ein erklärtes Ziel soll in der Schaffung von Transparenz liegen, welche durch die Berücksichtigung vieler unterschiedlicher Datenquellen entstehen soll. So fließen die Qualitätsberichtsdaten des G-BA, Bevölkerungsdaten auf Bundesland- und Landkreisebene, demographische Daten wie Alter und Geschlecht, Bevölkerungsprognosen sowie spezifische Diagnose-, Prozeduren- und Falldaten (ICD, OPS und DRG) in die Planungsmodelle ein.

Die wichtigste Neuerung

Die Leistungsgruppensystematik und deren Messung ist die wichtigste Neuerung in dem Krankenhausplanungskonzept von NRW. Konkret werden für unterschiedliche Leistungsbereiche der Krankenhäuser wie der internistischen Grundversorgung, der chirurgischen Grundversorgung oder auch spezifischen Bereichen wie der interventionellen Kardiologie oder Pneumologie Leistungsgruppen gebildet. Diese Leistungsgruppen werden detailliert analysiert, um herauszufinden welche Kliniken diese Leistungsgruppen mit welchen Leistungsmengen erbringen. In Kombination mit den Bevölkerungsdaten je Planungsgebiet kann festgestellt werden, ob eine Planungsregion gemessen an den Fahrtzeiten zu den relevanten Leistungserbringen über- oder unterversorgt ist. Fällt ein Leistungserbringer unter eine definierte Sensitivitätsgrenze, wird er als nicht planungsrelevant eingestuft.

Chancen und Risiken für Kliniken

Für Kliniken ergeben sich aus den neuen Planungsprämissen Risiken und Chancen. Sowohl große als auch kleine Krankenhäuser werden dazu gezwungen sich aktiv mit ihrer Medizinstrategie auseinanderzusetzen. Fällt eine Klinik aufgrund zu geringer Leistungen in einem gewissen Gebiet unter die planungsrelevanten Grenzen, könnte das für die Klinik bedeuten, dass sie für das entsprechende Fachgebiet keine Fördermittel mehr erhält. Umgekehrt besteht für das Krankenhaus die Möglichkeit sich auf gewisse Gebiete zu fokussieren, eine Expertise aufzubauen und sich als wichtiger Player in einer Region zu etablieren. Damit könnte diese Klinik stärker als aktuell in die Struktur- und Prozessqualität und innovative Medizintechnik investieren. Dieser strategische Prozess sollte in jeder Klinik systematisch durchdacht und von folgenden Leitfragen begleitet werden.

  • Wie ist meine aktuelle Marktposition in planungsrelevanten medizinischen Leistungsgruppen?
  • Welche Ressourcenbasis steht mir aktuell zur Weiterentwicklung meiner medizinischen Fachgebiete zur Verfügung?
  • Auf welche Leistungsgebiete möchte ich meinen Fokus legen unter Berücksichtigung der Wettbewerbssituation?
  • Wie wird sich die Nachfragesituation (Prognosen) in den einzelnen Leistungsgruppen entwickeln?

Kliniken, die sich frühzeitig mit diesen Leitfragen auseinandersetzen und ihre Medizinstrategie daran ausrichten, haben gute Chancen auch zukünftig als planungsrelevante Versorger eingestuft zu werden. Es gilt das Prinzip des Agierens, um nicht später auf wegfallende Fördermittel reagieren zu müssen.

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